LUXEMBURG
MARCO MENG

Ein Jahr Zollfreilager am Findel - Ein Jahr gute und weniger gute Nachrichten

Knapp 670 Tage nach dem ersten Spatenstich am 14. November 2012 wurde der „Le Freeport Luxembourg“ - vor genau einem Jahr in Betrieb genommen. Zeit, das erste Fazit zu ziehen. An der neuen Zufahrt wird derzeit fleißig gebaut. Das Gebäude, dessen Errichtung 55 Millionen Euro verschlang, hat mit einer Fläche von 22.000 Quadratmetern auf vier Stockwerken reichlich Platz, Kunstwerte, hochwertige Güter wie Schmuck, aber auch kostbare Weine zu lagern. Und mehr, wie Freeport-Geschäftsführer David Arendt, der dem „Journal“ einen Blick hinter die Kulissen des Hochsicherheits-Lagers gewährt, betont.

Zuletzt war es um den Freeport am Findel ruhig geworden; das heißt, er war nur in die Schlagzeilen geraten, wenn es um den Chef seines Initiators Natural Le Coultre, den Schweizer Geschäftsmann Yves Bouvier ging. Der in Monaco lebende russische Milliardär Dmitri Rybolowlew beschuldigt ihn, mit manipulierten Preisen für Gemälde über den Tisch gezogen zu haben.

Zu Bouvier angesprochen betont Arendt, dass dieser seinen Vorsitz der Gesellschaft des Freeport Luxembourg niedergelegt hat und als Verwaltungsratsmitglied auch keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft hat. Jetzt hieße es, in dem schwebenden Ermittlungsverfahren abzuwarten.

Jetzt gilt es, Kunden zu gewinnen

Nach mehrfachen Kontrollen und zwei Sicherheitsschleusen (für Mitarbeiter gibt es einen Detektor für Fingerabdrücke) geht es durch 3x3 Meter große Türen in Räumlichkeiten hinein, die mehr als sechs Meter hoch sind. Die Detektoren und Überwachungskameras zu fotografieren ist untersagt. Das Interesse am Freeport spiegelt sich in der Auslastung wider: Die liegt laut Arendt derzeit bei 60 Prozent; eine Steigerung innerhalb eines Jahres von etwa zehn Prozent. Er fängt jetzt an, weltweit bekannt zu werden, meint Arendt. Man müsse nun die Kunden nach Luxemburg ziehen und sich gegenüber dem Hauptkonkurrenten Genf positionieren. Die Vorteile des luxemburgischen Freeports? „Das Gebäude wurde anders als Genf eigens dafür konzipiert, nach neusten Normen; anders als Genf liegen wir direkt am Frachtflughafen und direkt an der Autobahn“. Das seien nur einige Vorteile. Zudem befindet sich der Freeport am Findel innerhalb der Europäischen Union. Der Freeport Genf ist zudem an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, was es auch schwierig macht, dort die Ware zu moderaten Preise versichern zu können. Das persönliche Fazit ist für Arendt positiv, denn kein Tag sei wie der andere: In fünf Jahren, schätzt der Manager, sehe es noch ungleich positiver aus.

Ein Gang durch die imposanten Räumlichkeiten: Überall in den Lagerräumen herrscht eine Temperatur von 21 Grad Celsius und eine kontrollierte Luftfeuchtigkeit, in den Lagerräumen für Wein oder den Datacenter, über die der Freeport ebenfalls verfügt, ist die Temperatur niedriger.

„Hier werden die bestmöglichen Lagerbedingungen für Kunst, Wein und Edelmetalle geboten“, sagt Arendt. Ungewöhnliche Anfragen gab es in diesem Jahr auch einige. So sei nachgefragt worden, Zigarren einzulagern, menschliche Haare zur Herstellung von Perücken - und Moleküle für die Medikamentenherstellung. Die Einlagerung von wertvollen, neu entwickelten Pharma-Prototypen: Auch dafür sei der Freeport geeignet, erklärt Arendt. Ungewöhnlich sei auch eine Anfrage zur Einlagerung historischer russischer Waffen, die derzeit geprüft wird. Es gab zwar auch schon viele Anfragen aus Australien und Südamerika oder China, momentan kommt der Großteil der Kundschaft aber noch aus Luxemburgs Nachbarländern. Es gibt zertifizierte Tresorräume für Edelmetalle und vier Weinkeller, die 750.000 Flaschen fassen. Wie viel Wein dort genau eingelagert ist, wissen die Versicherungsgesellschaften und der Zoll: Insgesamt sei es ein dreistelliger Millionenbetrag, den der Freeport beherbergt. Arendt betont, dass der Freeport selbst den Lagerplatz vermietet, überwacht vom Zoll der prüft, was rein und rausgeht.

Der Freeport wird nach Arendt demnächst auch den Kunden anbieten können, dass sie die vor Ort ihre Kunstwerke mit entsprechend vorhandener Einrichtung restaurieren können.

Ein Laboratorium zur Prüfung der Kunstwerke auf ihre Echtheit, zum Beispiel mittels Röntgenstrahlen, wird ebenfalls demnächst installiert. Auch das soll neue Kunden von Luxemburg überzeugen.