LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

An der Luxemburg Börse sind die meisten umweltfreundlichen Anleihen weltweit gelistet

Erdwärme, Windkraftprojekte oder Müllentsorgung: So genannte grüne Projekte gibt es viele. Aber sie sind oft kostspielig und müssen finanziert werden. Seit einigen Jahren kennt die internationale Finanzwelt eine gute Adresse: Die Börse in Luxemburg. Sie ist innerhalb weniger Jahre weltweit führend im Bereich grüner Anleihen geworden.

Chiara Caprioli wundert das nicht. Sie arbeitet als Business Development Manager bei der Luxemburger Börse. „Wir gehören zu den Pionieren der ersten Stunde. Schon 2007 wurde hier die erste Anleihe begeben“, kommentiert sie. Es war nicht irgendeine Anleihe, sondern die erste grüne Anleihe weltweit überhaupt, die von der „European Investment Bank“ (EIB) emittiert wurde. Diese wiederum fördert Projekte für Europa und auch für die Umwelt.

Aufgrund der Finanzkrise 2008 begann die Entwicklung zögerlich, doch 2014 zog die Zahl der gezeichneten „Green Bonds“ massiv an. Unter den Emittenten sind die Weltbank, KfW, die Provinz Ontario aus Kanada, die Asien-Entwicklungsbank oder die Gruppo Hera. Insgesamt haben rund 26 Unternehmen die „green platform“ der Börse Luxemburg ausgewählt. Derzeit entspricht das rund 45 Milliarden Dollar mit 110 Anleihen. „Bezüglich des Number of Listing and Betrags sind wir ebenfalls weltweit führend“, betont die Managerin. „Derzeit beträgt der Marktanteil von „green bonds“ ein Prozent des gesamten Marktes. Es ist daher wahrscheinlich, dass der Markt noch wächst, getrieben sowohl von politischen Zielen als auch den Vorlieben der Investoren“, meint Caprioli. „Durch eine größere, fortschreitende Diversifikation erwarten wir mehr Wettbewerb der Finanzzentren untereinander. Momentan will jeder Emittenten aus China und Indien anziehen, denn seit ihrem Markteintritt 2015 folgten hohe Anleihen, beispielsweise durch die Agricultural Bank of China, die Axis Bank und die Yes Bank, um nur einige zu nennen.“

Die wichtigsten Argumente, um Emittenten anzulocken, sind laut der Börse Transparenz, Nachprüfbarkeit, Vergleichbarkeit der Information und ein Eintreten für die höchsten Standards, die es auf dem Markt gibt. So arbeitet die Börse mit den Vorgaben der „International Capital Market Association“ (ICMA), und empfiehlt die „Green Bond Principles“ als bislang freiwillige Vorgabe. „Wir sorgen für die angemessene Infrastruktur, so dass Emittenten entscheiden können, wie viel Informationen sie zwischen den Mindestanforderungen und den höchsten Standards preisgeben wollen“, erklärt die Expertin. „Das ist sehr schwierig und setzt viele Vorab-Informationen voraus.“ Wer seinen Green Bond in Luxemburg listen will, muss viele Auskünfte geben. „Dadurch wollen wir Greenwashing vermeiden“, unterstreicht Caprioli. Ziel der Börse ist es nicht, die Projekte zu beurteilen, sondern die Investoren zu schützen. „Wir schulen unsere Mitarbeiter, damit sie die Emittenten intensiver befragen können“, erzählt Caprioli.

Hinter der rasanten Entwicklung der Green bonds stehen vor allem politische Entwicklungen wie die Pariser Klimakonferenz COP21. „Um solche politischen Ziele umsetzen zu können, brauchen wir öffentliches und privates Geld. Denn die Banken können nicht genug Kapital zur Verfügung stellen, weil ihnen unter anderem durch Basel II die Hände gebunden sind. Börsen können eine großartige Rolle dabei spielen, private Mittel zur Finanzierung der Klimaziele zur Verfügung zu stellen“, erklärt die Managerin. Viele Investoren wollen ihr Geld gern nachhaltig anlegen. Die meisten Anleihen sind drei- bis vierfach überzeichnet.

In China gibt es bereits öffentliche Initiativen zur Finanzierung von Green Bonds. Gemeinsam mit Indien gehört es zu jenen Ländern, die Umweltanleihen massiv pushen. Im Juli 2016 wurde am LuxSE die erste Umweltanleihe einer chinesischen Bank begeben. Ohnehin ist der Weltmarktführer für Umweltanleihen sehr international aufgestellt. Die Anleihen in Luxemburg wurden in zwanzig verschiedenen Währungen begeben, die Emittenten sind oft internationale Institutionen oder kommen aus verschiedenen Ländern. „Damit sind wir ebenfalls weltweit führend“, kommentiert Caprioli.

Vom grünen Anleihetrend profitiert die Gesellschaft, aber auch die Emittenten, die sich einen besseren Ruf schaffen. „Selbst wenn die Anleihen mit anderen vergleichbare Resultate erzielen, liegen sie oft zwischen 15 und 60 Basispunkte über dem Ergebnis“, hat die Börsenmanagerin beobachtet. Die Zeichen für weiteres Wachstum stehen auf Grün.

Zahlen und Fakten

Die Luxemburger Börse

Der „Luxembourg Stock Exchange (LuxSE) wurde 1928 gegründet. Emittenten aus über 100 Ländern sind präsent. Laut eigenen Angaben ist sie weltweit führend bei internationalen Wertpapieren. Im Segment Umweltanleihen ist sie Weltmarktführer.
-    Mehr als 110 grüne Anleihen
-    Wert: Über 45 Milliarden Dollar
-    20 verschiedene Währungen
-    25 internationale grüne Emittenten
-    70 Prozent der Anleihen haben Laufzeiten von zehn Jahren und mehr
-    Die meisten liegen zwischen 100 und 500 Millionen Dollar Ausgabewert
www.bourse.lu