LUXEMBURG
JEFF KARIER

ADAL und FEGARLUX über die Entwicklungen in der Autobranche

Vom 27. Januar bis zum 5. Februar läuft die 54. Auflage des Autofestivals, während dem die Autohändler mit Preisnachlässen und weiteren Aktionen um die Gunst der Kundschaft buhlen. In 170 Showrooms mit einer Gesamtfläche von rund 60.000 Quadratmetern werden dabei etwa 30 Neuheiten präsentiert. Wie bereits in den letzten Jahren werden beim Autofestival alternative Antriebe immer mehr in den Vordergrund gerückt. Im Vorfeld des Festivals gaben die beiden Verbände, „Association des Distributeurs Automobiles Luxembourgeoise“ (ADAL) und „Fédération des Garagistes“ (FEGARLUX), gestern eine Pressekonferenz, auf der ein Bild der aktuellen Lage des Automarktes in Luxemburg aufgezeigt wurde.

Positive Tendenz

„Während des Festivals werden über 30 Prozent der Autokäufe getätigt“, erklärte Benji Kontz, Präsident der ADAL. Das entspreche einem Verkauf von rund 18.000 Fahrzeugen. Somit stelle das Autofestival auch den ersten Gradmesser für das Jahr dar und zeige, ob es ein gutes, mäßiges oder schlechtes Jahr für die Autobranche werde. Angesichts der aktuellen Tendenz beschrieb FEGARLUX-Präsident Philippe Mersch die Situation als „gut, aber nicht euphorisch“. Denn 2017 wurden 4,5 Prozent mehr Fahrzeuge angemeldet als noch im Vorjahr, davon 52.775 Neuwagen. Diese Entwicklung sei laut Mersch unter anderem auf das Wachstum der Bevölkerung im Land als auch auf die positive Konjunktur zurückzuführen.

Positiv für die Branche, aber auch die Umwelt sei, dass die luxemburgische Kundschaft nicht nur Wert auf sichere und komfortable, sondern auch moderne Wagen lege, wodurch auch das Durchschnittsalter des Fuhrparks des Großherzogtums bei etwa sechs Jahren liegt. Anders als in manchen Nachbarstaaten seien somit auf den hiesigen Straßen wenige alte und „schmutzige“ Autos unterwegs. Insgesamt sind aktuell 403.273 Autos und 33.015 Lieferwagen angemeldet.

Wie „Société Nationale de Circulation Automobile“-Direktor Manuel Ruggiu ausführte, wurden 2017 weniger Dieselfahrzeuge als 2016 (-10,8 Prozent) und wieder verstärkt Benziner (plus neun Prozent) gekauft. Dies sei unter anderem auf die Abgasskandale der jüngeren Vergangenheit zurückzuführen. Da Benziner aber mehr CO2 ausstoßen als Dieselautos, habe dies mit dazu geführt, dass 2017 auch der durchschnittliche Ausstoß der neu angemeldeten Neuwagen in Luxemburg erstmals seit mehr als zehn Jahren leicht angestiegen ist.

Alternative Antriebe noch die Ausnahme

Beim Kampf gegen Abgase und zum Erreichen der Klimaziele seien somit alternative Antriebe noch wichtiger. Deren Anteil ist 2017 weiter gestiegen. Bei Hybridtechnologien lag er bei 2,9 Prozent der Neuwagenanmeldungen, Elektroautos machten 0,7 Prozent aus. Das sind in totalen Zahlen: 1.550 Hybridwagen (Steigerung von 94,5 Prozent) und 386 Elektrowagen (Plus 166,2 Prozent) im Jahr 2017. Diese Zahlen zeigen aber auch, dass alternative Antriebe noch die große Ausnahme sind.

