BERDORF
CLAUDE KARGER

Nationale Naturschutzgebiete erhalten eine einheitliche Kennzeichnung

Es wird noch grüner in nächster Zeit in unseren Naturschutzgebieten. Der Grund: Die Natur- und Forstverwaltung (ANF) wird in den kommenden Wochen und bis Jahresende in den über 60 geschützten Zonen grüne Schilder aufstellen, beziehungsweise anbringen, welche die gesetzlichen Verhaltensregeln in den Reservaten ausweisen. Zum Beispiel, dass man auf den Wegen bleiben soll dass motorisierte Fahrzeuge verboten sind, dass Hunde an der Leine zu führen sind, keine Feuer entzündet und natürlich kein Abfall in den Naturschutzgebieten zurück bleiben soll.

Verhaltensregeln im Blick

Dem Besucher wird auf den Schildern, auf dem die Natur Vorfahrt hat – die Symbolik des umgekehrten Dreiecks, wurde dem „Code de la Route“ entlehnt – klar vor Augen geführt, was er in dem Reservat darf und was nicht. Das umgekehrte Dreieck zieren desweiteren eine Ameise und ein Farn. Ein Wink, dass  Naturschutzgebiete nicht nur spektakuläre Großsäugetiere und seltene Orchideenarten beherbergen, sondern die Arten- und Lebensraumvielfalt allgemein unter Schutz stellen. Die Ameise soll diesen eher unscheinbaren Teil der natürlichen Vielfalt darstellen, wohl wissend, dass Insekten und Ameisen insbesondere, eine sehr wichtige Rolle in natürlichen Ökosystemen einnehmen. Auf manchen Schildern kann man auch das europäische Logo des Natura 2000-Netzwerks erkennen, insofern die Reservate Teil solcher Gebiete sind.

Das ist zum Beispiel der Fall des Naturwaldreservats „Schnellert“ zwischen Berdorf und Consdorf. Das 135,61 Hektar große Schutzgebiet inmitten der herrlichen Kulisse des Müllerthals mit seinen einzigartigen Felsformationen ist das erste Reservat, in dem die neue Kennzeichnung angebracht wurde. Deshalb fand dort gestern ein symbolischer Akt im Beisein von Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng), den Bürgermeistern Edith Jeitz (Consorf) und Joe Nilles (Berdorf), den Vertretern der Natur- und Forstverwaltung sowie der regionalen Tourismusakteure statt. Wenige Meter über einem wichtigen Quellgebiet unterstrich Joe Nilles dabei die ökologische, wirtschaftliche, aber auch soziale Bedeutung des Waldes und der Natur für die Region und die Notwendigkeit des Schutzes dieses Patrimoniums.

70 weitere Naturschutzgebiete in Arbeit

„Es gilt: der Besucher sollte sich immer als Gast im Naturschutzgebiet sehen und es so verlassen, wie er es vorgefunden hat“, sagte Frank Wolff, beigeordneter Direktor der ANF. „Die Menschen sind oft in Unkenntnis der Regeln, die hier gelten“, fügte er bei. Das könne weitreichende Konsequenzen haben: Wolff führte das Beispiel der Trockenrasen in den Naturschutzgebieten in den ehemaligen Erzabbaugebieten im Süden des Landes auf, die schonend durch Schafsherden beweidet werden. Hier sei es schon vorgekommen, dass Schafe von Hunden, die nicht an der Leine geführt wurden, angegriffen oder sogar gerissen wurden. Die ANF überwacht die Naturschutzgebiete, von denen die ersten zwar bereits schon vor 40 Jahren auf Karten ausgewiesen wurden, die sich aber vor Ort erst nach und nach konkretisieren. Die Umweltministerin wies darauf hin, dass zwischen 2013 und 2019 doppelt so viele Naturschutzflächen ausgewiesen wurden, wie in den 35 Jahren zuvor und sie auch weiterhin einen hohen Rhythmus bei dieser wichtigen Arbeit möchte. Die Arbeiten zur Ausweisung von rund 70 weiteren Naturschutzzonen sind noch im Gange. Fünf bis sechs jährlich schafft man.