LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Rapper Sido in der deutschen Komödie „Halbe Brüder“

Das Thema der Brüder, die sich nicht kennen und erst durch familiäre Umstände zusammen geführt werden, ist nicht neu. Der bekannteste Film mit dieser Thematik ist „Les trois frères“ von und mit Didier Bourdon und Bernard Campan. Der deutsche Regisseur Christian Alvart hat mit „Halbe Brüder“ eine ähnliche Geschichte erfunden. Paul Hartmut Würdig, der als umstrittener Rapper Sido bekannt wurde, spielt in seinem vierten Kinofilm eine der Hauptrollen.

Drei unterschiedliche Charaktere

Da Julian (Sido) den Ganoven „U-Bahn-Lemmele“ (Charly Hübner) betrogen hat, gibt dieser ihm ein paar Tage Zeit, die abgezockten 120.000 Euro zurückzubringen, ansonsten wird man ihm seine Hand abhacken.

Seine Frau Sandra (Mavie Hörbiger) zeigt ihm einen wichtigen Brief eines Notars (Samuel Finzi). In dessen Kanzlei lernt er seine beiden Halbbrüder kennen, den türkischstämmigen Yasin (Fahri Yardim) und den farbigen Addi (Tedros Teclebrahn). Ihre Mutter war eine Nonne und hatte drei uneheliche Kinder, die zur Adoption freigegeben wurden. Außerdem hat ihnen die Mama eine Erbschaft in Höhe von etwa 120.000 Euro hinterlassen.

Wo das Geld allerdings hinterlegt ist, weiß niemand. So suchen die drei ungleichen Brüder erst einmal ihre Väter, bei denen sie hoffen, Informationen über das Versteck zu erfahren. Verfolgt werden die drei von einem Kerl in einem rosa Kaninchenkostüm (Gregor Bloéb), der Julian nicht aus dem Auge lässt.

Nicht konsequent genug

Der Film beginnt mit einer lustigen Einführung, in der sich Julian das Geld ergaunert. Bei der Begegnung mit seinen Halbbrüdern wird klar, dass die drei nicht harmonieren werden. Yasin ist der pingelige Sohn eines reichen Unternehmers. Addi ist ein Rapper und Drogendealer, der in den Tag hinein lebt und mit seiner Freundin ein Kind erwartet. Die drei machen sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit und der ihrer Mutter. Als erster begegnet Addi seinem Vater, dem Schlagersänger Roberto Blanco, ein recht lustiger Moment, der aber wie fast alles zu halbherzig in Szene gesetzt wurde. Die Ideen fehlen nicht, nur lässt der Regisseur sie oft nicht ausreifen. So hat das Universum des Ganoven in einem U-Bahn-Schacht etwas Skurriles an sich, wie auch die Kneipe, in der Yasins Vater Erdal (Erdal Yildiz) als Schlamm-Catcher auftritt. Dann wiederum macht der Witz der Peinlichkeit Platz, wenn die Halbbrüder um die Wette pinkeln und furzen oder wie kleine Kinder streiten. Die passende Musik fehlt ebenfalls nicht. Aus Roberto Blancos Evergreen „Ein bisschen Spaß muss sein“ wird ein flotter Rap, und mit „Mama war ’ne Schlampe“ wird die Mutter besungen, ein Lied das vom Text her nur in den Film passt. Etwas mehr Konsequenz in der Inszenierung der fast zwei Stunden dauernden Geschichte und Glättungen der peniblen Szenen hätten aus „Halbe Brüder“ mehr als nur einen mittelmäßigen Film gemacht.