LUXEMBURG
MARCO MENG

Chinesische Fluggesellschaft Yangtze River Express verlässt den Hunsrückflughafen

Der rheinland-pfälzische Regionalflughafen Frankfurt-Hahn hat einen weiteren Rückschlag erlitten und verliert Ende August seinen größten Cargo-Kunden, wie der Airport gestern mitteilte. Bis dahin läuft noch der Vertrag mit der chinesischen Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express, die dann offenbar nach München wechselt.

Hahn-Vertriebschef Christoph Goetzmann war noch eigenen Angaben zufolge nach China geflogen, um den Kunden umzustimmen. Das hat nichts genutzt: Yangtze River Express begründete den Schritt mit der sich ändernden weltweiten Nachfrage. Ein Großteil der von ihr verladenen Fracht komme aus dem süddeutschen Raum sowie aus Norditalien.

Sun Haidong, General Manager Sales & Marketing bei Yangtze River Express, kommentiert, Grund für den Wechsel seien Verlagerungen der Geschäftsprozesse. Man sei mit der Geschäftsbeziehung und dem Service am Flughafen Hahn voll zufrieden gewesen. „Wir bedauern den Rückzug außerordentlich“, sagt Flughafen-Geschäftsführer Markus Bunk. Das Frachtgeschäft stehe unter starken Wettbewerbsdruck, erklärt er. Darum prüfe jede Airline genau, mit welchen Schritten sie Kosten sparen könne.

Dass nun auch Yangtze River Express, der für mehr als 30 Prozent des Frachtaufkommens am Regionalflughafen verantwortlich war, die Flüge dorthin einstellt, ist der zweite Rückschlag, nachdem sich schon im Dezember Air China Cargo vom Flughafen Hahn zurückgezogen hatte, die erst drei Monate zuvor den Hahn anzufliegen begonnen hatten. Wie alle Frachtumschlagplätze hatte auch der Hahn große Hoffnungen auf die chinesischen Cargocarrier gesetzt.

Fracht am Hahn geht seit Jahren zurück

Für den Hahn, der seit Jahren rote Zahlen schreibt, dürfte das auch einen weiteren Rückgang der Frachtzahlen bedeuten. 2013 hatte der Hahn bereits einen Rückgang der Frachtmenge um 27 Prozent auf 152.000 Tonnen zu verzeichnen. Letztes Jahr schlug der Hahn eine Frachtmenge von rund 135.000 Tonnen um. Immerhin Platz 5 der Frachtflughäfen in Deutschland. Die Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express hat im Jahr 2014 rund 50.000 Tonnen Fracht über den Flughafen Frankfurt-Hahn abgewickelt. Für den Gesamtumsatz des Flughafens, erklärt der Hahn, bedeute der Weggang von Yangtze River Express einen Verlust in Höhe von neun Prozent.

Der Rückzug vom Hahn ist für den Findel natürlich ein kleiner Punktsieg. Yangtze River Express ist der fünftgrößte Frachtbringer auf dem Findel, die hier nach Angaben des Luxairport 2014 ihren Frachtumschlag gegenüber dem Vorjahr noch um zwei Prozent steigern konnten. Die nächsten Regionalflughäfen Antwerpen und Saarbrücken haben nur einen marginalen Frachtumschlag.

Hahn sucht neue Kundenmit Nachtflugangebot

Unterdessen bekräftigt der Hahn, im Frachtbereich wachsen zu wollen. „Wir werden nun alle Kräfte bündeln, um uns neuen Kunden als attraktiver Standort mit einer 24-Stunden-Betriebsgenehmigung ohne Beschränkungen, flexiblen Start- und Landemöglichkeiten sowie einer schnellen Abfertigung zu präsentieren“, wird Flughafen-Geschäftsführer Markus Bunk in der Presseerklärung der Flughafengesellschaft zitiert. „Für internationale Fluggesellschaften sind wir
ein attraktiver Standort im Herzen Europas.“

Frachtverkehr mit Asien wird zulegen

Nach einer aktuellen Studie des Flugzeugbauers Boeing haben sich Frachvolumina nach zwei Jahren Abwärtstrend im Jahr 2013 wieder erholt und begannen im zweiten Quartal 2013 wieder zuzulegen.

Am Ende war es dann ein noch schwaches Wachstum von 0,9 Prozent gegenüber 2012. 2014 hat sich dann die Luftfracht aber fast wieder auf Vorkrisenniveau erholt.

Boeing geht davon aus, dass sich weltweit der Luftfrachtverkehr bis 2020 mit einem jährlichen Wachstum von 4,7 Prozent mehr als verdoppeln wird. Von 1998 bis 2013 ist der Luftfrachtverkehr zwischen Europa und Asien um 5,5 Prozent pro Jahr gewachsen.

Mit Schanghai und Hong Kong gehören zu den Top-3 der globalen Luftfrachtumschlagplätze zwei chinesische Flughäfen; kaum überraschend also, dass ein Großteil der Fracht, die an den europäischen Flughäfen umgeschlagen wird, aus Asien, vor allem aus China kommt. Den Strecken Asien-Nordamerika und Europa-Asien prognostiziert Boeing denn auch ein Wachstum, das über dem globalen Durchschnitt liegen soll.