CORDELIA CHATON

In Rom gab es diese Woche einen Hagelsturm, die Ewige Stadt war weiß wie der Rauch über dem Vatikan, aber ohne Entscheidungen. Derzeit lähmt „Willa“ die mexikanische Pazifikküste, rast mit 225 km/h Stunde vorwärts und macht Angst vor Überschwemmungen und Erdrutschen. In China tauen Gletscher ab und gefährden die Trinkwasserversorgung der Volksrepublik. Noch mehr gefällig? Vergangene Woche hat in Frankreich das große Aufräumen am Bächlein Aude angefangen, das innerhalb weniger Stunden von 40 cm auf über sieben Meter Pegelstand stieg, weil mehr Regen fiel, als sonst in vier Monaten; ja sogar mehr als seit 1891. 13 Menschen ließen so ihr Leben im Languedoc-Roussillon, die Überlebenden haben oft Hab und Gut verloren. Vor zwei Wochen kamen bei heftigem Unwetter auf der beliebten Ferieninsel Mallorca mindestens zehn Menschen ums Leben, weil innerhalb von zwei Stunden dort mehr als ein Viertel der durchschnittlichen Jahresmenge des Niederschlags in Luxemburg vom Himmel fiel. Derweil fließt der Rhein als Bächlein dahin, Rekord-Tiefstand von 34 cm. Die dramatischen Bilder der Überschwemmung im Müllerthal sind noch jedem in Erinnerung.

Das war nur ein sehr kleiner Ausschnitt der Wetter- und Katastrophenmeldungen der letzten Wochen. Sie ließen sich leicht ausweiten. Klar wird daraus: Der Klimawandel macht sich weltweit bemerkbar - jetzt. Und auch wenn Donald Trump irre Behauptungen dazu aufstellt: Er ist da.

Immer mehr Menschen scheinen das zu merken und zu verstehen. Denn der Zuwachs bei den Wählern der Grünen in Belgien, Deutschland oder auch Luxemburg hat damit zu tun, dass sie klar dagegen vorgehen wollen.

Wie sehr es an der Zeit ist, hat der Weltklimarat vor gut zwei Wochen deutlich gemacht. „Sofort handeln“ lautete die Botschaft. Davon ist weltweit kaum etwas zu spüren. In Deutschland hat die Kanzlerin gerade eine besondere Entscheidung getroffen. Wenn die Grenzwerte für Schadstoffe zu hoch sind, liegt das nicht an den Schadstoffen, sondern an den Grenzwerten. Also müssen die Grenzwerte erhöht werden - und nicht etwa die Schadstoffe gesenkt. Kein Wunder, dass Claude Turmes bemerkte, Deutschland fahre die Autoindustrie industrie- und klimapolitisch an die Wand. So geht Klimawandel nicht.

Während sich die meisten Menschen wieder den Katzenvideos oder vielleicht sogar dem Fall Kashoggi zugewandt haben, fällt das Thema Klimawandel hinten runter. Die Folge: Mehr Unwetter, und steigendes Unbehagen bei einigen wenigen, die merken: Der Klimawandel rückt unangenehm nahe, die Einschläge werden tiefer.

Der verstorbene Ausnahmephysiker Stephen Hawking sorgte sich über den Tod hinaus um die Wissenschaft. Sie müsse große Herausforderungen wie Klimawandel, Überbevölkerung, Artensterben, Abholzung und die Schädigung der Ozeane meistern, hielt er in seinem posthum erschienenen Werk fest.

Die Forderung nach Änderung ist alt, fast altbacken. Aber leider, das wusste schon Al Gore, ist der Mensch ständig in Gefahr, das nie Dagewesene für undenkbar zu halten. Und jetzt zum Wetter...