VIANDEN
SIMONE MOLITOR

Seit zwei Jahren leitet die „ViArt asbl“ in Vianden eine Kunstgalerie

Außerhalb der Hauptstadt sucht man in Luxemburg, abgesehen von wenigen Ausnahmen, vergeblich nach Kunstgalerien. Eine dieser Ausnahmen bildet das Nordstädtchen Vianden, wo die „ViArt asbl“ seit einiger Zeit in einer zur Galerie umfunktionierten Scheune zwischen März und Oktober Ausstellungen organisiert. Wir haben uns mit der Präsidentin und Künstlerin Marie-Josée Kerschen unterhalten.

Seit wann gibt es die „ViArt asbl“?

Marie-Josée Kerschen Offiziell wurde sie 2017 gegründet, als uns nämlich die „Veiner Konstgalerie“ von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Wir arbeiten aber schon seit 2013 zusammen, um den „KonschTour“ zu organisieren. Das ist dieser Rundgang durch Vianden und Umgebung, wo man einerseits die Ateliers der Künstler besuchen kann und wir andererseits professionelle Künstler einladen, um in verschiedenen alten Gebäuden auszustellen. Wir, das sind neben mir übrigens Ania Polfer, Malerin aus Vianden, Gérard Claude, Bildhauer aus Bettel, der in Roth sein Atelier hat, und Rol Backendorf, der auch in Vianden ein Atelier hat.

Wie kam Vianden denn zu einer eigenen Kunstgalerie?

Kerschen Ich war damals im Gemeinderat, als die Gemeinde die alte Scheune gekauft hat, ohne gleich zu wissen, welchen Zweck sie erfüllen sollte. Es sollte einfach verhindert werden, dass irgendein Bauträger Dummheiten dort anstellt (lacht). Da habe ich den Finger ausgestreckt und gesagt, ich hätte gerne eine Galerie. Das Gebäude wurde dann umgebaut und komplett renoviert. Unser Verein ist nun einerseits zuständig für die Verwaltung der Galerie und andererseits im Allgemeinen gefordert, um alle möglichen Events im Bereich der bildenden und visuellen Kunst zu organisieren. Seit diesem Jahr haben wir auch einen Skulpturengarten auf der anderen Seite in Deutschland.

Warum ist „ViArt“ nur acht Monate im Jahr verantwortlich für die Galerie?

Kerschen Wir arbeiten ausschließlich auf professioneller Ebene, der Bürgermeister war aber der Meinung, dass auch Feierabendkünstler ihren Platz in der Galerie, die ja mit öffentlichen Geldern finanziert wird, haben müssten. Die übrigen vier Monate im Jahr können sie also eigene Ausstellungen dort organisieren, was aber nicht wirklich auf viel Interesse stößt. Während dieser vier Monate läuft fast nichts, abgesehen von der traditionellen Ausstellung des lokalen Fotoclubs. Die Gemeinde stellt zwar das Gebäude zur Verfügung, um alles andere muss sich der Hobbykünstler selbst kümmern, das schreckt nun einmal viele ab.

Außerhalb der Stadt Luxemburg gibt es kaum Galerien. Hat man im Norden einen schwereren Stand?

Kerschen Auch im Norden sind die Leute kunstinteressiert. Zu den Besuchern zählen gerade jetzt in der Saison natürlich viele Touristen. Ich muss zugeben, dass wir letztes Jahr noch relativ geringe Besucherzahlen aufzuweisen hatten, dieses Jahr sind schon wesentlich mehr Leute gekommen. Geduld ist gefragt. Dass es diese Kunstgalerie gibt, muss sich noch richtig herumsprechen. Ähnliche Initiativen in anderen Teilen des Landes würde ich durchaus ermutigen, allerdings braucht man Freiwillige, die sich vor Ort engagieren, sonst läuft es nicht. Während der Öffnungszeiten muss immer einer von uns präsent sein. Dieses Jahr habe ich das ganz übernommen, weil ich als Rentnerin am meisten Zeit habe.

Wie wird die Auswahl der Künstler getroffen?

Kerschen Darüber entscheiden wir im Vorstand. Wir laden immer zwei Künstler zusammen ein. Zwischen ihren Arbeiten soll ein gewisser Dialog entstehen, der ganz harmonisch sein kann oder aber total kontrastreich. Bislang war es nicht schwer, Interessenten zu finden, besonders weil wir als „ViArt“ ja auch die ganze Organisation übernehmen.

Welche Bilanz ziehen Sie also nach zwei Jahren?

