„Historisch“ ist sie mit Sicherheit, die Zustimmung Luxemburgs und Österreichs zur neuen europäischen Zinsbesteuerungsdirektive und deren Erweiterung. Am Donnerstag gaben die beiden Länder ihre Blockadehaltung nach Jahren definitiv auf - schon die vorige Regierung hatte Zusagen gemacht. Quellensteuersystem und Bankgeheimnis wie wir es bislang kannten, sind ab dem 1. Januar 2015 Geschichte. Zum 1. Januar 2017 wird die Zinsdirektive nochmal verschärft und auf weitere Erträge ausgedehnt. Ob das jetzt gute oder schlechte Nachrichten für den quasi permanent im Umbruch befindlichen Finanzplatz Luxemburg sind, lässt sich zu diesem Zeitpunkt schwer sagen. Sicher, die Öffnung wird dem ständig als „Steuerparadies“ geschmähten Großherzogtum imagemäßig gut tun.

Bald werden die Finanzämter in Deutschland und in Frankreich so ziemlich alles über die Anlagen der Landsleute in Luxemburg wissen. Jenen, die das Großherzogtum als „Bastion der Steuerhinterzieher“ verunglimpften, wird also durch die Schaffung von quasi völliger Transparenz das Hauptargument entzogen. Wir wissen, dass die Ankündigung der neuen Bedingungen - sicher nicht der alleinige Faktor - zwischenzeitlich Anleger bewog, ihr Geld aus Luxemburg abzuziehen und „Häfen“ zu suchen, die dem Fiskus des Herkunftslandes eben nichts verraten. Das Volumen der Abflüsse ist nicht bekannt. Der Statec, der die Einführung des automatischen Informationsaustauschs in seiner letzten „Note de Conjoncture“ vom November als „principal risque pour l’économie luxembourgeoise“ bezeichnet, hat aber einen Anhaltspunkt: Die Einlagen von Haushalten bei Luxemburger Banken sind zwischen dem ersten und dem dritten Trimester 2013 um lediglich 1,5 Prozent - aber immerhin 900 Millionen Euro - zurück gegangen. Würden die Einlagen um zwischen fünf und 15 Milliarden Euro zurück gehen und die Rentabilität des Geschäfts fallen, würde sich das etwa ein Prozent des BIP kosten und 2.000 Jobs am Finanzplatz, wie der Statec ausgerechnet hat.

Wobei die Hypothese die Möglichkeit außen vor lässt, dass neue Einlagen einfließen oder sich die Lage an den Börsen weiter verbessert. Letzteres ist der Fall. Und, so das Statistikinstitut unter Berufung auf die Finanzbranche, die Verluste hätten tatsächlich teilweise durch neue Kunden ausgeglichen werden können. Die kommen natürlich nicht von selbst, sondern weil sich der Bankplatz in den vergangenen Jahren längst international als transparentes, mehrsprachiges und multikulturelles Exzellenzzentrum für die Finanzdienstleistungen aufgestellt hat, das noch beträchtlicher punkten kann, wenn die Wettbewerbsbedingungen überall gleich sind. Der Ball liegt nun bei der EU-Kommission - die vielleicht bald von einem Luxemburger geführt wird -, auch die Schweiz, Liechtenstein, Andorra, San Marino und Monaco schnellstmöglich auf das „Level playing field“ zu zu bewegen - notfalls mit Nachdruck. Parallel müssen aber auch OECD und G20 den internationalen Druck für einen globalen Transparenzstandard steigern. Luxemburg gehört zu den Finanzplätzen, die längst auf den unabwendbaren Wandel vorbereitet sind. Sicher, es gibt noch viele Unsicherheiten. Aber der Finanzplatz hat gute Karten.