LUXEMBURG
MARCO MENG

Der Anteil an ICT-Fachkräften steigt europaweit - in Luxemburg ist er gesunken

Mehr als acht Millionen ICT-Fachleute (Informations- und Kommunikationstechnologie) waren 2016 in der Europäischen Union beschäftigt. Das geht aus einer gestern von der EU-Statistikbehörde „Eurostat“ vorgelegten Studie hervor. Die Zahl wie auch ihr Anteil von ICT-Fachkräften an der Gesamtzahl der Berufstätigen haben zwar in den letzten Jahren zugenommen - aber nicht überall gleich. So ist ihre Zahl zum Beispiel in Luxemburg zwar gestiegen - da aber die Zahl der Beschäftigten insgesamt noch mehr stieg, hat sich der Anteil von IKT-Fachleuten an der Gesamtbeschäftigtenzahl sogar leicht verringert. Für Luxemburg und hiesige Unternehmen - immerhin hat Luxemburg sich ja den Ausbau der digitalen Wirtschaft explizit auf die Agenda geschrieben - bringt das die bekannten Schwierigkeiten mit sich. Unternehmen suchen händeringend nach Fachpersonal.

Spürbarer Fachkräftemangel

Während europaweit der Anteil von Firmen, die Schwierigkeiten haben, ICT-Stellen zu besetzen, bei 41 Prozent liegt, sind es in Luxemburg 61 Prozent der Unternehmen, die ICT-Personal benötigen, aber nur schwer welches findet. Europaweit beschäftigten 2016 eines von fünf Unternehmen Fachpersonal in diesem Bereich. Der EU-weite Durchschnitt von ICT-Fachleuten lag bei 3,7 Prozent an der Gesamtbeschäftigtenzahl. In Finnland waren es fast sieben, in Schweden mehr als sechs und in Estland mehr als fünf Prozent. In Luxemburg sind es 4,1 Prozent (2011 waren es 4,3 Prozent).

Interessant ist, dass in den meisten Ländern ein Drittel der ICT-Fachkräfte 2016 jünger als 35 Jahre waren. Dass vor allem Hochqualifizierte hier zu finden sind, überrascht wenig (mehr als sechs von zehn Arbeitskräften in diesem Bereich haben mindestens einen tertiären Bildungsabschluss). Doch wie aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht, ist auch der Anteil von Männern in den ICT-Berufen ungebrochen hoch, das heißt, Frauen sind hier deutlich unterrepräsentiert: Acht von zehn in dieser Sparte Beschäftigte sind männlichen Geschlechts, während in der Gesamtzahl der Beschäftigten Männer und Frauen europaweit weitgehend zu gleichen Teilen vertreten sind. Dem Mangel an Fachkräften in Informations- und Kommunikationstechnik würde also abhelfen, wenn sich mehr Frauen für ICT begeisterten und dort ihre berufliche Karriere starten würden. Da sich alle Bereiche der Wirtschaft digitalisieren, besteht hier Nachholbedarf.

Das hat auch die Politik in Luxemburg erkannt und 2014 die „Digital Lëtzebuerg“-Initiative ins Leben gerufen, wozu der Ausbau der ICT-Infrastruktur genauso gehört wie die Entwicklung und Förderung von digitalen Fertigkeiten vor allem des Nachwuchses. So hat die Initiative Projekte wie „Bee Creative“, „Digital4Education“ und „Girls in ICT“ gestartet, auch das „Luxembourg House of Financial Technology“ gehört dazu, schließlich soll der Finanzplatz mit der Entwicklung mithalten.

Selbst wenn mehr luxemburgische Jugendliche den Weg in den IKT-Sektor finden, dürfte der Fachkräftemangel damit aber noch lange nicht behoben sein. Nicht zuletzt deswegen erlaubt das neue Immigrationsgesetz, das am 8. März verabschiedet wurde, Hochqualifizierten aus Nicht-EU-Ländern mit einer „Blue Card“ eine erleichterte und flexible Arbeitsaufnahme in Luxemburg.