Die Autohersteller seien zwar dabei, ein immer breiteres Angebot zu schaffen, woraus dann auch eine entsprechende Nachfrage erwachsen soll. Wie Mersch auf Nachfrage meinte, könnte eine Prämie für potenzielle Käufer solcher Wagen einen weiteren Anreiz geben. Zwar gibt es seit Anfang dieses Jahres Steuerfreibeträge beim Kauf von Elektroautos von 5.000 und von Plug-In Hybriden von 2.500 Euro. Trotzdem würden die noch recht hohen Preise dieser Wagen viele Kunden abschrecken. „Letztendlich muss jedoch jeder Autofahrer für sich entscheiden, ob ein Elektrowagen in seinen Alltag und zu seinen Gewohnheiten passt“, betonte Mersch. Außerdem müsste laut Kontz weiter in die Infrastruktur investiert werden, damit Elektroa utos, Hybridwagen und Co. attraktiver werden - im Besonderen der Ausbau der E-Zapfsäulen.

Auf einen Blick

Um die Vorzüge und Nachteile von sieben verschiedenen Antrieben aufzuzeigen, hat der Interessensverband der Automobilbranche, das „House of Automobile“, eine Broschüre zum Autofestival zusammengestellt. Zu den bereits erwähnten Antrieben werden auch Plug-in Hybride, Erdgas und Wasserstoff erläutert. Für Wasserstofffahrzeuge existiere in Luxemburg aktuell aber keine Tankstelle. Die nächstgelegenen seien in Straßburg und Paris zu finden. Es gäbe jedoch Überlegungen, auch in Luxemburg eine solche zu errichten. Auf den Straßen bereits klar zu erkennen sei, dass von Jahr zu Jahr mehr SUVs - gemeinsam mit den Kombis - präsent sind, sie machen 44,1 Prozent der Neuanmeldungen aus. 2016 waren es noch 42,3 und 2015 41,6 Prozent. Einen verschwindend geringen Anteil machten Coupés (2,8 Prozent) und Cabriolets (2,4 Prozent) im vergangenen Jahr aus. Sie bewegen sich seit einigen Jahren auf dem nahezu gleichen Niveau.

Im Zeichen des SUVs

Auch 2018 bringt vor allem neue Geländewagen

Luxemburg „Crossover“, Geländewagen, 4x4, SAV („Sport Activity Vehicle“) oder SUC („Sport Utility Cabrio“): Weil die Nachfrage nach SUVs („Sport Utility Vehicles“) weiter steigen soll, wächst auch das Angebot. Das Autojahr 2018 wird wieder im Zeichen des SUVs stehen. Aber wenigstens unter der Haube tut sich etwas. Und ein paar Neuheiten für die anderen Segmente gibt es ja auch noch.
Im Grunde dreht sich daher in der Autowelt alles fast nur noch um das SUV. Ja, man kann mittlerweile fast sagen, dass jeder fünfte Neuwagen auf Stelzen steht und aussieht, als könne er bis ans Ende der Welt fahren. Weil Marktforscher für die nächsten Jahre mit einem weiter steigenden Anteil an SUV-Zulassungen rechnen, wächst auch das Angebot. Genau wie 2017  steht deshalb auch 2018 im Zeichen des SUVs - auch in Luxemburg (44 Prozent Marktanteil).
Das SUV-Jahr spannt dabei einen weiten Bogen von ein paar Legenden, die in die nächste Runde gehen, bis hin zu Herstellern, die sich zum ersten Mal auf die Buckelpiste wagen. Dazwischen: Jede Menge Neuauflagen und Derivate, mit denen die Auswahl noch größer wird.

