Das scheint ja eine Mordsgaudi gewesen zu sein gestern beim Auftakt des EU-Gipfels in Riga, wo Chefentertainer Jean-Claude Juncker für Stimmung sorgte. Indem er zum Beispiel den stramm rechten Ungarn-Premier mit „Hallo, Diktator“ begrüßte. Was der Mann zurück warf, hat die Pressemeute nicht verstanden. Er wird doch nicht etwa mit dem Namen eines verflossenen schwarzafrikanischen Autokraten hantiert haben? Das Orban-Grinsen blieb jedenfalls. Und auch das Tsipras-Lachen nachdem der EU-Ober-Spaßvogel dem Krawatten-Allergiker aus Athen seine Halsbinde vor den Zinken baumelte. Ob JCJ am Pfingstmontag auch in „Chequers“ noch derart schäkern wird? Der taffe Insel-Lenker hat ihn gestern in sein Landhaus eingeladen, vermutlich um seine Position zur EU-Reform eindringlich nachhaltig zu untermauern. Seine Position zu den Referendumsfragen hat indes das „Wort“ festgezurrt. Um das Erklärungsvideo des Chefredakteurs gucken zu können, mussten wir uns zunächst eine Bankwerbung ansehen, in der behauptet wird, dass Kinder oft wissen, was das Beste für uns ist. Umso enttäuschter waren wir dann, dass die auflagenstärkste Bezahlzeitung gegen das Wahlrecht ab 16 ist. Ein „Ja“ hat indes das redaktionsinterne Referendum für das Einwohnerwahlrecht bei Parlamentswahlen ergeben. Der Erzbischof „liked“ das sicher. Wir auch.
Hallo, Diktator
journal.lu - 22.05.2015

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