LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Ex-Geschäftsführer muss ins Gefängnis - Kunstwerke und rund 19 Millionen Euro wurden vom Gericht beschlagnahmt

Das Bezirksgericht Luxemburg verurteile am Donnerstag den 67-jährigen Ex-Geschäftsführer von Multiplan Group SA, Cornelius E., wegen schweren Betrugs und Urkundenfälschung zu fünf Jahren Haft, drei davon auf Bewährung. Der Beschuldigte wurde auch zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro verurteilt. Das Gericht beschlagnahmte Kunstwerke und rund 19 Millionen Euro. Die Nebenklagen sind nicht anerkannt worden (das „Journal“ berichtete).

Die Staatsanwaltschaft Luxemburg hatte sieben Jahre Haft und eine bedingte Geldstrafe von 10.000 Euro für den Beschuldigten gefordert. 40 Tage hat der Verurteilte nun Zeit, sich zu überlegen, ob er in Berufung geht oder nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

2007 erstmals im Visier der Ermittler

Im Gerichtsprozess hatte E. unter anderem in seinem Schlusswort gesagt, er hätte mit inkompetenten und unehrlichen Partnern zu tun gehabt. Er sei der Überzeugung, legal gehandelt zu haben.

Der Ex-Geschäftsführer Cornelius E. habe über 20 Millionen Euro widerrechtlich im Rahmen des Projektes Belval Plaza für sich abgezweigt, auf Kosten der Gesellschaft Multiplan Group SA., so der Vorwurf. Was erhebliche Finanzierungsprobleme nach sich zog. Bereits 2010 soll die finanzielle Zwangslage von Multiplan so existentiell bedrohlich gewesen sein, dass Zeugen dazu ausführten, dass zu diesem Zeitpunkt Multiplan mit großer Sicherheit bereits insolvent war. Die betreffenden Vorgänge innerhalb der vielen Gesellschaften von Multiplan Group SA sind außergewöhnlich komplex, da die Multiplan Gruppe aus unterschiedlichsten Firmen wie Multiplan Design & Build I, II, III SàRL, Multiplan Design & Development SàRL oder auch Multiplan Management SàRL zusammensetzt ist. Im Jahr 2007 geriet Multiplan Group SA zum ersten Mal ins Visier der Ermittler. Die Untersuchungen dauerten von Januar 2007 - März 2010. Am 8. April 2010 wurden zwei Klagen von Property Finance B.V. und SNSPF Financiering Participaties B.B. eingereicht.

Betrug in einer außergewöhnlichen Größenordnung

Am 1. Dezember 2009 folgte eine weitere Klage vom Steueramt Luxemburg. Am 9. 12. 2009 wurden die Büros der Gesellschaft Multiplan Group nach Antwerpen in Belgien transferiert. Die luxemburgischen Ermittlungsbehörden stellten im Verlauf ihrer Untersuchungen fest, dass die SNS Bank eine Summe von über 160 Millionen Euro an die Gesellschaft Multiplan SA überwiesen hatte. Das Geld war für das Projekt Belval Plaza bestimmt.

Das Geld, das auf diesen Konten einging, wurde nachträglich auf das Privatkonto des Angeklagten Cornelius E. umgeleitet. Zeugen im Gerichtsprozess enthüllten, dass der Geschäftsführer alleine das Sagen in der Gesellschaft gehabt habe um offenbar gezielt Überprüfungen innerhalb der Gesellschaft zu vermeiden und das offenkundige Ziel hatte, seine Geschäftsaktivitäten geheim zu halten, Betrug in einer außergewöhnlichen Größenordnung zu begehen und der Entdeckung zu entgehen.