PASCAL STEINWACHS

Das Leben kann manchmal aber auch grausam sein: Ausgerechnet am gleichen Tag, wo Großherzog Henri seinen 60. Geburtstag feierte, mussten „déi Lénk“ ihr Alternativprojekt für eine neue Verfassung vorstellen, in dem sich die kleinste der drei Oppositionsparteien unter anderem noch einmal dafür ausspricht, Luxemburg in eine Republik umzuwandeln. Was die Linke an der geplanten neuen Verfassung dann auch am meisten stört, ist die Tatsache, dass an der Rolle des Großherzogs immer noch nicht gerüttelt wird, obwohl ein früherer Ansatz für eine Verfassungsreform in Richtung schwedische, formale Monarchie hier weiter gegangen sei, dann aber wieder von der Juncker-Regierung und dem Staatsrat in Frage gestellt wurde. So throne der Großherzog immer noch über der Abgeordnetenkammer, verkörpere in Wirklichkeit aber die Macht der Regierung, die sich hinter ihm verstecke, wie der „déi Lénk“-Abgeordnete Serge Urbany sich gestern ausdrückte.

Geht es nach der Linken, dann soll der Großherzog dann auch durch einen gewählten Präsidenten - abwechselnd eine Frau und ein Mann - ersetzt werden. Ausgerechnet gestern wurde dann allerdings der frühere linke Abgeordnete André Hoffmann, der der grundgesetzlichen Pressekonferenz seiner Partei übrigens selbst beiwohnte und der sogar als Hauptautor der linken Verfassungsvorschläge gilt, in einem Artikel der Erzbistumszeitung über die Rolle des Großherzogs mit einer Aussage zitiert, die er in der Zeitschrift „forum“ machte, und in der es heißt, dass er sich nicht sicher sei, „ob ein gewählter Präsident einer Republik Luxemburg die bessere Lösung wäre“, denn: „würde das nicht zu einer weiteren Stärkung der Parteienherrschaft führen?“ Damit hat Hoffmann natürlich recht, stünde den Parteien in diesem Falle doch ein zusätzlicher Posten zur Verfügung stehen, wo sie ihre abgehalfterten Exemplare bequem abschieben könnten. Allerdings dürfte es in einem Land wie Luxemburg, wo das Reservoir an fähigen Politikern sowieso schon mehr als begrenzt ist, nicht gerade einfach sein, einen geeigneten Kandidaten für diesen Job zu finden, wobei ein Präsident für die Staatsschatulle auch nicht unbedingt viel billiger ausfallen dürfte als ein Monarch, im Gegensatz zu einem waschechter Blaublüter im Ausland aber weitaus weniger Prestige genießen würde und bei Wirtschaftsmissionen und ähnlichen Veranstaltungen auch nicht als Türöffner herhalten könnte - für ein Mini-Land wie Luxemburg aber unbezahlbar.

Die anderen in der Abgeordnetenkammer vertretenen Parteien scheinen das ähnlich zu sehen, ansonsten sie ja wohl auf den Vorschlag der „déi Lénk“ eingegangen wären, das konsultative Verfassungsreferendum um eine Frage zur Monarchie zu erweitern, aber wahrscheinlich haben die politischen Parteien - genauso wie bei der Frage zur Trennung von Kirche(n) und Staat - einfach nur Angst, dass sich der Bürger schlussendlich tatsächlich für die Einführung der Republik aussprechen könnte. In diesem Fall würde sich nämlich auch die Frage stellen, wer in Zukunft „Happy Birthday, Mr. President“ singen soll, hat Luxemburg doch so einiges zu bieten, aber leider keine Marilyn Monroe...

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