MONT ST. MICHEL
HELMUT WYRWICH

Massive Hilfe für die französischen Hersteller

Frankreich wird in den kommenden Jahren insgesamt acht Milliarden Euro in seine Automobilindustrie investieren. Dazu gehören Hilfen als Konsum-Anreiz, Umrüstungsanreize, Forschungsanreize, Produktionsanreize. „Frankreich“, so Staatspräsident Emmanuel Macron, „soll die Nummer 1 für das saubere Auto werden.“

In Frankreich stehen derzeit 400.000 Autos unverkauft auf Halde. Der Absatz von neuen und von gebrauchten Wagen soll mit Kaufanreizen angeschoben werden. Ein Privatmann, der ein elektrisches Auto kauft, erhält eine Prämie von 7.000 Euro. Unternehmen und Organisationen erhalten 5.000 Euro. Das hybride Auto wird mit 2.000 Euro bezuschusst. Wer sein altes Auto in ein gebrauchtes Hybrides oder einen Diesel der jüngsten Generation umtauscht, erhält 3.000 Euro Prämie. Wer dasselbe mit einem gebrauchten Elektrowagen macht, bekommt 5.000 Euro. Dieses Programm ist auf 200.000 Autos begrenzt.

Neben dem Konsumanreizen gibt es klare Vorgaben für die französische Automobil-Industrie. Der Mehrwert der Produktion soll zukünftig in Frankreich liegen. In Frankreich sollen so viele wie möglich elektrische Autos fabriziert werden. Macron macht der Automobilindustrie das Elektroauto zu ersten Priorität. Hybride Wagen akzeptiert er gerade noch, andere Antriebe wie etwa Wasserstoff, nennt er nicht. Für das Kauf-Anreizprogramm stellt Frankreich eine Milliarde Euro zur Verfügung.

In den kommenden zwei Jahren soll die Automobilindustrie ihre Produktion umstellen. Das saubere Auto soll in Frankreich hergestellt werden. Zur Unterstützung der Ausrüster stehen 200 Millionen Euro zur Verfügung. Zur Herstellung und Entwicklung des sauberen Autos und zur Entwicklung des automatisierten Wagens wird ein Fonds von 600 Millionen Euro eingerichtet, der mit 400 Millionen vom Staat und je 100 Millionen von Renault und Peugeot gespeist wird. Für das Auto der Zukunft stehen noch einmal 150 Millionen zur Verfügung.

Macron verpflichtet die beiden großen Hersteller Peugeot und Renault, ihre Produktion in den Zukunftsbereichen auf Frankreich zu konzentrieren. Peugeot wird das elektrische Modell 3008 in Mulhouse konzentrieren, hat sich verpflichtet 450.000 elektrische und hybride Autos in seinen französischen Fabriken herzustellen.

Renault wird Mitglied des Batterie-Konsortiums, das Batterien in Europa und nicht mehr in Asien produzieren soll.

Das Unternehmen hat zugesagt, einen neuen elektrischen Motor in Frankreich zu entwickeln. Am kommenden Freitag wird Renault seinen Restrukturierungplan vorstellen. Bis Ende 2021 will Frankreich weiter 100.000 elektrische Ladestationen über das Land verteilen.

Die acht Milliarden Euro, die der französische Staatspräsident insgesamt in die Automobilindustrie steckt, haben zwei Ziele. Einerseits sichert er 400.000 Arbeitsplätze, die es direkt gibt und 600.000 bei Zulieferern und Entwicklern. Andererseits holt er eine Industrie nach Frankreich zurück, die sich im Wesentlichen im Ausland entwickelt hat.

Die französische Automobilindustrie entwickelt und produziert zu zwei Dritteln im Ausland. Macron sorgt nun mit viel Geld dafür, dass der Mehrwert mit Entwicklung und Zukunftsproduktion nach Frankreich zurückkehrt.