NEW YORK/LUXEMBURG
JEFF KARIER

Jil Bentz studierte an renommierten Universitäten und träumt nun vom eigenen Architekturbüro

Es war eigentlich ein Bauchgefühl“, beschreibt Jil Bentz ihre Entscheidung Architektur zu studieren. Die hochgewachsene, elegante junge Frau machte 2007 für zwei Wochen ein Praktikum beim luxemburgischen Architekten François Valentiny. Sie habe in den Beruf hineinschnuppern wollen. „Ich konnte immer schon gut zeichnen und hatte eine Faszination für Räume und Gestaltung, dachte aber nie, dass das etwas wäre, das ich beruflich machen könnte“, erklärt Bentz. Das, was sie in dieser kurzen Zeit sah, die Atmosphäre und die Arbeit im Team führt dann zu ihrer Entscheidung Architektur zu studieren.

Jetzt ist sie Absolventin der renommierten Columbia University in New York und schloss dabei sogar als Beste ihres Jahrgangs ab. Das ist eine beeindruckende Leistung. Bevor es die heute 29-Jährige nach New York verschlug, begann sie ihre Studien kurz nach dem Praktikum bei Valentiny an der TU München. „Für mich war das die richtige Stadt zur richtigen Zeit.“ Sie sieht zwischen München und Luxemburg mehrere Gemeinsamkeiten, konnte sich daher dort gut einfinden und sich auf ihr Studium konzentrieren.

Nach drei Jahren im Süden Deutschlands, folgte ein Jahr in Montreal, eine im Vergleich zu München größere Stadt, mit einer anderen Atmosphäre. „Es war meine erste Erfahrung außerhalb von Europa.“ Nach dieser sei München zu klein für sie gewesen. Bentz suchte nach einer anderen Universität, um ihr Studium weiterzuführen. „Die deutsche Mentalität hat mir schon immer gut gefallen. Ich kann mich mit dem Ehrgeiz und der Zielstrebigkeit, denen ich in Deutschland begegnet bin, identifizieren.“ Deshalb wollte Bentz in Deutschland bleiben. Schlussendlich zog es sie 2012 nach Berlin. „Das war genau das Richtige für mich. Direkt nach Berlin zu gehen, wäre vermutlich verfrüht für mich in meiner Entwicklung gewesen“, stellt die junge Frau fest. Während ihres Studiums in Berlin machte sie bei Enrique Sobejano von „Nieto Sobejano Arquitectos“ ein Praktikum und arbeitet unter anderem am Projekt „Hotel Königshof“ in München mit. In Berlin schloss sie 2014 ihr Studium der
Architektur an der Universität der Künste als Jahrgangsbeste ab.

Einer ihrer Diplomprofessoren war der Architekt Matthias Sauerbruch von „Sauerbruch Hutton Architekten“, die für Luxemburg das EY Gebäude auf dem Kirchberg entworfen haben. Bentz blieb Sauerbruch offenbar in guter Erinnerung, denn: „Eine halbe Stunde nach der Diplomüberreichung erhielt ich eine E-Mail von ihm mit der Frage, ob ich bei ihm arbeiten möchte.“ Diese einmalige Gelegenheit ließ sich die frischgebackene Architektin nicht entgehen und unterschrieb.

Der Schritt über den großen Teich

Nach zwei Jahren in Sauerbruch’s Büro erklärte sie ihrem Mentor, dass sie auf lange Sicht ihr eigenes Architekturbüro eröffnen möchte. Sie bat ihn um Rat, welchen nächsten Schritt sie in ihrer Karriere machen sollte. Sauerbruch riet ihr, sich an einer amerikanischen Universität für ein Postgraduierten-Studium zu bewerben. Die USA kennt er nämlich gut. „Er hat selbst an der Harvard University gelehrt.“ Da Bentz bei dieser Idee ein gutes Gefühl hatte, hörte sie auf den Rat und bewarb sich an der Harvard University sowie der Columbia University.

Aufnahmeunterlagen bestanden zum einen aus dem Portfolio, das die bisherigen Arbeiten von Bentz enthielt. Zum anderen musste sie als Ausländerin einen Sprach- und Mathematiktest ablegen. „Das war bitter“ meint Bentz. Darüber hinaus zählen Empfehlungsschreiben von Architekten, wie eben von Sauerbruch und Sobejano und ihr Motivationsschreiben.

