LUXEMBURG
LJ

Soziale Netzwerke haben viel Positives - aber auch ihre Schattenseiten

Nicht nur wegen „Cybermobbing“: Soziale Netzwerke können durchaus zum Risikofaktor für Kinder und Jugendliche werden. Auch Online-Sucht, Selbstregulierung, Konnektivität, Beziehungen und Geltungsdrang spielen eine gewichtige Rolle und haben durchaus Auswirkungen - positive wie negative - auf das emotionale Wohlbefinden von ihren Nutzern. Das gilt natürlich auch für Jugendliche und Kinder, wie eine Studie aus den USA zeigt, die Nutzer nach den Auswirkungen der Social Media-Nutzung auf ihre mentale Verfassung befragte.

Eine zentrale Aussage: 54 Prozent der Jugendlichen gaben an, sich zumindest abgelenkt zu fühlen, 72 Prozent fürchten gar, von den Betreibern der Netzwerke manipuliert zu werden, um mehr Zeit auf den sozialen Netzwerken zu verbringen. Gleichzeitig falle es den Nutzern immer schwerer, überhaupt noch echte Kontakte im realen Leben zu pflegen - nur noch 32 Prozent gaben an, sich gern direkt mit ihren Freunden zu unterhalten. Stattdessen können soziale Netzwerke (16 Prozent), Videochats (10 Prozent) und allen voran der Kontakt über Textnachrichten (35 Prozent) viel Land gewinnen. 2012 bevorzugten nämlich noch fast die Hälfte (49 Prozent) der Befragten den direkten Kontakt.

Keine Musterlösung

Der Aufenthalt in sozialen Netzwerken bringt zudem die andere Kehrseite des immer verfügbaren, stets vernetzten Internets mit sich: Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten erklärten, zumindest ab und an über rassistische, sexistische, homophobe oder andersweitig problematische Inhalte zu stolpern - diese Zahlen sind ebenfalls im Vergleich zu 2012 gestiegen.

Außerdem spielt „Cyberbullying“ eine weiterhin große, gefährliche Rolle; jeder zehnte Jugendliche gab an, dass er online zum Opfer von Beleidigungen und Angriffen wurde. Auch das spiegelt die Zahlen wider, wie man sie auch in Luxemburg kennt, wie BEE Secure anmerkt, bei denen sich ebenfalls häufig Meldungen zu Mobbingopfern finden. Das „Cybermobbing“ ist deshalb auch ein Top-Thema bei den Schulungsanfragen an BEE Secure durch Schulen oder Jugendhäuser. Sally Stéphany vom KannerJugendTelefon und der BEE Secure Helpline erklärt aber, dass bei der Helpline prinzipiell alle Themen zur Sprache kommen. „Ein zentrales Hauptthema gibt es nicht, sondern abwechselnd immer wieder die Klassiker“, erklärt sie. Neben Cyberbullying gebe es so auch Situationen von Sexting und Sextortion, bei der über Nacktbilder erpresst wird. „In letzter Zeit sind es eher erpresserische Mails, wegen denen sich die Menschen an uns wenden - es hängt also stark davon ab, was derzeit gerade Masche ist“, betont Stéphany.

Die Helpline gebe dann stets eine individuell an die Situation angepasste Beratung - Musterlösungen gibt es keine. „Es hängt immer davon ab, mit welchem Problem sich die Menschen konkret an uns wenden - etwa, wenn sie wirklich verbal angegriffen und bedroht werden“, erklärt sie. „In diesen Fällen raten wir auch durchaus rechtliche Schritte an.“ Allgemeinere Tipps, die sich auch auf der BEE Secure-Webseite finden lassen, gebe es aber auch. „Der Wichtigste davon ist sicher: Man muss auch mal Schluss machen und abschalten können“, sagt Stéphany. „Man muss nicht immer online sein.“

Deshalb rät auch der Cyberbullying-Ratgeber dazu, erst mal selbst aktiv zu werden, indem die Kommunikation zu den Angreifern abgebrochen wird (etwa durch blockieren). „Keinesfalls sollte man sich mit Angreifern auseinander setzen und ihnen Aufmerksamkeit geben“, meint sie. „Man muss sich dem nicht aussetzen, man kann da raus.“

Eltern achten auf ihre Kinder

Das sei dann auch eine wichtige Botschaft für alle Erwachsenen, die in diesem Punkt mit gutem Beispiel voran gehen sollen. „Auch in den Schulen“, betont sie. Deshalb gab BEE Secure in diesem Jahr bereits bei rund 690 Schulklassen im Primär- und Sekundarunterricht spezifische Kurse, in 24 Maisons-Relais waren sie auch - Tendenz steigend. Daneben gibt es auch Schulungen, speziell für Schulpersonal oder Eltern. „Die richtige Begleitung ist enorm wichtig, damit die Kinder nicht mit ihrem Onlinekonsum allein gelassen werden“, erklärt die Expertin. Deshalb sei auch die Medienkompetenz der Eltern gefordert. „Schauen Sie nicht weg“, meint sie. Die Eltern müssen hier Verantwortung übernehmen und über die Risiken beim Onlinekonsum aufklären. Denn: „Kinder und Jugendliche denken oft, sie wissen schon alles und kommen allein zurecht“. Das sei nicht immer so, und das Internet ist groß.

„Wir wollen letztendlich eine sichere Selbstständigkeit fördern, damit Nutzer mit Verstand und Skepsis im Internet unterwegs sein können“, erklärt Stéphany. Selbst für die ganz Kleinen gibt es was: „Wir haben auch bee.lu; diese Inhalte soll schon im kleinen Alter Respekt - nicht nur im Netz - vermitteln“, meint sie weiter.

Aber es gibt auch positive Auswirkungen der Nutzung sozialer Netzwerke; so gab es viele Jugendliche, die sich aufgrund ihrer Netzwerk-Nutzung selbst als selbstbewusster und beliebter einschätzten. Besonders Jugendliche, die einen niedrigen Messwert für soziales und emotionales Wohlbefinden (SEWB) aufwiesen, waren der Studie zufolge glücklicher und fühlten sich nicht so allein. Immerhin gaben bis zu 21 Prozent der jugendlichen Nutzer an, sich populärer, selbstbewusster und besser zu fühlen, wenn sie die Netzwerke nutzen. Einsam fühlten sich nur drei Prozent - zumindest auf der Oberfläche klingt das also nach guten Neuigkeiten.

Auch in Luxemburg halten sich soziale Netzwerke wie Facebook weiterhin hartnäckig ganz oben auf der Liste der Dienste, bei denen sich Menschen registrieren - das gilt natürlich auch für Jugendliche, die besonders stark auf Multimedia-Angebote wie Snapchat oder Instagram abfahren. Um auf die mögliche Gefahren von sozialen Netzwerken, unbeobachtetem, übermäßigen Online-Konsum und anderen Risikofaktoren im Online-Sektor hinzuweisen, hat die Organisation BEE Secure ein ausgiebiges Online-Angebot an lesenswerten Artikeln mit nützlichen Tipps und Tricks zusammen gefasst. BEE Secure rät deshalb auch: Eltern, die ihre Kinder vor Online-Risiken schützen wollen, sollten immer das einzigartige Profil ihres Kindes in die Rechnung einbeziehen.

Mehr Informationen unter www.bee-secure.lu

Mehr Informationen zu der Studie unter: tinyurl.com/SocialMStudie