LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Kritik in offenem Brief an Wirtschaftsminister Schneider wegen Encevo

Die „Fédérations des Artisans“ ist empört und hat am Montag einen offenen Brief an Wirtschaftsminister Etienne Schneider veröffentlicht. Darin wehrt sie sich gegen die vor sechs Tagen bekannt gegebene Übernahme des Unternehmens Paul Wagner & Fils, das auf Installationsarbeiten und technische Gebäudeausrüstung spezialisiert ist, durch Encevo. Encevo ist die Muttergesellschaft der Strom- und Gasversorger Enovos und Creos. Die Holding gehört dem Staat Luxemburg zu 28 Prozent, zu 25,48 Prozent der französischen Private Equity-Gesellschaft Ardian, zu 15,41 Prozent der Stadt Luxemburg und zu 14,20 Prozent der staatlichen Beteiligungsgesellschaft „Société Nationale de Crédit et d´Investissement“. Weiterhin hält die im Staatsbesitz befindliche Spuerkeess 12 Prozent und die Post 4,71 Prozent. Damit ist Encevo ein Unternehmen im Besitz der öffentlichen Hand. Paul Wagner & Fils hat rund 350 Mitarbeiter.

Genau daran entzündet sich die Kritik der „Fédération des Artisans“. Sie kritisieren, dass Schneider wusste, dass sie mit Enovos eine Kooperation eingehen wollten, um neue Technologien im Energiebereich schnell und großflächig bei privaten wie professionellen Kunden zu installieren. Dazu habe es im Frühjahr zwei Treffen mit dem Wirtschaftsministerium gegeben. Schon damals habe der Verband klar gemacht, dass das Handwerk die „Übernahme eines Privatunternehmens durch den Quasi-Staatsbetrieb Enovos“ auf keinen Fall gutheißen könne. Der Minister habe der Kooperation keine Chance gegeben und die Kritik ignoriert. Es gäbe Parallelen zur Post.

Der von Präsident Michel Reckinger und Generalsekretär Romain Schmit unterzeichnete zweiseitige Brief kritisiert, Enovos wolle nur einen Teil des Umsatzes von Paul Wagner & Fils abschöpfen. Es ginge dem Energiekonzern gar nicht darum, Reaktionen aus dem Markt über neue Technologien zu erhalten. Schon damals habe die „Fédération des Artisans“ vor Marktverzerrung sowohl bei Privathaushalten als auch bei Großanlagen und öffentlichen Ausschreibungen gewarnt. Sie Situation verzerre den Wettbewerb.

Die Aufregung bei Elektro- und Installateurbetrieben sei groß. Es könne nicht sein, dass der größte Energielieferant im Land gleichzeitig Auftraggeber und Konkurrent sei. Die Autoren fordern auch Reaktionen von Spuerkeess und Post. Sie monieren illoyale Finanzierungsmöglichkeiten des gekauften Betriebs. Die staatliche Intervention sei total „überflüssig und kontraproduktiv“. Die Unternehmen hätten schließlich aktiv an der Umsetzung des von Rifkin angestoßenen Prozesses mitarbeiten wollen. Reckinger und Schmit forderten Schneider zu einer Stellungnahme auf. Sie verlangten zu erfahren, aus welchem Grund die Regierung von mittelständischen Unternehmen hinter das kurzfristige Profitdenken eines Staatsbetriebes stellt. Der Wirtschaftsminister reagierte bislang nicht. Ihm stellte gestern der CSV-Abgeordnete Léon Gloden Fragen zum Kauf, unter anderem über die Gründe des Kaufs, mögliche Marktdominanz und die Konkurrenzsituation.