LUXEMBURGCAROLINE KNEPPER

Ein junges Opfer erzählt von seinem tragischen Autounfall und den Folgen

Jeff hatte vor ein paar Jahren einen Autounfall. Glück im Unglück, seine beiden Mitfahrer wurden nicht weiter verletzt. Nur er selbst hatte nicht so viel Glück. Gebrochene Knochen, einige Zeit im Koma und ein geschrottetes Auto waren das Resultat einer einzigen, unbedachten Handbewegung. Im „Journal“-Interview erzählt Jeff mehr über den Moment, der sein Leben veränderte. Wir haben den Namen aus privaten Gründen geändert.

Wie kam es zum Unfall?

Jeff Ich sollte einige Einkäufe für meine Mutter erledigen und war mit zwei Freunden unterwegs. Da es nicht eilte, entschlossen wir uns noch ein wenig mit dem Auto rumzufahren, einfach aus Spaß. Auf der langen, geraden Strecke von Wilwerdingen nach Wemperhardt passierte es dann. Ich hatte die Angewohnheit, meine Zigarette immer aus dem Fenster heraus zu schnippen, ohne weiter darauf zu achten, was ich auch dieses Mal tat. Doch die Zigarette flog wieder zum Fenster herein, in meine etwas längeren, krausen Haare. Ich habe es nicht gleich bemerkt. Plötzlich schrie einer meiner beiden Freunde auf, meine Haare würden brennen. Voller Schreck griff ich mit der linken Hand in die Haare. Durch die abrupte Bewegung riss ich das Lenkrad unabsichtlich herum . Das Auto fuhr mit Karacho in den Seitengraben. Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich zurückschaltete, dann knallte es -und alles wurde schwarz.

Was war in dem Moment das Schlimmste?

Jeff Das weiß ich nicht. Es passierte alles so schnell. Glücklicherweise ist meinen Beifahrern nichts passiert. Und es waren auch keine anderen Verkehrsteilnehmer betroffen.

Du kamst ins Krankenhaus. Wie schwer waren deine Verletzungen?

Jeff Ich wurde bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert und für drei Wochen ins Koma gelegt. Zwischendurch haben sie mich einmal zurückgeholt. Mein Becken war viermal gebrochen, mein Oberschenkel zweimal, dazu noch zwei gebrochene Zehen, die Sprunggelenke waren kaputt, meine Milz gerissen, eine ungefährliche Blutung im Kopf, zwei Zähne abgebrochen und diverse leichte Fleischwunden vom gesplitterten Holzlenkrad. Irgendwann in diesen Wochen - ich weiß nicht mehr wann - habe ich den Tunnel gesehen, von dem andere auch erzählen. Einen Tunnel mit Licht.

Wie ging es Dir nach dem Erwachen?

Jeff Lange Zeit musste ich im Bett liegen, bekam leichte Reha-Übungen für mein Knie, dann musste ich jeden Tag mit einer Gehhilfe den Gang rauf- und runterhumpeln.

Kamen Vorwürfe oder negative Reaktionen?

Jeff Nein, Gott sei Dank nicht! Unsere Familie hält sehr eng zusammen und hat mich wo es nur ging unterstützt. Es gab oder gibt sogar noch Positives: Mein Vater hat am Tag des Unfalls aufgehört mit dem Rauchen. Einige Freunde haben durch den Unfall auch ihr Verhalten beim Fahren geändert; sie schnippen die Zigarette nicht mehr raus.

Hat der Unfall bei dir Veränderungen bewirkt?

Jeff Ja und nein, ich habe danach eine lange Zeit keine Zigaretten mehr rausgeworfen, fing dann wieder damit an, die Macht der Gewohnheit. Ich habe es mir aber wieder bewusst abgewöhnt.

Wie geht es Dir jetzt?

Jeff Mein Becken macht mir heute noch Probleme. Durch die Brüche habe ich eine Verknorpelung in Richtung der Wirbelsäule. Bei Wetterumschwüngen schmerzt das. Ich habe auch Rückenprobleme, eine Beckenfehlstellung, Knie- und Fußgelenk-Probleme. Was jetzt aber vom Unfall stammt oder vom Alter ist schwer zu sagen.

Was gibst Du anderen Unfallopfern mit auf den Weg?

Jeff Nicht aufgeben. Mit den Ärzten zusammenarbeiten, auf sie hören, jedoch auch nachfragen, mitbestimmen. Auf eine gute Reha bestehen. Und vor allem, sich selbst achten, sich um sich kümmern, auch später.