Urig oder luxuriös
Das eine Ende der Skala markieren die Mercedes G-Klasse, die jetzt nach beinahe 40 Jahren zum ersten Mal von Grund auf erneuert wird, sowie der Jeep Wrangler, der sich als Urvater des Geländewagens versteht und nun mit Hybridantrieb in eine neue Zeit fahren will. Am anderen Ende stehen Autos wie der Lamborghini Urus und der Rolls-Royce Cullinan, die das Segment in eine betont sportliche oder eine extrem luxuriöse Richtung erweitern.
Zu den vielen Neuheiten dazwischen zählen am unteren Ende ein Geländewagen auf Basis des Polo sowie am oberen Ende der Nachfolger des Touareg bei VW. BMW stellt einen neuen X4 in Aussicht. Bei Mercedes wird es einen Nachfolger für den GLE geben, Honda bringt endlich den in den USA schon lange erneuerten CR-V ins Land, Infiniti lässt den QX50 mit seinem variabel verdichteten Turbobenziner von der Leine. Seat baut auf Basis des Skoda Kodiaq einen großen Bruder für den Ateca, und bei Volvo und Jaguar starten dann die bereits vorgestellten Einstiegsmodelle XC40 und E-Pace.
Außerdem wird es bei Land Rover so langsam Zeit für den Nachfolger des Evoque. Mehr noch für einen neuen Defender, der aber wohl auch 2018 noch nicht zu erwarten ist. Die französische Nobelmarke DS präsentiert mit dem DS7 Crossback ihr erstes SUV. Und die Mutter Citroën lässt den überarbeiteten C4 Cactus vom Stapel. Und bevor einem das alles zu Kopf steigt, bringt sich Dacia mit dem neuen Duster ins Gespräch: Mit einem Grundpreis von etwas über 11.000 Euro ist er auch weiterhin der billigste Geländewagen am Markt.

Weitere Elektrisierungs-Welle
2018 steht auch für den Start der nächsten Elektrisierungs-Welle aus Europa und damit für stromernde SUVs. Da ist zum Beispiel der Jaguar I-Pace, der schon 2018 bei den Händlern stehen wird, oder Audi E-Tron, Mercedes EQ C und VW ID Crozz, die zumindest noch offiziell enthüllt werden sollen.
Zwar stellen die SUVs auch im nächsten Jahr die größte Gruppe an Neuheiten. Doch so ganz ohne Premieren müssen die anderen Segmente nicht auskommen. Bei den Kompakten gehen zwei besonders wichtige Spieler an sehr unterschiedlichen Positionen in eine neue Generation. Mercedes bereitet den Start der nächsten A-Klasse vor - zunächst als Steilheck und zum Jahresende auch als Limousine.
Der Hersteller verspricht dabei innen fast so etwas wie die S-Klasse für jedermann, und Ford will mit einer neuen Auflage des Focus den Anschluss an Golf & Co. halten. Dazu gibt es von Hyundai den Fastback zum i30, von Kia einen neuen Cee’d und von Mazda zum Jahresende einen neuen Dreier. Außerdem wird bei Toyota der Auris erneuert. Direkt unter- und oberhalb der Kompaktklasse geht es im neuen Jahr dagegen vergleichsweise ruhig zu. So steht bei den Kleinwagen lediglich der neue Audi A1 auf dem Plan, und in der gehobenen Mittelklasse hat der neue BMW 3er die Bühne weitgehend für sich.
Dafür bewegt sich in der Oberklasse einiges. Dabei reicht das Spektrum von halbwegs bürgerlichen Spaßfahrzeugen wie dem nächsten BMW Z4 oder dem Comeback des Renault Alpine über vornehme Genussautos wie den Audi A7, den Mercedes CLS oder den BMW 8er und Luxusautos wie den neuen Lexus LS bis hin zu High-End-Modellen à la Bentley Continental, Aston Martin Vantage oder dem Nachfolger für den legendären McLaren F1. Dieser Supersportwagen verdient gleicht doppelt Beachtung. Erstens, weil er mit dem in die Mitte gerückten Fahrer mit allen Konventionen bricht und zweitens, weil Firmenchef Mike Flewitt damit ein Versprechen verknüpft hat, das selten ist in diesen Tagen: „Wir werden einen Sportwagen nach dem anderen bauen. Aber von McLaren wird es auch in Zukunft keinen Geländewagen geben.“  DPA/LJ