Kerschen Eine ganz positive. Wohl ziehen wir nicht die Besuchermassen an, wenn ich aber mit Galeristen aus der Hauptstadt spreche, stelle ich fest, dass auch sie nicht viel mehr Leute in ihren Galerien zählen. Kunst interessiert eben nur einen gewissen Prozentsatz.

Eben ist die erste Biennale für junge Künstler in der Galerie zu Ende gegangen. Wie kam es zu der Idee?

Kerschen Diese Idee hatten wir gleich am Anfang. In Esch gab es früher einmal eine „Biennale des jeunes“. In den Rotondes wird künftig eine „Triennale“ organisiert, das war’s dann aber auch schon. Wir wollten deshalb eine „Biennale des étudiants en art“ ins Leben rufen. Da wir wussten, dass sich der „Cercle Artistique du Luxembourg“ künftig mehr für junge Künstler öffnen will, haben wir uns zwecks Zusammenarbeit geeinigt, das Ganze auf Talente bis 29 Jahre auszudehnen. Das Feedback für diese erste „Biennale“ war sehr positiv. Elf Künstler konnten wir schließlich hier begrüßen.

Was können Sie über die Qualität ihrer Werke sagen?

Kerschen Die ist sehr, sehr hoch. Wir waren überrascht. Es ist erstaunlich, wie viele Gedanken sich die jungen Künstler machen, auch hinsichtlich der Probleme in der Welt. Es ist nicht so, als würden sie nur ästhetische Konstruktionen erschaffen. Es war sehr beeindruckend. Gemeinsam mit dem CAL haben wir auch Preise vergeben. Die vier Künstler Julien Hübsch, Shari Weirig, Bob Erpelding und Klara Troost dürfen ihre Werke im November im Rahmen des „Salon du CAL“ ausstellen. Klara Troost - ihr hat die Jury die meisten Stimmen gegeben - wird zudem nächstes Jahr eine Einzelausstellung in unserer Galerie bekommen, genau wie Flore Eckmann, eine Kunststudentin aus Paris. Diesen zwei Künstlerinnen wird auch die Möglichkeit einer Künstlerresidenz im Sommer geboten.

Bleibt Ihnen noch genug Zeit für Ihre eigene Kunst?

Kerschen Die Galerie ist von mittwochs bis sonntags zwischen 14.00 und 18.00 geöffnet, da bleibt also genug Zeit, alles andere hätte ich nicht akzeptiert. Mit 67 Jahren arbeite ich aber nicht mehr ganz so viel wie noch vor zehn oder 20 Jahren. Im Moment bin ich mit einer Auftragsarbeit für die Gemeinde Clerf beschäftigt: ein Monument für einen amerikanischen Oberst, der eine wichtige Rolle in der Befreiung von Clerf spielte. Das ist eine relativ klassische Büste. Nun, das liegt mir, es ist ein gutes Training, und es ist gut für die Kasse (lacht).

Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie komplett frei sind?

Kerschen Ich arbeite eigentlich immer mit dem Thema Mensch. Holz ist mein Element. Davon lasse ich mich stark beeinflussen, wie es gewachsen ist, wie alt es ist… Es fasziniert mich, dass man an der Maserung erkennt, was es mitgemacht hat. Dann stelle ich mir immer vor, welches Leben dieser Baum wohl hatte. Beispielsweise habe ich einmal einen 400 Jahre alten Stamm bekommen. Wenn der erzählen könnte, was er in dieser Zeit alles um sich herum gesehen hat...

Inwiefern hat sich die Kunstszene eigentlich verändert?

Kerschen Sie hat sich stark entwickelt. Es gibt inzwischen sehr viele aktive Künstler in Luxemburg. Als ich angefangen habe, konnte man sie noch an zwei Händen abzählen. Da tut sich momentan wirklich viel. Die wenigsten können zwar rein von der Kunst leben, viele geben Kurse oder unterrichten als Kunstlehrer, trotzdem sind sie für mich professionelle Künstler und keine Amateure. Das ist ja immer so eine Diskussion. Die Qualität der Kunst muss professionell sein, das ist es, was zählt, dass man mit Leib und Seele künstlerisch aktiv ist und nicht nur aus Spaß an der Sache.

Bis zum 8. September stellen die beiden Künstler Branka Djordjevic (Malerei) und Fernand Steffen (Fotografie) in der „Veiner Konstgalerie“ (6, impasse Léon Roger) aus. Infos: www.viart.lu