MERSCH/BERINGEN
PATRICK WELTER

„Karschnatz 2014“ - Zuviel Getreide auf dem Weltmarkt

In seinem ersten Sommer als Landwirtschaftsminister gehörte es auch für Fernand Etgen zum guten Ton an der legendären „Karschnatz“-Pressekonferenz der Luxemburger Landwirtschaft teilzunehmen, inklusive Begehung des Merscher Agrarcenters (dessen Tage gezählt sind)und der strengen Begutachtung des gerade angelieferten Getreides und dem rituellen aus der Hand gleiten lassen der Körner… .

Im Ernst: Das Erntegespräch zieht immer eine Zwischenbilanz für das laufende Landwirtschaftsjahr und die ist 2014 ausgesprochen zwiespältig: Bei verschiedenen Getreidearten ist mit einer Rekordernte zu rechnen, die mit einem Preisverfall für die Produzenten einhergehen wird.

Qualität und Menge über dem Durchschnitt

Der Winter, der keiner war, hat zusammen mit den Frühlingsmonaten dafür gesorgt, dass die Getreideernte ungefähr drei Wochen früher beginnen konnte als in den Vorjahren. Laut der „De Verband Group“ und der „Luxemburger Saatbaugenossenschaft“ sind die Felder im Süden Luxemburgs und an der Mosel bereits abgeerntet. Die unstete Witterung verhindert eine kontinuierliche Ernte in den anderen Landesteilen, zurzeit sind 70% im Zentrum und 50% im Ösling abgeerntet. Qualität und Menge liegen 2014 aber über dem Durchschnitt. Das neue Agrarcenter in Perl (D) hat bereits seine Arbeit aufgenommen, dort wird das meiste Getreide angeliefert. In Mersch wird nur noch Getreide aus der Umgebung angenommen. Bis zum Ende der Erntesaison werden in Perl 30.000 Tonnen Getreide lagern.

Die Meldungen vom Weltmarkt sprechen von Rekordernten bei Getreide und Raps, was die Getreidepreise weiterhin abrutschen lässt. Trotz steigendem Konsum sind die Lagerstätten voll. Was für die Welternährung ein positiver Umstand ist, schlägt sich in der Einkommenssituation der Getreidebauern negativ nieder. Zum Teil werden die sinkenden Getreidepreise (-20% gegenüber 2013) durch die guten Erträge ausgeglichen. Aufgrund gleichbleibender oder sogar steigender Betriebskosten kommt der Getreideanbau jetzt aber an die Grenzen der Rentabilität.

Folgen des russischen Embargos nicht absehbar

Auf die Folgen des russischen Embargos für landwirtschaftliche Produkte aus der EU angesprochen, meinte Landwirtschaftsminister Etgen, dass die EU Mechanismen habe, um angemessen zu reagieren. Seiner Meinung wird in erster Linie die russische Bevölkerung unter dem Einfuhrverbot für EU-Lebensmittel leiden, aber eigentlich sei es noch zu früh etwas dazu zu sagen. Im Augenblick sei die polnische Landwirtschaft durch das Einfuhrverbot von Äpfeln nach Russland am stärksten betroffen. Luxemburg exportiere nur Milch nach Russland, dies über den „Globalplayer“ ARLA, der selbst Fabriken in Russland betreibt.