„Freiheit, Menschenrechte, gilt es nicht erst zu verteidigen, wenn sie mit Kalaschnikows angegriffen werden. Es gilt, sie zu leben, aktiv, indem man sein eigenes Denken und Wirken nicht einschränken lässt, aber auch passiv, indem man Andersdenkenden sie gleichsam zugesteht. Dabei geht es um mehr als nur um Duldung anderer Meinungen, sondern um das Anerkennen des Rechts auf eine andere Meinung, Einstellung und Lebensweise“, schrieb am Samstag der Leitartikler der Erzbistumszeitung im Zusammenhang mit den blutigen Attentaten in Frankreich, die uns alle wachgerüttelt haben. Wie wahr. Leider scheitert die Umsetzung dieser Prinzipien nur allzu oft in einer, wie die CSV-Reformer in einem Beitrag im „Wort“ meinen, vom „radikalen Individualismus hedonistischer Selbstverwirklichung“ geprägten Gesellschaft. Diese müsse einer „ethisch und sozial verantwortlichen Bürgergesellschaft“ Platz machen. Die politischen Parteien spielen dabei zweifelsohne eine Rolle. Aber: „Sind sie noch diese Gebilde, die in konzentrierter Form die politischen Vorstellungen einer Gesellschaft oder großer Teile von ihr wiedergeben? Sind sie noch in der Lage, ein Gesellschaftsmodell zu entwickeln und vorzulegen, das den oftmals auch nicht bewussten Wünschen einer Mehrheit nahe kommt?“, fragt ein „t“-Editorialist. Reichlich Denkstoff, nicht nur für die Parteileitungen.