GREVENMACHER
CORDELIA CHATON

Das „Centre de Compétences ,Digitaalt Handwierk'“ eröffnet nach einer Testphase offiziell

Luxemburg hat einen Ort, um das Handwerk digital zu begleiten. Das „Centre de Compétences Digitaalt Handwierk“ (DigiHW) wurde gestern nach einer Testphase offiziell eröffnet. Die Vorstellung fand in den Räumen von Steffen Holzbau in Grevenmacher statt, um gleich vor Ort zu zeigen, wie Digitalisierung sich im Handwerk auswirkt.

„Der Stand der Unternehmen in Luxemburg ist sehr unterschiedlich“, unterstrich Romain Schmit, Generalsekretär der „Fédération des Artisans“ (FDA) mit Blick auf die rund 7.500 Handwerksunternehmen und ihre 95.000 Mitarbeiter im Land. „Manche hatten Roboter, andere ein Handy.“

Das neue Zentrum soll den Unternehmen aktiv dabei helfen, eine neues Wirtschafts- und Organisationsmodell zu schaffen. Gleichzeitig sollen konkrete Instrumente entwickelt werden, die es den Unternehmen ermöglichen, mit den Herausforderungen der Digitalisierung umzugehen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Darüber hinaus will das DigiHW der Ansprechpartner für das Programm „Fit4Digital“ im Handwerk sein, das von der staatlichen Innovationsagentur Luxinnovation angeboten wird.

Pilotphase mit 20 Betrieben

Seinen Platz wird das DigiHW in Bettenburg in der Industriezone Krakelshaff gegenüber dem „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“ haben, der auch mitwirkte. Der Neubau wird im Februar 2020 fertig. Dann ziehen die bisherigen Einheiten in Contern, Esch/ Alzette und Bascharage um. Denn bislang befand sich das DigiHW in einer Testphase. Rund 20 Unternehmen nahmen zwischen Juni 2018 und März 2019 daran teil. Darunter waren neben der Garage Kremer die Druckerei Ossa, Luxforge, Reckinger, Dussmann, der Fliesen- und Badspezialist Maroldt oder der Friseur Ferber. Weiter 30 wurden analysiert.

„Wir haben schon 2016 eine Umfrage unter rund 500 Unternehmen gemacht, um festzustellen, wie der Stand ist“, erzählt Schmit. Steffen Holzbau gehörte schon zu diesem Zeitpunkt zu den Vorreitern, machte aber beim Pilotprojekt mit. „Wenn man alles durchleuchtet, sieht man immer Potenzial, um etwas zu verbessern“, stellt Geschäftsführer Stephan Hostert fest.

Ein Problem vieler Betriebe sind die vollen Auftragsbücher, die kaum Zeit lassen, sich mit anderen Themen zu beschäftigen. So kam die Idee auf, in einer ersten Phase die Unternehmen zu analysieren und ihnen konkreten Rat zu erteilen, der sich später für kleiner Betriebe auch standardisieren lässt. 70 Module wurden schon entwickelt. „Dabei geht es nicht um Empfehlungen für Soft- oder Hardware“, präzisiert Prof. Marc Ant vom Verwaltungsrat des DigiHW. Maßgeschneiderter Rat, konkrete Produkte, Verbesserungen, Produktionsmethoden oder Kundenkontakt sind Themen.

So nutzte die Metzgerei Salaisons Meyer in Bascharage DigiHW, um die interne Kommunikation und Ausbildung zu optimieren. „Wir erstellen jetzt Videos für die Ausbildung und haben genaue Dateien zu Kundenwünschen“, freut sich Chef Luc Meyer im Youtube-Video.

Im Sommer 2018 wurde das DigiHW von den Centres de Compétences Génie Technique sowie Parachèvement und der FDA gegründet. Die beiden erstgenannten sind Weiterbildungszentren, die über lohnabhängige Abgaben finanziert werden. Unterstützt wird das DigiHW mit Geld, Konzepten und Rat vom Mittelstandsministerium.

Nächste Termine

Dessen Minister Lex Delles lobte: „DigiHW ist ein enormer Erfolg und die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert.“ In Zukunft will er es weiter finanziell unterstützen. Delles verwies auf eine Roadshow zum Thema Digitalisierung vom 3. - 27. Juni sowie auf den „Digital Day“ am 4. November.

DigiHW soll sich in bereits vorhandene Instrumente wie die Digital Skills Bridge, und Fit4Digital vom Arbeitsministerium einfügen. Unternehmen sollen bei Anträgen unterstützt werden.

Ursprünglich ging es gar nicht um Rat, sondern um Sensibilisierung. FDA-Delegationen besuchten Digitalisierungszentren in Deutschland, die das zur Aufgabe hatten. Aber schnell stellte sich heraus, dass Luxemburger Betriebe konkrete Angebote wollen. Mit dem DigiHW ist die FDA jetzt sehr gut aufgestellt, findet Schmit. Die Unterstützung ist für die Unternehmen nicht gratis, kann aber bezuschusst werden.

Unter „Digitaalt Handwierk“ gibt es mehrere Filme über Unternehmen und ihre Erfahrungen auf Youtube.