LUXEMBURG
SIMON LAROSCHE

Positive Zwischenbilanz eines Projekts für gering qualifizierte jugendliche Arbeitsuchende

Arbeitsminister Nicolas Schmit stellte bei der gestrigen Pressekonferenz in seinem Ministerium am „Rousegäertchen“ gleich zu Beginn klar, dass dies keine gewöhnliche Konferenz sei, bei der bloß vollbrachte Taten vorgestellt werden. Es sei vielmehr eine Gelegenheit, um eine eindeutige Botschaft an die jugendlichen Arbeitslosen zu richten, um genau zu sein, an jene Jugendliche, die derzeit das Gefühl hätten, dass es beruflich für sie keine Zukunftsperspektiven geben würde. Hoffnung bringt laut Minister Schmit das Projekt, welches Anfang 2013 angelaufen ist, in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, der ADEM und dem Verband der Luxemburger Unternehmen (UEL), solche Perspektiven. Alle diese Akteure hätten die Pflicht sich darum zu bemühen, die derzeitige hohe Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen (über 18%) zu senken. Insbesondere bei den unter- oder nichtqualifizierten Jugendlichen, welche in Luxemburg 42% diese Alterskategorie ausmachen, sei der Hebel anzusetzen. Diese Zielgruppe ist wegen einem Schulabbruch oft vom hiesigen Arbeitsmarkt weit entfernt und hat demnach große Schwierigkeiten, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.

100 Jugendliche beteiligt

Für Gaby Wagner, beigeordnete Chefin der ADEM, habe das Projekt einen innovativen Charakter, das es den betroffenen Jugendlichen erlauben würde, unqualifiziert ins Programm einzusteigen und qualifiziert wieder rauszukommen.

Die Vorgehensweise ist recht simpel. Der „Emploi des Jeunes“ wählt Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren aus, die keine Qualifikationen aufweisen können und die weder einen beruflichen Plan haben noch in einer Ausbildung sind. Nach individuellen Orientierungsgesprächen kommen die Jugendlichen dann in eines der beiden nationalen Ausbildungszentren in Lintgen und Bastendorf, wo sie zwei Monate lang eine soziale und technische Grundausbildung mitmachen. Diese beinhaltet Kommunikationstipps, da es laut Wagner in diesem Bereich oft Defizite mit diesen Jugendlichen gibt, sowie Tipps zur gewaltlosen Streitschlichtung, Hygiene und Auftreten. Des Weiteren wird geübt, wie man einen Lebenslauf und einen Bewerbungsbrief richtig schreibt.

Als nächste Etappen gibt es dann die Möglichkeit eines Praktikums innerhalb eines Unternehmens. Anhand eines sogenannten „Expérience d’initiation professionelle“ (EIP), können erste berufliche Erfahrungen gesammelt werden, genau wie beim „Contrat d’Appui Emploi“ (CAE). Sollte alles klappen kommt der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Während ihres EIP bekommen die Jugendlichen ein kleines monatliches Taschengeld von 150 Euro, an erster Stelle, um kleinere Ausgaben decken zu können. Jederzeit ist die Bezugsperson des Jugendlichen auch bereit, eventuelle Probleme oder gar Streitigkeiten zwischen dem Jugendlichen und seinem Chef zu schlichten. Das Projekt ist Anfang 2013 mit drei Gruppen von Jugendlichen angelaufen. Von den 289 ausgesuchten Zielpersonen, die von der ADEM in die Ausbildungszentren eingeladen wurden, sind am Ende jedoch nur 100 auch tatsächlich dem Ruf gefolgt. „Für die anderen ist die Tür aber nicht endgültig zu“, unterstrich gestern Bildungsministerin Mady Delvaux, „sie können es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.“

Wutausbrüche, Auftreten und Hygiene
thematisiert
Der Arbeitsminister fasste das Projekt auf diese Weise zusammen: „Hier bietet sich die Möglichkeit an, um über eine Ausbildung und ein anschließendes Praktikum bei einem Unternehmen einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen.“ Das Projekt könne die betroffenen Jugendlichen aber auch dazu bewegen, ins Schulsystem zurückzukehren, sei es über die „Ecole de la deuxième chance“ oder über den Weg eines „Apprentissage d’adulte“.

Laut Arbeitsminister Schmit könne von einem erfolgreichen Projekt die Rede sein, was zu einem Großteil darauf zurückzuführen sei, dass auch die Arbeitgeberseite es voll und ganz unterstützt. „Wenn wir von der Schaffung von Arbeitsplätzen reden, dann funktioniert das nur, wenn auch wirklich Stellen von den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, die teilweise auch unter- oder nichtqualifizierten Jugendlichen eine Chance bieten.“

25 Unternehmen und soziale Einrichtungen seien derzeit am Projekt beteiligt, so noch der Minister, der gleichzeitig einen Aufruf machte, um noch weitere Betriebe zu einer Teilnahme zu bewegen.

Dieses Projekt biete den Arbeitgebern die Möglichkeit, ihren Sinn für soziale Verantwortung zu zeigen, da hier einer sozial schwachen Bevölkerungsgruppe geholfen werde. Das Projekt folgt den Vorgaben der „Garantie Jeunes“ der EU, die ab Juni 2014 in der ganzen Union umgesetzt werden muss und mit dem der Staat jedem jugendlichen Schulabbrecher verspricht, ihm binnen vier Monaten tatkräftig beim Finden einer Arbeitsstelle zu helfen.

Allerdings, und das wurde gestern ausdrücklich betont, muss der betroffene Jugendliche genügend Eigenmotivation an den Tag legen.