LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Bankenverband ABBL ist trotz hoher Kosten für die Regulierung positiv gestimmt

Ganz so gut wie das strahlende Frühlingswetter war die Laune von Yves Maas nicht. Aber der Präsident des luxemburgischen Bankenverbandes ABBL war positiv gestimmt. „Gute Tendenzen“ sehe er in der jetzigen Entwicklung, sagte Maas gestern auf der Jahres-Pressekonferenz vor Journalisten. Natürlich sei es nicht einfach. „Die vielen Auflagen - vor allem aus Europa und von der OECD - machen uns das Leben schwer. Wir haben allein 2014 rund 400 Millionen Euro für Regulierungen bezahlt“, betonte Maas. Das sei immerhin ein Prozent des luxemburgischen Bruttoinlandsprodukts oder aber 3,5 Prozent des Gewinns der Banken. Die Verwaltungskosten für Regulierungen sind laut ABBL in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent gestiegen.

Dennoch ist der Präsident des Verbandes, der 143 Institute repräsentiert, optimistisch. Daran ändern auch Verkaufs- und Konsolidierungsankündigungen nichts. In den vergangenen Monaten schlossen die LBBW, HSBC Trinkaus & Burkhardt, HSBC Securities und Argenta. Aber das Nettoergebnis stieg ebenso wie die Bilanzsumme (s. Kasten). Das verwaltete Vermögen stabilisierte sich bei über 300 Milliarden Euro, weitere ausländische Banken kamen.

Vorsichtig kalkulieren

Angesichts niedriger Zinsen sei es schwierig, Geld zu verdienen. „Aber die vergangenen sechs bis zwölf Monate an der Börse waren positiv“, resümiert Maas. Da Luxemburg keine preiswerte Plattform sei und die Verwaltungskosten hoch, müsse man schon sehr vorsichtig kalkulieren.“ Die Mitgliedsbanken der ABBL waren offenbar vorsichtig genug.

Noch sind nicht alle Indikatoren auf dem Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 - aber auf dem Weg dahin.

25 Jahre Rückstand

Ein Projekt, um die Kosten zu drücken, sind die Pläne der Banken für Outsourcing und Offshoring. Das bedeutet, dass Tätigkeiten für die Bank in andere Länder verlegt werden. „Schon jetzt findet das bei Fonds statt mit Mitarbeitern in Osteuropa, Portugal oder Indien“, versichert der ABBL-Vize-Präsident Carlo Thill. „Die Banken sind im Prozess der Industrialisierung“, schlussfolgert Maas. „Da gibt es einen Rückstand von 25 Jahren. Dabei geht es ihm nicht um Dienstleistungen, sondern um Standardangebote.“ Die Tendenz der vergangenen Jahre bei den Kunden setzte sich fort. Die kleinen Vermögen gehen, die großen kommen. Das liegt sowohl an Unsicherheiten hinsichtlich der Regierungspolitik in Frankreich, Portugal und Spanien als auch an der Stabilität Luxemburgs, das weiter seinen Triple A hält, meinen die Banker. Es kommen auch mehr internationale Kunden. Die Zahl der Kunden mit mehr als zehn Millionen Euro verwaltetem Vermögen nimmt zu. LuxLeaks wirkte laut Thill nicht abschreckend: „Der Finanzplatz war nicht davon betroffen.“ Auch Einflüsse von Islamic Finance oder des Freeports sind noch gering, respektive nicht messbar. Das „Quantitative Easing“ zeigt erste Erfolge, sagte der ABBL-Vizepräsident weiter. Und die gut kapitalisierten Banken könnten den Unternehmen Liquidität zur Verfügung stellen. „Das war bis 2011 ein Problem“, hält Thill fest. Derzeit beschäftigt die ABBL sich sehr mit Fintec, das neue Geschäftsmodelle ermöglichen soll. Dabei geht es um die Digitalisierung, aber auch um neue Angebote, beispielsweise für Start-ups. Die ABBL wünscht sich Hilfe von der Regierung bei der Cybersecurity. Außerdem investiert sie sehr in Weiterbildung.