Um in New York studieren zu können, erhielt Bentz aufgrund ihrer exzellenten Leistungen gleich zwei Stipendien: Das renommierte „Fulbright“-Stipendium und ein Stipendium des DAAD - „Deutscher Akademischer Austauschdienst“. Dieses wird für gewöhnlich nur an Bundesbürger vergeben. Bentz bedauert jedoch: „Leider musste ich ein Stipendium ablehnen, da der DAAD nicht zeitgleich mit anderen gewährt werden kann.“

Der Studiengang an der Columbia University dauerte ein Jahr. „Während dieser Zeit hat man ein Studio, in dem man pro Trimester an einem Projekt arbeitet.“ Dieses wurden dann von einer Jury, die im Fall von Bentz unter anderem aus Bernard Tschumi, Juan Herreros und Kenneth Frampton bestand, bewertet. Dabei ist die junge Luxemburgerin als Beste ihres Jahrgangs hervorgegangen.

Verschiedene Schwerpunkte und Herausforderungen

Die unterschiedlichen Sch-werpunkte der Universitäten, die Bentz besucht hat, haben ihre akademische Entwicklung ergänzt und prägen nachhaltig ihre Konzepte und Entwürfe. Die TU in München legt den Fokus auf das Detail und die Konstruktion, die Universität der Künste setzt den Schwerpunkt auf das Zusammenspiel zwischen Kunst und Architektur, und die Columbia richtet ihre Aufmerksamkeit auf Architekturtheorie. „Dabei muss man sagen, dass an der Columbia die Bedeutung der graphischen Repräsentation von Entwürfen ebenfalls eine große Rolle spielt.“

Bentz hat in ihren mittlerweile zehn Jahren Studium und Beruf an zahlreichen und sehr unterschiedlichen Projekten gearbeitet. Das geht von der Umstrukturierung einer Schule, über Hotels und Wohngebäuden bis hin zu Museen. Sie war auch an einer Ausstellung auf der Biennale in Chicago beteiligt. Diese Vielseitigkeit gefällt Bentz. „Es gibt stets andere Herausforderungen, denen ich mich gerne stelle.“ Daher möchte sie sich nicht auf einen Teilbereich der Architektur festlegen. Natürlich träume jeder Architekt davon, sich in einem Projekt komplett verwirklichen zu können und zu experimentieren. „Projekte mit Einschränkungen sind aber ebenfalls sehr reizvoll, da man sich etwas überlegen muss, um sie zu lösen. Dabei kommt man auf Ideen, an die man vorher nie gedacht hat“, begründet Bentz. Wie sie erklärt, hat ihr Interesse an Filmen einige ihrer Arbeiten inspiriert. Zu den Architekten, die Bentz zu ihren Vorbildern zählt und die sie ebenfalls beeinflusst haben, zählen John Hejduk und Aldo Rossi.

Blick in die Zukunft

„Wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist, mein eigenes Büro zu eröffnen, wird das erste Projekt ein wichtiger Referenzpunkt sein“, meint Bentz. Es ist für sie jedoch wesentlich, sich selbst ständig neu zu definieren und nach neuen Inspirationsquellen zu suchen. Für sie sei jetzt schon klar, dass ihr Weg sie wieder nach Europa führen wird. „New York ist aktuell der Ort wo ich sein möchte. In der Stadt finde ich Inspiration und Innovation und einen lebendigen architektonischen Diskurs. Dies ermöglicht mir neue Sachen zu denken. Hier liegt aber nicht meine Zukunft und hier will ich auch keine Familie gründen.“

Bis der Schritt zurück nach Europa kommt, wird es noch etwas dauern. „Momentan arbeite ich bei „WORKac“ für Amale Andraos, die auch Dekanin der Columbia University ist. Außerdem habe ich über die Sommermonate als Teaching Assistent an der Uni gearbeitet.“ Die Arbeit mit Studenten interessiere sie ebenfalls. Eine akademische Karriere neben der als Architektin strebt sie an. Sie halte aber stets Ausschau nach Möglichkeiten und Gelegenheiten. Angesichts ihres beeindruckenden Werdegangs werden diese sicher nicht lange auf sich warten lassen.