PASCAL STEINWACHS

Es hätte so schön sein können: Da einigt sich die größte Oppositionspartei, die endlich wieder größte Regierungspartei werden will, bereits im Sommer 2016 in ihrem Nationalrat mit 90 Prozent der Stimmen auf ihren Spitzenkandidaten für die Wahlen von 2018, indem sie, um die leidige Wer-soll-es-werden-Debatte, die damals schon überhandzunehmen drohte, abzuwürgen, ihren Fraktionschef Claude Wiseler frühzeitig auf den Thron hievte, und die anderen drei Kandidaten im Falle eines Wahlsiegs mit dem Versprechen auf andere hochrangige Posten bei der Stange hält (Luc Frieden mit einem Posten in der EU-Kommission, Viviane Reding und Martine Hansen jeweils mit Ministerposten), und dann tut Viviane Reding alles, um die diskrete Spitzenkandidaturabmachung zu torpedieren, und sich selbst - von den Umfragen beflügelt, die zurzeit populärste CSV-Politikerin zu sein - als bestmögliche aller Kandidaten („ech ka vill a stellen dat menger Partei zur Verfügung“) ins Gespräch zu bringen.

So hatte Claude Wiseler die Presse am Mittwoch extra zu einem mit Sicherheit minutiös vorbereiteten, aber locker daherkommenden Plausch über politische Aktualitätsthemen in sein schmuckes Büro eingeladen, hatte seine Krawatte extra vorher in eine Schublade verfrachtet, um das Ganze noch zwangloser aussehen zu lassen, und hatte, indem er fast ausschließlich über die Wachstumsfrage referierte, extra vermieden, parteipolitische Themen anzuschneiden, und dann lässt Viviane Reding in etwa zur gleichen Zeit eine E-Mail verschicken, in der all ihre öffentlichen Termine für die nächsten Tage und Wochen aufgelistet sind, also eine Art „Reding on Tour“.

Als alte Polithäsin weiß die frühere EU-Kommissarin natürlich ganz genau, was sie mit ihrer Mail anrichtet, nämlich ihrem Spitzenkandidaten die Show zu stehlen. Dass nun schon seit Wochen darüber spekuliert wird, ob sie denn nun auf der Zentrumsliste antritt, wo sie Claude Wiseler übertrumpfen könnte, oder aber im Süden, wo sie neben Parteipräsident Marc Spautz kandidieren würde, ist natürlich in ihrem Interesse, wird doch in Zwischenzeit mehr über die Bezirkswahl von Viviane Reding als über die Alternativen der CSV zur Regierungspolitik gesprochen, die ja, und dieser Meinung ist sogar die befreundete Erzbistumszeitung, sowieso nur schwer auszumachen sind.

Reding beruft sich ihrerseits weiterhin munter auf die anstehende Entscheidung des CSV-Weisenrats, der aber in Wirklichkeit eine Wahlkommission ist, und sich in diesem Fall (wenn die CSV nicht in der Regierung ist) aus einem Vertreter pro Wahlbezirk, die von den Bezirksvorständen bestimmt werden, dem Parteipräsidenten, dem Generalsekretär sowie dem Fraktionschef zusammensetzt.

Anstatt endlich zu sagen, in welchem Bezirk sie denn nun antreten will, gab Reding jetzt im RTL-Fernsehen sogar sibyllinisch an, ein „Stater Minettsdapp“ zu sein, womit sie natürlich meinte, dass sie sich in beiden Bezirken heimisch fühlt, was Innenminister Dan Kersch auf Twitter zum Kommentar „‘Stater Minettsdapp’ ass ewéi eng Kaz déi billt. Mee Haaptsach et quaakt...“ inspirierte. Und „Muppen“, die bellen, die können manchmal auch beißen...