KOCKELSCHEUER
CORDELIA CHATON

Der Batteriegehäusehersteller ACCUMALUX Group hat zwei 25 m hohe Silos aufgestellt, dank derer er jetzt mit recyceltem Kunststoff produzieren kann

Große Kräne gestern auf dem Gelände des Unternehmens ACCUMALUX GROUP in Kockelscheuer: Zwei Sondertransporter aus Belgien fahren vor. Die LKW’s haben 25 Meter lange Metallsilos geladen. Für das Aufstellen der hohen Silos liegt eine Sondergenehmigung vor, weil sie in der Flugschneise des Findel liegen. Die Silos werden aufgerichtet und an Betonpfosten verankert, die zwölf Meter in die Tiefe reichen - damit bei einem Unwetter nichts passiert. „In jedes Silo passen über 110 Tonnen Kunststoffgranulat, das entspricht fünf bis sechs Lkw-Ladungen“, berichtet Charles-Louis Ackermann. Der Präsident des Batteriegehäuseherstellers ACCUMALUX und der „POUDRERIE de LUXEMBOURG“ hat lange auf diesen Moment gewartet.

„ACCUMALUX kann jetzt Gehäuse anbieten, die zu hundert Prozent aus Kunststoff-Rezyklat bestehen“, freut er sich. „Für uns ist das ein wichtiger Schritt hin zu mehr Umweltbewusstsein.“ Noch dazu sei die Lösung preiswerter für Kunden. Die zwei Silos sind die letzten von jetzt insgesamt zehn und auch die größten und mit über 250.000 Euro die teuersten. „Durch sie können wir schon ab kommender Woche mit recyceltem Material produzieren“, betont der Chef. Insgesamt hat ACCUMALUX über eine Million Euro in die Siloanlagen investiert.

Vernetzte Fabrik

Die Silos sind noch dazu in ein neues System integriert, bei dem die in ihnen gelagerten Kunststoffgranulate direkt an die Spritzgusspressen abgerufen werden. „Wir haben die Situation genutzt, um unsere Steuerung zu automatisieren“, kommentiert Ackermann. „Stichwort Industrie 4.0“.

ACCUMALUX fertigt Batteriegehäuse, unter anderem für Automobilhersteller wie Volkswagen oder PSA. Bislang wurden Kunststoffgranulate von Zulieferern geordert, die die Automobilhersteller vorgaben, also beispielsweise aus Deutschland oder Frankreich. Batteriegehäuse bestehen üblicherweise aus Polypropylen-Copolymerisat, sowie aus weiteren Kunststoffen, wie Styro-Acrylo-Nitril (SAN) und Acrylo-Butadien-Styrol (ABS), hergestellt. „SAN und ABS werden besonders in der Herstellung von Batterien für Sonnenkollektoren genutzt. Auch deswegen haben wir viel investiert“, verrät Ackermann.

Obwohl ACCUMALUX garantiert, dass der recycelte Kunststoff die gleichen Eigenschaften hat wie Kunststoff aus nicht recyceltem Granulat, viel geforscht und getestet hat, sind die Kunden noch etwas zurückhaltend. Ackermann hofft, sie durch den günstigeren Preis und den Zeitgeist zu gewinnen. „Wir sollten alle etwas für die Umwelt tun“, findet er.

Bislang hat ACCUMALUX bis zu einem Viertel recycelten Kunststoff beigemischt. Alles, was in der eigenen Produktion fehlerhaft ist, wird gemahlen und als Rezyklat direkt wieder dem Produktionsprozess zugeführt. Darüber hinaus hat ACCUMALUX noch Kunststoffabfälle in Deutschland, Frankreich und Belgien zugekauft. Doch Ackermann will der Kreislaufwirtschaft immer näher kommen und eigenen Gehäuse wieder zurücknehmen. „Wir bieten beispielsweise schon Gehäuse für Elektrowagen, wie sie auf Flughäfen verwendet werden, aus recyceltem Material an“, sagt er. Jetzt müssen nur noch die Kunden wollen. „ACCUMALUX ist ab kommender Woche bereit“, lächelt Ackermann.