LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Wegen Erbstreit: Ein Bauer und sein Schwager liegen sich in den Haaren

Am Dienstagmorgen musste sich ein 42-jähriger Bauer wegen Sachbeschädigung und Bedrohung vor Gericht verantworten. In diesem Fall tagte das Gericht als Einzelrichter. Der Richter machte dem Angeklagten dann auch gleich zu Beginn der Verhandlung klar, dass sein Verhalten „nicht sehr glorreich“ gewesen sei.

In den Familien W. und Ö. begann die Geschichte der Zwietracht mit einem Erbstreit. Die Eigentumsverhältnisse sind bis heute nicht geklärt. Ein Vergleichsvorschlag scheint auch aussichtslos zu sein, vermutet der Einzelrichter.

Es war nur eine Frage der Zeit

Betrachtet man diesen Streitfall aber genauer, wird auch deutlich: Es geht nicht nur ums Geld. Es geht um Emotionen und mangelnde Anerkennung. So streiten Bauer W. (42) und Schwager Ö. (51) schon seit Jahren. Der Streit zwischen den beiden Männern hatte im Juni/Juli 2018 eine fast schon surreale Ebene erreicht, bis es dann wirklich knallte. Mehrmals hätte der Bauer ihn angegriffen, beteuert der Schwager vor Gericht. Er habe ihn aber immer wieder abgewehrt und die Polizei gerufen, weil ihn der Familienstreit nerve.

Auch dieses Mal musste sich der Schwager vom Angeklagten beschimpfen und bedrohen lassen. Doch was er an diesem Tag erlebte, übertraf alles. Zwei Anhänger des Schwagers zerstörte der Angeklagte - „mit einem Hammer“. Weil er den Wüterich zur Rede stellen wollte, fuhr der Schwager zu dessen Haus. Als der Bauer ihn sah, zog er ein Messer und rief ihm zu, er solle verschwinden. „Ich bin dann weiter gefahren, weil ich merkte, mein Gott, das eskaliert ja“, erklärte der Schwager vor Gericht.

Vor Gericht beteuert der bedrängte Schwager, er hätte Angst und überreicht dem Richter eine schriftliche „eidesstattliche Versicherung“, um seine Glaubwürdigkeit zu bekräftigen.

In dieser Erklärung formuliert ein Zeuge eine Aussage des Angeklagten: „Wenn der noch ein Mal kommt, werde ich ihn mit dem Traktor überrennen und dann zu den Schweinen schmeißen.“ Für den Verteidiger Jean-Jacques Schonckert, der den Bauern verteidigt, ist es eine peinliche Geschichte. Der Rechtsanwalt hofft, dass der Schwager zur Besinnung kommt. Die mutmaßliche Bedrohung lehnte Schonckert mangels Erfüllung des Straftatbestands ab. Die eidesstattliche Versicherung lasse er als ungültige juristische Nebenerscheinung gelten. Sein Mandant solle nur wegen Sachbeschädigung bestraft werden. Der Schlussvortrag des Verteidigers endete mit der Beantragung einer Geldstrafe. „Das reicht doch völlig als Strafe“, sagte Schonckert.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft lässt den Bauer als reale Bedrohung erscheinen. Zwei Anhänger habe er kaputt geschlagen, den Schwager verbal bedroht. Sie forderte sechs Monate Haft und eine Geldstrafe. Der Richter machte den Angeklagten dann noch darauf aufmerksam, dass die Strafe auch in maximal 240 Sozialstunden umgewandelt werden kann. Die Entscheidung stünde aber nur im Ermessen des Gerichts, ein Vorschlag, den der Angeklagte annahm.

Das Urteil wird am 13. Juni gesprochen.