ROLLINGEN
SIMONE MOLITOR

Ökologisch und fair: Akabo, der erste Fashion Bus Luxemburgs nimmt Fahrt auf

Seit April rollt er: Luxemburgs erster Fashion Bus. An Bord: Fair und ökologisch produzierte Mode. Hinter dem Steuer und der Ladentheke sitzt beziehungsweise steht Karel Lambert. Er berät gerade eine Kundin, als wir den blaulackierten Bus mit der leuchtend gelben Aufschrift „Akabo“ an einem sonnigen Mittwochmorgen neben dem Naturata-Markt in Rollingen betreten. Mit den Kunden plaudern und ihre Fragen beantworten, gehört dazu, wird uns der 44-Jährige später erklären.

Wir schauen uns schon mal um. Das Angebot ist überschaubar, aber durchaus breit gefächert: Von der Unterhose über die Badelatschen bis hin zur Jeans und T-Shirts in diversen Farben. Hinzukommen Taschen, Schmuckstücke und sonstige Accessoires. Das Klischee „Öko-Schlabberlook“ trifft absolut nicht zu, wie uns schnell klar wird. Junge, moderne Mode hängt auf den Kleiderbügeln, die aus Pappe sind. Das Sortiment lässt kaum Wünsche offen. Auch die Kundin ist fündig geworden, die Kasse klingelt und Karel freut sich. Immerhin hat der Tag gerade erst begonnen.

Marktlücke in Luxemburg

Wir sind neugierig geworden und wollen mehr erfahren. Was bedeutet nachhaltige Kleidung überhaupt? Wo kommt sie her? Warum ein alter Bus? Und vor allem, wie kam es zur Idee? Das Projekt „Akabo Fashion Bus“ habe er gemeinsam mit seiner Frau Lyne auf den Weg gebracht, antwortet der Düdelinger. „Wir folgen damit unserer Grundphilosophie einer ethischen und umweltbewussten Lebensweise“, führt er weiter aus. Ausschlaggebend sei indes eine Weltreise im Jahr 2002 gewesen. „In manchen Ländern habe ich deutlich gesehen, welche Spuren unser Konsum hinterlässt. Ab diesem Zeitpunkt wollten wir dann wirklich neben den Bio-Lebensmitteln auch auf Bio-Kleider umsteigen. Das war aber leichter gesagt als getan, weil es in Luxemburg fast kein Angebot gibt. Irgendwann fiel dann die Entscheidung: Wir machen es selbst“, erinnert sich der Vater dreier Kinder. Das war vor rund einem Jahr.

Die schwierigste Hürde sei die Entscheidung an sich gewesen, bemerkt der 44-Jährige. Mehr als einmal musste er sich ein „Hues du se nach all?“ aus seinem Umfeld anhören. Das störte ihn nicht, und so beantragte er drei Jahre „Congé sans solde“. „Zuerst wollten wir ein Geschäft eröffnen, da die Mieten aber doch recht hoch sind und wir nicht einschätzen konnten, ob es genügend Interesse gibt, kam uns schließlich die Idee mit dem Bus, mit dem wir an unterschiedlichen Orten Station machen könnten“, so Karel. Den Bus hat er schließlich im Netz gefunden, in München abgeholt, in der Werkstatt auf Vordermann bringen und von Innenarchitekt Do Demuth umgestalten lassen.

Faire Arbeitsbedingungen und Verzicht auf Chemikalien

Textilanbieter zu finden sei ebenfalls kein Problem gewesen, erzählt der Mittvierziger: „Zweimal im Jahr findet die Innatex statt, eine große internationale Fachmesse für nachhaltige Textilien. Wir waren erstaunt über das große Angebot, obwohl wir viele Marken bereits vorher kannten. Wir kaufen übrigens nur zertifizierte Kleider und achten auf das GOTS-Label (Global Organic Textile Standard), womit bescheinigt wird, dass die verwendete Baumwolle, biologisch angebaut wurde, das heißt ohne den Einsatz von Pestiziden. Auch die Nachbehandlung der fertigen Kleidungsstücke darf nicht mit Chemikalien erfolgen. Der GOTS zertifiziert außerdem, dass die Mitarbeiter, die die Textilien herstellen, für ihre Arbeit entlohnt werden. Im besten Fall hat ein Produkt das GOTS- und das Fairtrade-Label“. Das Angebot kommt aber trotzdem aus der ganzen Welt, oder? „Auch in Bangladesch kann man fair produzieren“, meint Karel daraufhin.

An fünf festen Wochentagen macht der „Akabo Fashion Bus“ Halt vor verschiedenen Naturata-Märkten quer durchs Land. Wird er für eine andere Veranstaltung gebucht - ja, auch das ist möglich - ändert sich der Fahrplan schon mal kurzfristig. Bislang laufe alles zur Zufriedenheit, sagt der Ladenbetreiber. Das Feedback sei gut und die Kundschaft interessiert. „Wir können natürlich nicht jeden Monat eine neue Kollektion bieten, das ist aber auch nicht nötig, wie ich finde. Wenn wir aber feststellen, dass unser Angebot zu begrenzt ist und wir es an unsere Kundschaft anpassen müssen, werden wir das selbstverständlich tun. Eigentlich waren wir davon ausgegangen, eine jüngere Kundschaft anzuziehen, das ist aber nicht der Fall, was wohl an den Preisen liegt. Wir verkaufen nun einmal keine T-Shirts für zehn Euro. Trotzdem würden wir gerne ein Umdenken bewirken“, unterstreicht er.

Kompletter Quereinsteiger

Wo ist eigentlich Frau Lambert? Sie sei hauptberuflich im Unterrichtswesen tätig, beteilige sich aber auch weiterhin. „Sie hilft mir bei der Buchhaltung und vor allem in Sachen Mode, also bei der Auswahl. Ich bin ja nun doch ein kompletter Quereinsteiger. Wir hatten von vielem keine Ahnung und mussten uns erst einmal in dem Ganzen zurechtfinden“, sagt Karel und lacht. Eine Rückkehr in seinen früheren Job bei der Bahn schließt er zwar nicht komplett aus, wünscht sich aber, „dass das hier läuft“. Irgendwann doch noch ein kleines Geschäft zu eröffnen, bleibt indes die Zukunftsvision der Lamberts. Auch wenn das Projekt mittlerweile läuft und sich seine Tätigkeit nunmehr auf das Kleiderverkaufen und die Beratung beschränkt, hat Karel den Schritt noch keine Minute bereut. Die Tage sind zwar lang, „aber der Bus muss rollen“, sagt er.