LUXEMBURGCLAUDE MÜLLER

Shantel & „Bucovina Club Orkestar“ im Atelier

Die Kombination verschiedener musikalischer Strukturen hat sich in letzter Zeit zu einem wahren Publikumsmagnet entwickelt und hauptsächlich das Integrieren von östlichen und exotisch angehauchten Stilen lässt europaweit ein vornehmlich jugendliches Publikum in Scharen zu den modischen Events strömen, was die gut besuchte Show mit einem Touch von Balkanflair am vergangenen Freitag im Atelier bestens bestätigte.

Das Rezept für die unterhaltsame Performance ist denkbar einfach. Man nehme einen durchtrainierten, die Disco und Funkyrythmen der aktuellen Popszene beherrschenden Schlagzeuger mit enormem Durchhaltevermögen, unterstützt von primitiven, spärlich eingesetzten, aber markanten, auf den Geschmack der heutigen, schnelllebigen Gesellschaft zugeschnitten Basslinien und ein mit gängigen Sounds aus der Retorte gespeistes Keyboard und fertig ist das Gerüst, das dem dreiköpfigen Bläserensemble die Basis für publikumsträchtige, exotische Phrasierungen bietet.

Vor diesen Background setze man einen Entertainer, der als Sänger und Gitarrist funktioniert, setzt zusätzlich den weiblichen Charme einer optisch ansprechenden Vokalistin ein und schon steht ein perfekt inszeniertes, schmackhaftes und unkompliziertes Menü.

Keine Innovation

Das Resultat, das das „Bucovina Club Orkestar“ am Freitagabend im Atelier bot, war überwältigend. Von der ersten bis zur letzten Minute vermittelte die Band, die in drei Sekunden von 0 auf 100 beschleunigte, eine ansteckende Gute-Laune-Atmosphäre und bewog das enthusiastische Publikum zum pausenlosen Mitmachen, was Tanzen, Händeklatschen und Mitsingen betrifft.

Das Ensemble überraschte immer wieder mit erprobten Effekten, die willkürlich eine intensive Partylaune à go-go, zwar ohne musikalische Ambitionen, aber mit allen Anforderungen und Unverzichtbarkeiten der modernen Varietészene versehen, aufkommen ließ.

Gut gefallen konnten die rasanten, orientalisch inspirierten Einwürfe der beiden Trompeter, die auch mit routinierten, effektvollen Soli aufwarteten.

Eine Innovation im Bereich der populären Unterhaltungsmusik stellt die Konstellation von Shantel und dem „Bucovina Club Orkestar“ gewiss nicht dar, aber durch die markanten kontinuierlichen Einsätze des unermüdlichen Bläsersatzes konnte eine gewisse Originalität im Sinne der schnellen jugendlichen Konsumgesellschaft in Sachen U-Musik in den meist uniformen Arrangements dominieren.

Monotones Spektakel

Unterstützt wurde das musikalisch etwas monotone Spektakel der „Viva Diaspora Tour“ durch eine farbenfrohe, abwechslungsreiche Lightshow, die die verschiedenen Stimmungen der folkloristisch angehauchten Klänge etwas auflockerten. Einzig die Wechsel von Dur und Moll vermochten dem eintönigen Akkordfolgegerüst ein Minimum an Abwechslungen abgewinnen, während die gekonnt eingesetzten, lebendigen und intensiven Improvisationen des Posaunisten willkommene Lichtblicke in dem sonst sterilen Klanggebilde schufen.

Fazit: Vergnügliche Unterhaltung ohne anstrengenden Hörgenuss, teilweise mit Ballermannniveau mit ansteckender, sorgenfreier und kommunikativer Lockerheit ohne Anspruch auf musikalische Finessen.

Aber das war ja auch nicht gefragt.