LUXEMBURGGILLES SCHREINER

Interview mit Dr. Gonzo, bekannter Luxemburger DJ und bekennender Kiffer,

On ne fait pas la chasse aux consommateurs“, so der Wortlaut von Mike Goergen, Chef des Drogendezernats, vor einigen Wochen in einer luxemburgischen Tageszeitung. Um diesen Zeitraum häuften sich die Schlagzeilen, dass die Polizei fast tagtäglich überwiegend jugendlichen Kiffern das Handwerk legte. Nicht so ungewöhnlich, denn laut CRP-Santé (Centre de recherche public) wird Cannabis von 3.9% der Weltbevölkerung konsumiert . Glaubt man dieser Statistik, gibt es in Luxemburg so viele Konsumenten, dass man fast dreimal das Stade Josy Barthel füllen könnte. Schenkt man der Polizei Glauben, sind Ihr die Kiffer selbst relativ gleichgültig; die Dealer sind die Personen der Begierde. Glaubt man Dr. Colombera und anderen Ärzten, ist die medikamentöse Wirkung des THC äußerst effektiv. Und glaubt man Dr. Gonzo, … ach lesen Sie doch selbst.

Dr. Gonzo, du bekennst dich öffentlich zu deinem Cannabiskonsum, hast du keine Angst vor Repressionen?

Dr. Gonzo Nein (lacht)

Warum und wie viel konsumierst du?

Gonzo Ich konsumiere regelmäßig. Warum? Weil es mir Spaß macht, in vielen Lebenslagen einfach nur gut tut und ich einfach entspannen kann. Es gibt verschiedene Sorten Cannabis, mit unterschiedlichem Geruch, Geschmack und Wirkungsgrad. Es ist nicht viel anders als bei einem roten Wein.

Schätzungen zufolge gibt es 20.000 Konsumenten in Luxemburg. Was sagst du dazu?

Gonzo Mathematik war noch nie meine Stärke (lacht). Aus meinem Bekanntenkreis kiffen ungefähr sieben von zehn Personen, wobei es den stereotypischen Kiffer nicht gibt. Ich habe auch schon mit Polizisten und Politikern geraucht.

Mehrwertsteuerzuwachs, Schaffung neuer Arbeitsplätze, Reduzierung der Händler und folglich der damit verbundenen Kriminalität, Anwendung in der Medizin usw. Es gibt viele positiven Argumente für ein Aufheben des Verbots. Was ist für dich das Hauptargument?

Gonzo Für mich überwiegt der freiheitliche und individuelle Charakter des Grasrauchens. Es wäre doch toll, wenn der Kiffer sich nicht mehr verstecken und keine Angst vor Diskriminierung haben muss. Ich selbst bin kein wirtschaftlich denkender Mensch, von daher kommt für mich der ökonomische Faktor, der allerdings für den Staat ausschlaggebend sein sollte, persönlich nicht an erster Stelle.

Ist die Regierung zu konservativ, um den Gesetzestext zu lockern?

Gonzo Dies ist sicherlich ein Punkt. Außerdem sind wir dem internationalen Druck, besonders der großen Industrienationen, erlegen. Luxemburg hat sich als Schoßhündchen immer schön brav verhalten und nicht an der „Cannabis ist eine Einstiegsdroge“-Propaganda gerüttelt.

Ist Cannabis denn so harmlos, wie es oft dargestellt wird? Was sind deine Erfahrungen?

Gonzo Das Wichtigste ist, wie auch bei anderen Genussmitteln, was der Mensch draus macht. Sicher gibt es welche, die Marihuana nicht vertragen aber so ist es doch auch bei Alkohol oder anderen Suchtmitteln. Aber sind wir ehrlich, es ist doch heuchlerisch, einem 35-jährigen Cannabis zu verbieten und einem 16-jährigen verkauft man freien Gewissens flaschenweise Tequila oder Whiskey. Ich möchte hier aber noch einmal in aller Deutlichkeit hervorheben, dass, im Falle einer möglichen Legalisierung, ausschließlich Erwachsene betroffen sein sollten. Der Konsum von Gras in der menschlichen Entwicklungsphase kann Veränderungen des menschlichen Hirns hervorrufen. Von daher geht es mir auch nicht darum, Cannabis zu verharmlosen, sondern aufklärend damit umzugehen.

Deine Nachricht an die politischen Autoritäten!

Gonzo Grünes Licht für Cannabis statt kein Licht für die Autobahnen.