LUXEMBURG
MARA KROTH

„Food4All“ (F4A) schafft eine Win-Win-Win-Situation für Supermärkte, Kunden und die Umwelt

Im sonnigen Belval treffe ich Ilana Devillers (25) und Xénia Ashby (25). Beide haben an der uni.lu ihren Bachelor absolviert, sind zweisprachig aufgewachsen und leben gegenwärtig in Luxemburg. Ilana beendete kürzlich ihren „Master of Entrepreneurship and Innovation“ an der Universität Luxemburg, Xénia studiert „Sciences éducatives“ in Belgien.

Seit zweieinhalb Jahren arbeiten sie schon zusammen an ihrem Startup F4A. Die beiden kennen sich schon ein Leben lang. Mit ihrem Konzept treffen sie die Bedürfnisse der jüngeren Generation und werden Teil des „Eco-Trends“: Geld sparen und gleichzeitig etwas Gutes tun für den Planeten tun.

Woher kam Eure Idee für F4A?

Ilana Vor 2,5 Jahre waren wir als Studenten im Erasmus- Programm im Ausland und waren im Kontakt mit Studierenden aus verschiedenen Ländern. Dabei fiel uns auf, dass Studenten, unabhängig von ihrer Herkunft, überall Schwierigkeiten haben, sich gesund zu ernähren. Es ist tatsächlich teurer und das sogar länderübergreifend.

In unserem Umfeld sind viele Menschen „Dumpster Diven“ gegangen, haben also die Container der Supermärkte nach Ladenschluss nach Lebensmitteln durchsucht, die noch essbar waren. Das war schockierend für uns zu sehen. Andererseits werden weltweit immer noch Tonnen an Lebensmitteln verschwendet, die noch leere Mägen hätten füllen können. Wir haben uns also intensiver mit der Thematik beschäftigt und nach der bestmöglichen Lösung für alle gesucht.

Es gibt beispielsweise kein Gesetz, welches es verbietet, Lebensmittel noch kurz vor dem Haltbarkeitsdatum zu verkaufen. Trotzdem werden diese Artikel oftmals vorzeitig entsorgt. Also haben wir uns die Lage in Luxemburg näher angeschaut und haben Supermärkte hier kontaktiert.

Wie seid Ihr vorgegangen?

Xenia An Daten diesbezüglich in Luxemburg zu kommen ist sehr schwierig, die Supermärkte wissen, wie sie effizient ihre Verluste vertuschen. Außerdem würden sie natürlich niemals solch sensible Daten an Externe weitergeben. Anfangs war es sehr schwierig, überhaupt eine Reaktion auf unsere Anfragen zu bekommen. Jedoch sind wir dann als F4A an die Märkte herangetreten, also nachdem wir unser Konzept schon veröffentlicht hatten.

Ilana Wir schauten uns die Jahresbilanz der einzelnen Märkte an und ihre Cashflows. Ihre Verluste in Bezug auf entsorgte Lebensmittel sind sehr hoch, auch wenn sie diese Angaben nicht sehr detailliert auflisten. Und das war nicht nur bei einem Unternehmen der Fall, sondern bei allen. Wir haben all diese Informationen kumuliert, denn zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Statistiken bezüglich Lebensmittelverlusten in Luxemburg. Anschließend haben wir die Daten mit jenen aus anderen Länder verglichen, als auch dem europäischen Durchschnitt. Wieder einmal waren wir schockiert. Uns war klar, dass wir daran etwas ändern müssen.

Was war daraufhin Eure konkrete Idee?

Ilana Unsere Idee ist Produkte, die das Haltbarkeitsdatum zeitnah erreichen, zentralisiert auf einer Plattform zu präsentieren, so dass Menschen mit niedrigerem Einkommen jene erwerben können. Es wird mir also angezeigt, dass im Supermarkt bei mir um
die Ecke jene Produkte günstiger zu erwerben sind. Auch die Supermärkte profitieren davon, denn sie können jene Produkte noch an den Mann bringen. Dazu kommt, dass heutzutage viele etwas für den Planeten tun möchten, sich teure Bio-Produkte aber nicht
leisten können.

Xenia Daher haben wir eine Win-Win-Win-Situation für alle geschaffen, den Konsumenten, den Supermarkt und den Planeten. Dafür steht F4A: Wenn Du was für den Planeten tun willst, dann kannst Du es jetzt einfach, ohne mehr dafür bezahlen zu müssen. Umweltbewusst zu leben kann manchmal nämlich zusätzliche Kosten bedeuten.

Welche Plattformen werden Euren Klienten geboten, um F4A zu nutzen?

Xenia Unser Service ist einerseits in den Filialen vor Ort in Form eines Regals im Supermarkt zu finden. Dort werden alle Produkte zu finden sein, die in der App promotet werden. Dann bieten wir natürlich noch eine effiziente und benutzerfreundliche App, auf welcher zu sehen ist, in welchen Supermärkten welche Artikel vergünstigt angeboten werden. Auch für die Supermärkte haben wir eine Software entworfen: Dort können sie die Artikel eingeben, die aufgrund von absehbaren Verfall nun vergünstig angeboten werden. Die werden dann auf der Benutzer-App angezeigt.

Ilana Des Weiteren werden wir auf unserer App Rezepte anbieten, die auf den Produkten basieren, welche tagesabhängig angeboten werden. Wir sind gerade dabei, die Zubereitung verschiedener Rezepte zu filmen. Wir haben schon eine kleine Anzahl an Videoanleitungen für Rezepte angesammelt, die auf den Angaben von übrig gebliebenen Lebensmittel aus der Vergangenheit basieren. Die nötigen Produkte und auch das passende Rezept sollen unsere User auf unserer App bekommen. Außerdem wollen wir sie zum Kochen anregen.