LUXEMBURG
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„Drive phone free“- ACL stellt Wettbewerb vor: Jugendliche sollen Jugendliche warnen

Viele kennen die Situation: Beim Autofahren piepst das Handy, eine SMS, schnell mal einen Blick auf das Display zu werfen, kann ja nicht so schlimm sein. Das Hantieren mit dem Handy am Steuer trägt aber nachweislich zu vielen Unfällen bei: Eine US-Studie liefert neue Ergebnisse. Sie zeigt, dass der Umgang mit Mobiltelefonen am Steuer der Einzelfaktor ist, der Autounfälle besonders stark zunehmen lässt. Demnach steigern die Suche nach dem Gerät, das Telefonieren und insbesondere das Lesen und Texten das Unfallrisiko um nahezu das Vierfache.

Auch ein Grund, sich ausgiebig mit diesem Thema zu beschäftigen und aufzuklären. So hat der Automobilclub ACL zusammen mit dem Unterrichtsministerium sowie dem Nachhaltigkeitsministerium, dem Fahrsicherheitszentrum, der „Sécurité Routiere“,der „Association Nationale des Victimes de la Route“, RTL und dem Internationalen Automobilverband FIA einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der sich an Jugendliche richtet und genau dieses brisante Thema aufgreift: „Drive safe, drive phone free“.

Jüngere neigen eher zur Ablenkung am Steuer

Die Studie der Verkehrsforscher um Thomas Dingus vom „Virginia Tech Transportation Institute“ beruht auf einer bislang beispiellosen Datenbasis. Das Team stattete Tausende Autos mit Kameras, Sensoren und Radar aus, die Daten des Fahrzeugs ebenso aufzeichneten wie das Verhalten der Fahrer. Die mehr als 3.500 Fahrer im Alter von 16 bis 98 Jahren verursachten im Zeitraum von drei Jahren 905 größere Unfälle mit Personen- oder Sachschaden. Knapp 88 Prozent davon gingen auf menschliches Versagen zurück. Bei der Suche nach deren Ursachen unterschieden die Wissenschaftler drei Gruppen: Beeinträchtigungen der Fahrtüchtigkeit etwa durch Müdigkeit, Alkohol, Drogen oder sichtbare Emotionen wie Wut oder Trauer, Fahrfehler wie Missachten der Vorfahrt, plötzliches Bremsen oder beim Abbiegen keinen Blinker setzen und Ablenkung etwa durch Mitfahrer, Essen, Schminken oder eben das Handy. Fahrfehler steigerten die Unfallgefahr zwar mit Abstand am meisten, passierten aber vergleichsweise selten: So erhöhte etwa Missachten der Vorfahrt die Unfallgefahr um den Faktor 936, kam aber nur in 0,01 Prozent der Fahrzeit vor. Sichtbar starke Emotionen wie Wut oder Weinen steigerten die Wahrscheinlichkeit etwa um das Zehnfache und traten in 0,22 Prozent der Fahrzeit auf. „Ein bemerkenswertes Ergebnis dieser Analyse ist, wie oft Fahrer sich ablenkenden Tätigkeiten widmen“, schreibt das Team. In insgesamt 52 Prozent der Zeit am Steuer waren die Fahrer demnach abgelenkt - auch durch Mitfahrer. Ablenkungen trugen zu gut 68 Prozent der Unfälle bei. „Wenn Fahrer sich für ablenkende Aktivitäten entscheiden, gehen sie mehr als die Hälfte der Fahrzeit ein verdoppeltes Unfallrisiko ein“, führen die Autoren aus. Ohne Ablenkung könnten vier Millionen der jährlich fast elf Millionen Unfälle in den USA vermieden werden.

Luxemburg: 280 Fahrer in Unfälle verwickelt

Hier setzt nun der Wettbewerb in Luxemburg an: Jugendliche sollen mit Video-Clip, Plakaten oder Slogans auf genau diese Gefahren hinweisen und das Handy im Auge, aber nicht während der Fahrt in der Hand haben, erklärten die Verantwortlichen. „Vor allem bei den Jugendlichen ist das Handy ein Problem. Jährlich sind, laut Statec, 280 Fahrer zwischen 18 und 25 so in Unfälle verwickelt. Die Nutzung des Handys während der Fahrt erhöht das Unfallrisiko um das 23-Fache“, sagt ACL-Direktor Jean-Claude Juchem.

Mobiltelefone seien zum festen Bestandteil unseres Alltags geworden. „Nicht nur, aber gerade für junge Menschen sind sie oft nicht mehr aus dem Leben wegzudenken. Die Benutzung erfolgt aber in verschiedenen Lebensbereichen zu sorglos“, heißt es aus dem Unterrichtsministerium. Zu gefährlich sei der Umgang mit Mobiltelefonen am Steuer, wo auch kleinste Ablenkungen vom Verkehr zu folgenschweren Unfällen führen können. „Das Ministerium sieht es als seine Aufgabe, besonders auch die jungen Menschen auf einen gewissenhaften Umgang mit den modernen Kommunikationsmedien vorzubereiten. Für diese Kampagne wurde der wichtige Ansatz der ‚Peer Education‘ gewählt. Junge Menschen werden durch andere junge Menschen angesprochen, nicht durch Erwachsene. Ich wünsche mir, dass durch diese Methode die Kampagne einen wichtigen Beitrag leisten“, heißt es dazu aus dem Ministerium.

Fachjury und jedermann können abstimmen

So soll ein von Jugendlichen konzipiertes Video für andere Jugendliche die Länge von 150 Sekunden nicht überschreiten, beim Bild und Slogan kommt es auf eine gewisse Originalität an. Vier Sprachen, Luxemburgisch, Deutsch, Französisch und Englisch werden akzeptiert. Teilnehmen kann jeder im Alter von 16 bis 25 Jahren. Ab dem 19. September kann man sich auf www.acl.lu/drivesafe einschreiben und hat dann fünf Wochen Zeit für die Realisierung; am 24. November sollen die Gewinner bekannt gegeben werden; der erste Preis ist mit 1.500 Euro dotiert, der zweite mit 1.000 und der dritte mit 500. Eine Fachjury schaut sich die eingereichten Beiträge an und gibt ihr Urteil (zählt zwei Drittel) genauso wie das Publikum ab (ein Drittel in der Gesamtwertung). Abstimmen kann jeder zwischen dem 7. und 20. November.