LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ab sofort: Öffentlich geförderter Wohnungsbau auf Grundstücken des Fonds Kirchberg

Die Aussage von Wohnungsbauministerin Maggy Nagel überraschte dann doch. Sowohl das Ministerium, als auch die Büros des Fonds Kirchberg sind auf dem Kirchberger Plateau angesiedelt, nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Aber, so Maggy Nagel, vor dem Regierungswechsel habe es nie ein Gespräch zwischen den beiden Institutionen gegeben. So konnte man gestern quasi eine Premiere feiern, als die Wohnungsbauministerin zusammen mit Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch und dem Präsidenten des Fonds Kirchberg, Patrick Gillen, gemeinsame Wohnungsbauprojekte vorstellte.

Langfristig sind 6.500 Wohnungenfür den Kirchberg geplant

Für Minister Bausch ist es Aufgabe des Staates, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, da die Marktpreise kaum zu drücken sind. Aktuell gibt es bereits 1.400 Wohnungen auf dem Kirchberg. Langfristig sollen es 6.500 werden. Nicht zuletzt um eine lebendige Durchmischung und ein Nebeneinander von Leben und Arbeiten zu schaffen. Die Zeit der Schlafstädte sei vorbei, so Bausch. Die Landesplanung sieht vor, dass für zukünftig 15.000 Einwohner und 60.000 Arbeitskräfte ein leistungsfähiger Öffentlicher Personennahverkehr in dem Viertel geschaffen wird.

Schienengebundener ÖPNV ab 2017

Bis zum Herbst 2017 soll der neue Bahnhof Kirchberg-Pfaffenthal, der auch an das überregionale Busnetz angeschlossen wird, in Betrieb gehen. Gleichzeitig sollen acht Straßenbahnzüge, mit einer jeweiligen Kapazität von 450 Personen, ihren Dienst auf der Strecke zwischen der Roten Brücke und dem Messegelände aufnehmen. Die Trambahn könne bei einer Taktung von drei Minuten bis zu 10.000 Passagiere in der Stunde transportieren, so Bausch.

Für die Fußgänger werden die Bürgersteige der Roten Brücke deutlich verbreitert, auf der Nordseite auf 2,55 Meter, im Süden auf 3,69 Meter.

Wohnungen auf staatlichen Grundstücken

Ministerin Nagel erläuterte den Weg, den man einschlägt um zu Wohnraum unter den Marktpreis zu kommen - die Partner nutzen Baugrundstücke, die schon im Staatsbesitz sind. Man habe sich zunächst mit dem Fonds darauf verständigt, einige Wohnungsbauvorhaben vorzuziehen.

Aktuell liegen die Quadratmeterpreise auf dem freien Markt für Wohnraum auf dem Kirchberg bei 7.150 Euro. Um den Marktpreis zu unterbieten wollen Fonds Kirchberg und Wohnungsbauministerium nun zweigleisig fahren.

Einerseits können Wohnungen von privaten Bauträgern auf Grundstücken des Fonds errichtet werden, wobei der Quadratmeterpreis nicht höher als 4.200 Euro liegen darf. Andererseits wird die SNHBM im Rahmen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus 50 Prozent der auf dem Kirchberg geplanten Wohnungen errichten. Hier liegt der gedeckelte Quadratmeterpreis bei 3.250 Euro.

Strikte Bedingungen

Die günstigen Preise sind aber an strikte Bedingungen geknüpft. Für die frei verkäuflichen Wohnungen gilt: Der Baugrund wird via Erbpacht für 99 Jahre zur Verfügung gestellt, der Verkauf erfolgt nur an Privatleute, die auch wirklich dort leben wollen. Der oder die Käufer müssen ihren Arbeitsplatz - zum Zeitpunkt des Kaufs - auf dem Territorium der Hauptstadt haben und dürfen keine weitere Wohnung besitzen. Im Falle eines Verkaufs liegt das Vorkaufsrecht beim Fonds Kirchberg.

Bei öffentlich geförderten Wohnungen, wird der Baugrund ebenfalls über Erbpacht zur Verfügung gestellt, mindestens 60 Prozent der Appartements müssen an die Empfänger von Wohnungsbauprämie abgegeben werden.

Die Käufer dürfen ebenfalls keine weitere Wohnung besitzen und auch die SNHBM behält sich ein Vorkaufsrecht für 99 Jahre vor.

Insgesamt sind für die nächsten fünf Jahre 882 Wohnungen geplant, die neben dem Bereich Kiem, im Réimerwee und südlich des Boulevard John F. Kennedy entstehen sollen.