LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Für Apateq hatte die Krise auch ihr Gutes

Es gibt Unternehmen, für die die Coronavirus-Krise nicht nur negativ ist. Dazu gehört Apateq. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Reinigung von Abwasser aus Rauchgaswaschanlagen, so genannte „Scrubber“, die auf Containerschiffen eingesetzt werden, damit diese nicht so viel Dreck in die Luft stoßen. Weil eine solche Vorrichtung im Januar dieses Jahres Pflicht wurde, sah sich der kleine Mittelständler von einer Auftragswelle überrollt.

„Das hat uns jetzt geholfen, denn wir hatten wegen der vielen Aufträge Ware von strategischen Lieferanten geordert, damit wir schon mal bestimmte Lagerbestände da haben und schnell reagieren können“, erzählt Dirk Martin. Der Marketing-Chef bei Apateq war froh, dass er in der Krise auf diese Ware zurückgreifen konnte. „Einer unserer Lieferanten sitzt in Italien. Der konnte ab März nicht mehr liefern und eröffnet erst diese Woche wieder. Wir hatten auch im März oder April noch Aufträge aus der maritimen Branche und waren froh, dass wir weiterarbeiten konnten“, berichtet Martin. Aufgrund der Coronavirus-Krise fuhr das Unternehmen die Produktion herunter.

Das wirkte sich auch auf den Personalbestand aus. „Zuvor hatten wir hier viele Leiharbeiter. Die haben wir von 40 auf 15 bis 20 reduziert. Da konnten wir sehr flexibel reagieren. Diese Strategie hat sich ausgezahlt“, erzählt der Marketing-Chef. Gleichzeitig konnte Apateq auch Ingenieure einbinden. „Unsere Prozess-Ingenieure, die sonst auf den Schiffen der Kunden waren, arbeiten in der Krise hier. So haben wir viel an Follow-ups gearbeitet und Kundenrückmeldungen umgesetzt. Da ist die Krise uns zugute gekommen“, versichert der Manager. In Luxemburg beschäftigt das Unternehmen 45 Mitarbeiter und dazu 15 Leiharbeiter; außerhalb Luxemburgs weitere zwei Freelancer in den USA sowie Partner in Asien.

Internationale Partner als Vorteil

Gleichzeitig schaffte es Apateq, sich international einen strategischen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten zu verschaffen. „Die große Auftragswelle 2019 hat dazu geführt, dass wir damals schon nach Partner vor Ort in Asien gesucht haben. Das hat sich jetzt ausgezahlt, vor allem, weil nicht alle Konkurrenten so große internationale Präsenz haben“, freut sich Martin. Er erhält sehr häufig Anfragen von Unternehmen, die Partner von Apateq sein wollen. „Ich sage dann immer: Kommt mal her und schaut euch das an“, berichtet er. Jene zwei Vertreter aus China und Korea, die tatsächlich den weiten Weg auf sich genommen haben, wurden dann auch Apateq-Partner. Zurück in Asien hatten sie mehrere Ortstermine für Apateq und fanden weitere Service-Unternehmen, die das Luxemburger Unternehmen ebenfalls einarbeitete.

Als Anfang März einige Kunden sehr nervös wurden, schickte Martin seinen koreanischen Mitarbeiter nach China. „Er musste zwar erst zwei Wochen in Quarantäne, konnte aber dann dort arbeiten. Insgesamt haben wir dort rund 15 Leute auf Containerschiffen. Unsere Kunden waren sehr froh darüber, dass wir Leute vor Ort hatten. Das zahlt sich jetzt auch aus. Beim nächsten Auftrag wird das sicher eine Rolle spielen, dass wir in der Not da waren“, ist der Marketing-Chef überzeugt. „Ohne diese Leute hätten wir einen großen Imageverlust gehabt.“ So aber habe ich Apateq als Newcomer im maritimen Geschäft gut profilieren können. Wenn auch nicht alles einfach war – so mussten einige Schiffe im Mittleren Osten oder China, die dringende Wartungsarbeiten von uns benötigten, erst bis Korea kommen – war Apateq dennoch schneller als Konkurrenten, die erst nach Service Firmen suchen mussten.

Da es eine industrielle Produktion ist, befinden sich die Mitarbeiter nicht im Homeoffice. Wegen der Auftragslage meldete Apateq auch keine Kurzarbeit an. „Nur ein Mitarbeiter, der im März noch aus Schweden kam, musste in Quarantäne, weil er auf Flughäfen war“, berichtet der Marketing-Chef. Für Apateq war die Coronakrise in seinen Augen eine Verschnaufpause, die gelegen kam. Was die zukünftige Auftragslage angeht, sieht er die Dinge positiv.