LUXEMBURG
SVEN WOHL

Spielkritik: „Battlefield Hardline“ im Singleplayer

Online-Schlachten sind die Königsdisziplin der „Battlefield“-Reihe. Anders sieht es da im Singleplayer-Modus aus, hier kam die Serie in der Vergangenheit öfters ins Straucheln. „Battlefield 3“ und dessen direkter Nachfolger konnten vor allem im Hinblick auf die Story niemanden vom Hocker reißen und wirkten stümperhaft zusammengeschustert. Dabei stellt „Call of Duty“ nicht gerade die stärkste Konkurrenz dar. Doch wenn „Battlefield Hardline“ wenigstens etwas gelingt, dann ist es, zu zeigen, dass man doch kompetent eine Geschichte erzählen kann.

Episodenhafte Imitation

Die Spieler schlüpfen in die Haut von Nick Mendoza, einem Polizisten, der versucht, seinen Weg durch das kriminelle Milieu von Miami zu bahnen. Die Stadt befindet sich in einem Drogenkrieg, wobei sich herausstellt, dass auch Cops in dunkle Machenschaften verwickelt sind. Es dauert nicht lange, bis Mendoza von seinen Kollegen verraten wird und er sich gegen seine ehemaligen Kollegen wendet. Wenn sich das stark nach einem Plot für eine Fernsehserie anhört, dann ist das kein Zufall. Das Spiel ist in Episoden aufgeteilt, die über ein Netflix-artiges Menü angesteuert werden.

Zum Vergessen sind auf jeden Fall die Figuren: Weder Mendoza noch seine Scooby-Doo-Truppe an Polizisten können sonderlich viel Sympathie ernten, denn weder der Plot, noch die Dialoge geben ihnen die Möglichkeit, sich über Stereotypen hinaus weiter zu entwickeln. Der Plot funktioniert wesentlich besser, da er genug Abwechslung in die Episoden hineinbringt. Von Festnahmen zu Fluchtversuchen hinüber zur Infiltration einer ausgemusterten militärischen Anlage: Die Stationen dieser Reise bieten sich als Spielwiesen für den Protagonisten geradezu an.

Unausgeglichene Verbrecherjagd

Tragisch ist dabei, dass die Spielmechanik da nicht mithalten kann. Obwohl „Battlefield Hardline“ aussieht wie ein konventioneller First-Person-Shooter, kann er auch wie ein Stealth-Spiel angepackt werden. Denn wer schleicht, ist klar im Vorteil. Mendoza kann Kriminellen seine Dienstmarke unter die Nase halten und sie in die Knie zwingen - insofern es die Spieler schaffen, die anderen im Auge zu behalten.

Was anfangs noch wie eine spannende alternative Mechanik aussieht, entpuppt sich schnell als Blindgänger. Denn die Missionen werden durch das Ausnutzen der Polizeimarke, die im Verlauf der Handlung durch den ebenso mächtigen Zeigefinger ersetzt wird, viel zu leicht. Zudem wirkt es lächerlich, doch dieses Vorgehen bringt einem mehr Punkte ein und mehr Punkte bringen eine größere Auswahl an Waffen. Waffen, die man beim Schleichen kaum einsetzen wird. Ein perfektes Fallbeispiel für inkohärentes Design. Das Spieldesign stellt sich hier selbst ein Bein.

Doch nach den Katastrophen, die die beiden Vorgänger waren, muss man „Battlefield Hardline“ zu einem gewissen Grad loben: Die Entwickler von Visceral Games haben hier einiges geleistet und wer auf den typischen Multiplayer-Teil des Spieles steht, bekommt hier ein nettes Extra geboten. Für den Singleplayer-Teil alleine lohnt sich die Anschaffung allerdings nicht.