LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Ausgerechnet  am gleichen Tag, als „déi gréng“ ihren ersten digitalen Kongress organisierten, auf dem das junge  Talent Meris Sehovic zum neuen Co-Präsidenten gewählt wurde, der fortan mit der ebenso jungen Co-Präsidentin Djuna Bernard für frischen Wind in der inzwischen auch schon in die Jahre gekommenen Partei sorgen soll, sorgte der von TNS Ilres im Auftrag des „Luxemburger Wort“ und RTL durchgeführte „Politmonitor“  für lange Gesichter bei der  einst so erfolgsverwöhnten Partei, die zwar als Retter der blau-rot-grünen Koalition angetreten war, danach aber ganz schnell an Glanz verloren hat, nicht zuletzt wegen der leidigen Gartenhäuschen-Affäre.
Nachdem „déi gréng“ bereits in der vergangenen Woche im ersten Teil der Umfrage Federn lassen mussten und laut der „Sonndesfro“ einen ihrer neun Sitze verlieren würden (derweil sich der Koalitionspartner DP aber gleichzeitig von zwölf auf 15 Sitze verbessern und der andere Koalitionspartner LSAP seine zehn Sitze behalten würde),  gehören sie nun auch bei den Köpfen zu den großen Verlierern, kann sich von fünf grünen Ministern doch lediglich Sam Tanson in den Top Ten behaupten, auch wenn sie vier Prozentpunkte einbüßt und nur auf Platz neun kommt. Nahezu ins Nirwana abgerutscht ist hingegen der ehemals als „Super Turmes“ bekannte Energie- und Landesplanungsminister, der 18 Prozentpunkte einbüßt und auf Platz 30 gelandet ist, derweil sich Wohnungsbauminister Kox (Platz 26; minus neun) und Umweltministerin Dieschbourg (Platz 22; minus fünf) ebenfalls mit einem der hinteren Plätze begnügen müssen, wo mit Fraktionschefin Josée Lorsché (minus fünf), Co-Parteipräsidentin Djuna Bernard (die allerdings als einzige ihr Resultat vom Herbst bestätigen kann) und dem scheidenden Co-Präsidenten Christian Kmiotek (minus sechs) drei weitere Grünen-Politiker das Schlusslicht bilden. Lediglich der ewige Grünen-Chef François Bausch kommt noch auf Platz zwölf, muss aber auch fünf Prozentpunkte einbüßen.
Es war dann auch selbiger Bausch, der kritischen Stimmen, seine Partei sei während der Corona-Krise unsichtbar gewesen, in seiner digitalen Kongressrede entgegenhielt, dass die Grünen Ressorts besetzen würden, die sich während der Krise als wichtig gezeigt hätten, wie zum Beispiel das der Inneren Sicherheit. Na ja...
Neuer Shooting-Star im „Politmonitor“ ist indes die LSAP-Gesundheitsministerin Paulette Lenert, die sich dank ihrer unaufgeregten, aber kompetenten Art, wie sie Luxemburg bislang zusammen mit dem Regierungschef durch die Corona-Krise führte, um sagenhafte 62 Prozentpunkte verbessern konnte und damit sogar den ewigen Umfrage-Star Jean Asselborn (LSAP) auf den zweiten Platz verwies, gefolgt von Premier Xavier Bettel (DP) auf Platz drei.
Paulette Lenert kann aber, je nachdem wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickelt - und den jüngsten Entwicklungen nach zu urteilen, dürfte es angesichts dem mehr als besorgniserregenden Anstieg der Neuinfektionen nur eine Frage der Zeit sein, bis, wie dies bereits eine Reihe von Ländern getan hat, auch unsere Nachbarländer Luxemburg als Risikoland einstufen und Einreisebeschränkungen erheben - auch genauso schnell zum Sündenbock werden und genauso schnell wieder an Popularität verlieren, wie sie zuvor von ganz unten an die Spitze geschnellt ist. Es bleibt spannend...