CORDELIA CHATON

Bei der Commerzbank in Luxemburg zittern die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Noch in diesem Jahr soll dort ein Sozialplan verkündet werden. Es wird nicht der einzige sein. Mindestens ein weiteres deutsches Institut wird ebenfalls Mitarbeiter im Rahmen eines Sozialplanes entlassen. Dazu kommen die 2014 verkündeten Sozialpläne, die ihre Wirkung erst in den Folgejahren entfalten. Darunter fällt die HSBC mit einer Restrukturierung des Securities Services, die ABN Amro, Abbau von Doppelfunktionen bei der Deutschen Bank und Betriebsschließungen der LBLux und der LB Berlin. Partielle Auslagerungen wird es bei der UBS, der Citibank, der Société Européenne de Banque und von Rothschild geben. Der Konsolidierungsdruck ist groß im Bankenbereich. Denn das klassische Bankenmodell kriselt. Regulierungen, Steuern, Ertragsprobleme und technologische Entwicklungen tragen dazu bei. Vor allem Banken, die zu lange auf Arbitrage-Modelle setzten, gehören zu den Verlieren. Viele kleine und mittlere Banken haben zu spät mit der Entwicklung hin zu mehr Transparenz begonnen. Teilweise fehlt ihnen die kritische Masse, um höhere Skalenerträge zu erreichen. Innerhalb der Gruppe gelten sie nicht als Kompetenzzentrum und gehen unter oder beschränken sich auf das Geschäft mit Privatkunden und Verwahrfunktionen. Ein ganz wesentlicher Punkt ist auch die Digitalisierung und Automatisierung des Bankgeschäfts.

Gleichzeitig gibt es Neuzugänge am Finanzplatz. Wer hinschaut, wer 2014 nach Luxemburg gekommen ist, erkennt den Trend: Cyberservices Europe - ein Schweizer Spezialist für Online-Zahlungen-, Huellemann & Strauss Online Services - ein Institut für E-Payment -, Stubhub Services - ein US-Anbieter für elektronische Zahlungssysteme, der für Ebay arbeitet-, Ipay International - und natürlich Alipay, der Online-Bezahlriese aus China. Bei zwölf Neuzugängen ist der Trend eindeutig Richtung elektronische Bezahlsysteme. Verschwunden sind dagegen vor allem deutsche Landesbanken .

Ein Blick auf die neuen Anbieter im Markt bestätigt den Trend: Digicash Payments, FIA-Net, Olky Payment, Rakuten Payment und SIX Payment sind darunter. Dazu kommen die Anbieter für elektronische Bezahlsysteme von Amazon Payment über Flashiz, iPay, Leetchi Corp. und PayCash bis zu Yapital.

Die Entwicklung geht ganz klar weg vom Online-Banking hin zum Mobile Banking. Und je mehr Teenager mit Handynutzungsgewohnheiten, die so ganz anders sind als die ihrer Eltern, in das kontofähige Alter kommen, desto mehr verstärkt sich der Trend. Da stellt sich für Banken die Frage, wie sie damit umgehen. Wer braucht in Zukunft noch eine Kreditkarte, wenn er doch mit seinem Handy zahlen kann?

Amazon, Google, Apple und Facebook stehen derweil in den Startlöchern, um besser ins Finanzgeschäft zu kommen. Kundendaten haben sie bereits in ausreichendem Maße. Ihre Strategien treffen Banken vor allem da, wo sie mit Honorarmodellen auf Provision agieren. Klar ist: Die E-Bezahler kommen. Und die Digitalisierung verändert die Bankenwelt.

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