SANDWEILER/LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Sandweiler: Laut DP übersieht der schwarz-grüne Schöffenrat wichtige Aufgaben

Sandweiler gehört seit langem zu den politisch eher unterhaltsamen Gemeinden. Dort geht man gerne zur Sache, vermutlich das Erbe eines früheren sozialistischen Bürgermeisters und Oppositionsführers der einen sehr rustikalen Umgangston pflegte.

Eigentlich wider Erwarten endete im letzten Herbst in Sandweiler auch der einzig rein weibliche Schöffenrat in der luxemburgischen Kommunalpolitik. Nach den Wahlen im Oktober 2017 entschied sich Bürgermeisterin Simone Massard-Stitz (CSV) gegen ein Weitermachen mit der bis dahin amtierenden Schöffin und Koalitionspartnerin Jacqueline Breuer (LSAP). Die Sozialisten mussten auf die Oppositionsbank wechseln, die Grünen zogen mit Jean-Paul Roeder in den Schöffenrat ein.

Stress um Fraktionsvorstellung

Für Aufregung sorgte bald eine (halbe) weiß strahlende Seite im „Gemengebuet“. Dort wo sich die sozialistische Fraktion ebenso wie alle anderen Fraktionen vorstellen sollte, stand schlicht und einfach nichts. Das „Journal“ berichtet bereits darüber. Aus LSAP-Sicht war ihr eingereichter Text der „Zensur“ der Bürgermeisterin zum Opfer gefallen. Aus Sicht der Bürgermeisterin bestand der LSAP-Text aus ungerechtfertigten Angriffen.

Allgemein ist es mit der Vorstellung der Fraktionen und deren politischen Ziele im „Gemengebuet“ nicht richtig rund gelaufen. Während vor allem die CSV ihrem Schreibfluss freien Lauf ließ, hielt sich die DP-Fraktion an die ursprüngliche - von der Gemeinde mitgeteilte - Textlänge von 150 Wörtern. „Das sah schon blöd aus, neben den 266 Wörtern der CSV“ erklärte der Chef der DP-Sandweiler, Dr. Claude Mousel, „Das hätte man besser machen können.“

Claude Mousel vermisst beim schwarz grünen Schöffenrat einiges, besonders ur-grüne Themen. Gerade was Verkehrsvermeidung und Förderung der sogenannten sanften Mobilität angeht. Mousel, der seit langem den Neubau eines weiteren Schulgebäudes an einem eigenen Standort kritisiert, verwies gegenüber dem Journal noch mal auf den zwangsläufig zunehmenden Verkehr durch „Elterntaxis.“ Claude Mousels Befürchtung wird übrigens durch Mobilitätstudie des Infrastrukturministeriums bestätigt: 40 (!) Prozent aller Schüler werden mit dem Auto zur Schule gebracht! Die DP-Sandweiler wundert sich, dass dies aus grüner Sicht kein Faktor ist.

Nur per Auto zur „Cargolux“?

Richtig gefährlich sind für den DP-Rat aber Versäumnisse des Schöffenrates gegenüber der Belegschaft der Frachtfluggesellschaft „Cargolux“. Deren Hangar und Wartungsbetrieb am Rande der Ortschaft sei immer noch nicht über einen ordentlichen Fußweg oder per Linienbus erreichbar. Wenn das Verwaltungsgebäude der Cargolux fertig ist, das neben dem Hangar gebaut wird, werden dort 1.200 Menschen arbeiten. „Sollen die alle mit dem Auto kommen?“ fragt Mousel. Alternativen seien dringend geboten.

Sackgassen statt Radwegen

Für geradezu grotesk hält es die DP-Sandweiler, dass eine „Klimagemeinde“ die nur acht Kilometer von der Hauptstadt entfernt ist. Über keinerlei Anbindung via Radweg verfügt. Auf ungefährlichen Wegen seien weder Luxemburg-Hamm, noch das Banken- und Europaviertel Kirchberg per Fahrrad zu erreichen. Auch die Verbindung Sandweiler- „Konter Gare“ muss deutlich verbessert werden. Stattdessen werde von der Koalition Schaufensterpolitik betrieben, etwa mit der großangekündigten Umrüstung auf LED-Lampen, obwohl LEDs schon fast überall Standard sind.