LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Prozess um Gruppenvergewaltigung eines damals 17-jährigen Mädchens

Vor der Kriminalkammer Luxemburg wird seit vergangenem Dienstag eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung verhandelt.

Vier Männern im Alter von 22 bis 23 Jahren wird Vergewaltigung und unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt. Ein 17-jähriges Mädchen, das sich in einem wehrlosen Zustand befand, war seinen Angaben zufolge nachts von vier Männern in einer Wohnung in Esch/Alzette gebracht worden. Dort sollen zwei das Mädchen vergewaltigt, die beiden anderen zugesehen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die Vergewaltigungen über Stunden hinzogen. Der Ermittlerin hatte das Opfer nach der Notzucht erzählt, dass sie sich in Flashbacks wieder in die traumatische Situation zurückversetzt fühlte.

Nach der Tat hatte die Polizei insgesamt vier Verdächtige festgenommen. Einer von ihnen, Pit C., ist der Justiz als Intensivtäter bekannt, er sitzt wegen zwei Überfällen auf Tankstellen in Haft.

„Wir hatten einfach Sex“

Für Entrüstung im Saal sorgte das Verhalten der Angeklagten. Die zwei Hauptbeschuldigten hatten die Vergewaltigung im Prozessverlauf bestritten - trotz DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers. „Wir hatten einfach Sex“, sagten sie und sprachen von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr. Wegen des Verhaltens der jungen Männer blieb der heute 20-jährigen Frau eine Aussage im Prozess nicht erspart. Das Gericht vernahm sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach Ansicht von Prozessbeteiligten sagte sie glaubwürdig und detailliert aus.

„Perfides Verhalten“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag in ihrem Schlussplädoyer um die Gruppenvergewaltigung in Esch/Alzette mehrjährige Haftstrafen für die vier Angeklagten gefordert.

Mit neun Jahren sollen die Angeklagten José Carlos A. und Redy B. die Höchststrafe erhalten. Im Fall des Angeklagten Pit C. plädierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft auf vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. Eric V. soll laut Anklage für drei Jahre hinter Gitter, diese Strafe könne auf Bewährung ausgesetzt werden, sagte die Anklägerin. Die Staatsanwältin beantragte für jeden der Beschuldigten eine zusätzliche Geldstrafe.

Die Angeklagten hätten, wie die Staatsanwaltschaft feststellte, Lügengeschichten erfunden, um sich Vorteile zu verschaffen. Sie warf den Angeklagten „perfides Verhalten“ vor. Diese hätten das Mädchen in
einen Hinterhalt gelockt und in der Wohnung vergewaltigt. Sie sprach von einer Gruppendynamik in der jedes Unrechtsbewusstsein verloren gegangen sei.

Das Opfer hätte unter einem „Blackout“ gelitten. Sie hätte nicht mehr mitbekommen was mit ihr geschah. „Elle avait les yeux grand ouvert“ habe eine Zeugin gesagt. Die Anklägerin glaubt dem Opfer, sie sei durchgehend bei ihrer Tatversion geblieben. Für die Anklägerin sind die Aussagen der Beschuldigten hingegen unglaubwürdig.

Verteidigung: Tatgeschehen ungeklärt

Das sahen die vier Verteidiger etwas anders. Für sie sei nach wie vor das Tatgeschehen nicht eindeutig geklärt. Die verschiedenen Verteidiger forderten Freispruch oder stellten das Strafmaß ausdrücklich in das Ermessen der Richter oder beantragten eine Strafe auf Bewährung. Drei der Angeklagten, die das ganze Verfahren gleichgültig verfolgt hatten, hörten ohne erkenntliche Regung zu. Pit C. lachte indessen die meiste Zeit und meinte dann: „Féiert mech ërem zreck an de Klemmes.“

Das Urteil wird am 4. April verkündet.