LUXEMBURG
MARCO MENG

Was bedeutet „nachhaltiges Bauen“?

Klima- und Umweltschutz bedeutet vor allem, Energiessparen. Energieeffizientem Bauen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Um sich darüber auszutauschen, wie nachhaltiges Bauen und dessen Umsetzung in der Praxis aussieht, lud die schweizerische Botschaft gestern gemeinsam mit der Agentur „myenergy“ nach Esch-Belval ins „Maison du Savoir“. Experten aus der Schweiz berichteten von ihrer Erfahrung in der Eidgenossenschaft und erläuterten den „Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz“ als ein Modell zur umfassenden Beurteilung der Nachhaltigkeit von Gebäuden. Der Architekt Manfred Huber von der schweizerischen „aardeplan AG“ erläuterte, wie in der Schweiz Nachhaltigkeit in der Praxis aussieht. Dabei waren zwei Punkte besonders interessant: Einmal anpassbare Gebäudetechnik und Nutzungsflexibilität sowie die Nutzung regionaler Ressourcen, die in der Frage der nachhaltigen Gebäudeerrichten nicht zu vernachlässigen ist.

Auch das Wohnungsbauministerium in Luxemburg hat das Ziel, Nachhaltigkeit zu fördern. Hier sind ab nächstem Jahr nur noch bei Neubauten Passivhäuser erlaubt, Häuser also, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen. Daneben hat aber vor allem auch die Sanierung bestehender Gebäude große Bedeutung, ist das doch die überwiegende Mehrheit der Gebäude im Land. Doch was bedeutet in diesem Zusammenhang „nachhaltig“? Luxemburg hat eigens deswegen die freiwillige Nachhaltigkeits-Zertifizierung für Wohngebäude („LENOZ“) initiiert, die gestern von Markus Lichtmeß von Goblet Lavandier & Associés für das „Ministère du Logement“ vorgestellt wurde. „Das Wirtschaftsministerium hat 2006 den Energiepass initiiert, der zum ersten Mal die Energieeffizienz von Gebäuden zertifizierte“, erklärte Markus. Irgendwann gelange man aber an den Punkt, wo nach Stand der aktuellen Technik die Energieeffizienz nicht mehr in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen erreicht werden könne, erklärte Lichtmeß dem „Journal“ vorab. Zudem sei für die Nachhaltigkeitsbewertung der Primärenergiebedarf nicht mehr das allein Ausschlaggebende, sondern auch der Energiebedarf zur Errichtung des Gebäudes nehme einen signifikanten Stellenwert ein. Dieser Energiebedarf macht nämlich etwa 50 Prozent aus, wie Lichtmess gestern zeigte.

Schon bei der Planung Rückbauberücksichtigen

Die LENOZ-Nachhaltigkeitszertifizierung berücksichtigt darum nicht nur, wie viel Energie ein Haus jetzt oder in den nächsten Jahren verbraucht, sondern auch, wie viel für die Herstellung des Gebäudes samt der Materialien notwendig war. Somit müssten auch die Baumaterialien bewertet werden, erklärt Lichtmeß, zumal man auch bei der Auswahl dieser Materialien schon in der Planung ohne viel Mehrkosten die Recyclebarkeit des Hauses berücksichtigen kann. Nachhaltigkeit sei auch, führt der Experte weiter aus, dass man beim Bau eines Gebäudes schon berücksichtigt, dass dieses barrierefrei ist, also die Bewohner es auch nutzen können, wenn sie alt und in der Bewegung eingeschränkt seien. Das spare übrigens auch später Geld, wenn man die Gebäude umbauen oder andere, diesmal barrierefreie Gebäude, errichten müsse.

„Der Nachhaltigkeitsgedanke umfasst nicht nur energetische Aspekte“, sagte Lichtmeß, „sondern auch funktionale Aspekte“. Darüber hinaus werden in der Nachhaltigkeitsbewertung für das LENOZ-Zertifikat auch Kriterien wie der Standort von Gebäuden berücksichtigt. „Insgesamt werden für LENOZ 150 einzelne Kriterien bewertet“, so Lichtmeß. Der besagte Energiepass sei darum zentrales Element auch in der Nachhaltigkeitszertifizierung, denn er erfasse bereits viele notwendige Daten.