Als der seit kurzem auch für den Wohnungsbau verantwortliche Staatssekretär Marc Hansen am Dienstag das Audit zur Organisation und zur Funktionsweise des Fonds du Logement vorstellte (warum eigentlich nicht die Wohnungsbauministerin selbst?), in dem auf 70 Seiten auf das jahrelange „Gewurschtels“ und die verkrusteten Strukturen bei dieser öffentlichen Einrichtung eingegangen wird, da meldete sich auch der frühere Ressortminister Marco Schank zu Wort.

Natürlich nicht, um den fleißigen Staatssekretär dafür zu loben, dass in diesem leidigen Dossier endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden - die gerade einmal 30 im vorigen Jahr auf den Markt gebrachten Mietwohnungen sprechen hier wohl eine klare Sprache -, sondern um der ungeliebten Nachfolgeregierung weismachen zu wollen, dass die CSV nach einem ersten Audit im Jahre 2009 auch schon Reformen angestrebt habe; geschehen ist dann aber - wie so oft - nichts.

In politischen Kreisen wird in diesem Zusammenhang inzwischen dann auch hinter vorgehaltener Hand gerne vom Halsdorf-Syndrom gesprochen, hatte der frühere CSV-Innenminister Jean-Marie Halsdorf doch bei der Personalentscheidung seines sozialistischen Nachfolgers Etienne Schneider, eine neue Polizeispitze einzusetzen, gegenüber der Presse gemeint - und dies sogar ohne rot zu werden -, dass die CSV das „auch so gemacht hätte“, nur dass er einen anderen Stil als der neue Minister habe.

Einen gänzlich anderen Stil als sein Vorgänger hat indes auch Premierminister Bettel, der in den vergangenen Tagen so manche Kritik einstecken musste, dass er es doch tatsächlich gewagt hatte, dem 70. Jahrestag der Rückkehr von Großherzogin Charlotte aus dem Exil nicht beizuwohnen, weil er im Ausland weilte. Der Regierungschef nutzte dann auch am Dienstag die Gelegenheit des ersten Pressebriefings nach der Osterpause, um ein für alle Mal deutlich zu machen, dass auch ein Premier das Recht habe, mal ein paar Tage mit seinem Partner zu verbringen; mit mangelndem Respekt gegenüber der Großherzogin habe das nichts zu tun. Damit hat der Staatsminister natürlich recht, auch wenn es dann doch vielleicht etwas unglücklich aussah, dass bei den diesbezüglichen Feierlichkeiten ebenfalls der Erste Bürger des Landes und die Hauptstadtbürgermeisterin nicht anwesend waren.

Sei’s drum: Die premierministerliche Verschnaufpause ist jedenfalls definitiv vorbei, erwarten Bettel doch schon in der ersten Woche nach seiner Rückkehr aus dem schönen Japan eine ganze Reihe an nationalen und europäischen Rendezvous, darunter natürlich in erster Linie die Tripartite-Sitzung vom morgigen Freitag - wir erinnern uns: Das ist die Veranstaltung, wo die immer gleichen Leute am immer gleichen Tisch im immer gleichen Versammlungsraum über die immer gleichen Fragen diskutieren, zumeist ohne Erfolg - sowie der heutige EU-Sondergipfel zur Flüchtlingspolitik, bei dem aller Voraussicht nach wieder viel gesprochen und noch mehr versprochen wird, ohne dass in der Praxis aber konkret allzu viel umgesetzt wird, womit wir wieder beim Halsdorf-Syndrom wären...