CORDELIA CHATON

Subprime, Sonderfonds, Rettungsschirm. Seit der Finanzkrise sind uns Wörter vertraut, die vorher nur Experten kannten. Zehn Jahre ist der Beginn der Krise nun her, die die Welt erschüttert hat. Und immer noch hängt die Frage in der Luft, die nicht nur die Queen stellte: Warum hat das keiner kommen sehen? Noch heute tut jeder Ökonom so, als sei das klar gewesen: Viel Geld im Umlauf, leichte Hypotheken, ungerechte Ratings, geringe Haftung. Es musste so kommen. Alles schon da gewesen; Spekulationsblasen wie die Tulpenmanie in Holland im 17. Jahrhundert oder der Südseeblase im 18. Jahrhundert. Das kehrt immer wieder zurück, die Krise klebt am Kapitalismus, da kann man nichts machen.

Wirklich? Haben wir etwas daraus gelernt? Und wenn ja: Was? Ein Rückblick: Erst kam 2007 die Finanzkrise, dann war Lehman Brothers insolvent, 2009 war die Weltwirtschaftskrise da, Griechenland brach finanziell zusammen, auch Irland, Portugal, Spanien und Zypern brauchten Hilfe vom europäischen Rettungsschirm. Ab 2012 kaufte die Europäische Zentralbank Staatsanleihen auf. Es folgten die Bankenunion und das Quantitative Easing, die ganz lockere Geldpolitik. Und doch gehen noch Banken wie die Banco Popular diesen Monat pleite.

Sicher ist: Niemand zieht heute mehr den Sinn von Regulierung in Zweifel. Auch wenn gerne überreguliert wird, weil das Pendel zu weit in diese Richtung ausschlägt - und zwar in Europa viel mehr als in den USA. Eine weitere Folge der Krise ist der einheitliche Aufsichtsmechanismus, dem jetzt alle Banken regelmäßig in einem Stresstest unterliegen. Auch die Markoökonomie wurde wiederentdeckt. Luxemburg speziell öffnete sich hin zur Informationsregelung, gab das Bankgeheimnis auf und regulierte.

Politisch lief es nicht so einfach. Was kann die EU verlangen? Rückflüsse, Verschuldungsrate, Wachstum oder Strukturpolitik sind Themen, in die sich viele Nationen nicht hinein reden lassen wollen. Die EU will eine Einheit sein, hat jedoch keine wirklich koordinierte Wirtschaftspolitik. Der strenge Ansatz der Deutschen ist den südlichen Ländern zu viel, die auf Keynes setzen und sich verschulden. Pessimisten meinen: Als die politische Währungsunion nicht lief, wurde der Euro geschaffen. Jetzt läuft die Budgetkoordination nicht - und ein Gemeinschaftshaushalt soll es retten. Das bedeutet auch Gemeinschaftshaftung. Wer aber hat wie viel Hilfe verdient? Die EU gibt sich hart wie Groucho Marx, der sagte: „Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch andere.“

Fragen wie die Integration des Arbeitsmarktes bleiben. Brennender aber sind soziale Fragen. Jugendarbeitslosigkeit, Verarmung, Chancenlosigkeit bereiten den Boden für Populismus bis hin zum Brexit. Wenn man Menschen fragt, wie sie die Einkommensverteilung ihre Landes sehen, antworten sie: Als Pyramide. Das ist wahr in den USA, die längst keinen Traum für Tellerwäscher mehr ermöglichen. Erschreckend: Auch in Europa lautet die Antwort so - obwohl hier die meisten Leute im mittleren Einkommensbereich liegen und die Grafik einer Tonne ähnelt. Nur in Skandinavien weiß die Bevölkerung darum. In Luxemburg sollte sie das wissen. Denn hier ist laut Eurostat das wohlhabendste Land Europas. Und eines jener Länder, dass die Krise am besten durchgestanden hat.