FRANKFURT/LUXEMBURG
MM/DPA

Laut eines Medienberichts plant die Bank, 9.000 Stellen abzubauen

Die Commerzbank steht einem Medienbericht zufolge vor einem grundlegenden Konzernumbau mit Kosten in Milliardenhöhe. Vorstandschef Martin Zielke wolle die Bank deutlich verschlanken und die Ressorts der Bank auf zwei Säulen stellen, berichtet das „Handelsblatt“ (Dienstag) unter Berufung auf Finanzkreise.

Die Restrukturierung soll demnach bis 2020 dauern und bis zu eine Milliarden Euro kosten. Rund 9.000 Jobs würden in den kommenden Jahren wegfallen - fast jeder fünfte Arbeitsplatz bei Bank. Mit dem Umbau soll laut dem Bericht die bisherige Kernsparte Mittelstandsbank aufgespalten werden. Künftig könnten kleine Unternehmen im Privatkundenbereich und größere Mittelständler in einer Firmenkundensparte unter Kapitalmarktvorstand Michael Reuther betreut werden.

Dividende soll wegfallen

DROHENDER STELLENABBAU

Weitere Ausdünnung in Luxemburg?

Inwieweit Luxemburg vom neuerlichen Personalabbau betroffen sein könnte, war am Dienstag nicht zu erfahren. Am Mittwoch und Donnerstag soll der Commerzbank-Aufsichtsrat in Frankfurt über die Pläne entscheiden. Für Freitag wird mit einer Bekanntgabe des Ergebnisses gerechnet.

Bereits letztes Jahr war in Luxemburg ein Sozialplan für die Commerzbank International S.A. (CISAL) und der Filiale der Commerzbank AG über den Abbau von 90 Arbeitsplätzen verabschiedet worden. Durch den Verkauf der CISAL an die schweizerische Bank Julius Bär war die Zahl dahingehend statt der ursprünglichen 110 Stellen gemindert worden.

Die Commerzbank ist seit 1969 in Luxemburg vertreten und wickelt hier mit der Commerzbank AG, Filiale Luxemburg, ihr Edelmetallgeschäft ab. 2008 kam mit der Commerz Funds Solutions S.A. (CFS) das Fondsgeschäft hinzu, wo die Bank heute ein Fondsvermögen von rund zehn Milliarden Euro verwaltet. (MM)

Aktionäre der Commerzbank müssen sich ferner auf eine Streichung der gerade erst wieder aufgenommenen Dividendenzahlung einstellen, wie das „Handelsblatt“ weiter schreibt. Angesichts der hohen Kosten für den Konzernumbau plane der Vorstand, die geplante Ausschüttung für das laufende Jahr zu stoppen. Damit würde auch die Bundesrepublik Deutschland leer ausgehen, der die Commerzbank in der Finanzkrise gerettet hatte und noch immer noch gut 15 Prozent der Anteile hält. Die Commerzbank hatte für 2015 erstmals seit der Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2007 20 Cent Dividende pro Aktie gezahlt.

Bereits vergangene Woche hatte das „Wall Street Journal“ online unter Berufung auf mit den Planungen vertraute Personen geschrieben, dass mindestens 5.000 der konzernweit rund 50.000 Jobs gestrichen werden sollen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte gar von einer fünfstelligen Zahl von wegfallenden Arbeitsplätzen berichtet.

Ziel: Gewinnschwund stoppen

Der seit Mai amtierende Zielke arbeitet seit seinem Amtsantritt an einer neuen Strategie, um den Gewinnschwund der Bank zu stoppen. Deutschlands zweitgrößte Bank leidet unter strengeren Vorschriften von Aufsichtsbehörden und den Folgen der Niedrigzinsen. Diese lassen die Zinserträge der Bank gerade im Geschäft mit Einlagen von Privatkunden und sowie im Firmenkundengeschäft schrumpfen. Im ersten Halbjahr hatte die Commerzbank daher einen Gewinneinbruch von mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro verkraften müssen.

Nach den Zahlen gab sie ihr Ziel auf, den Vorjahresüberschuss von gut einer Milliarde Euro zu wiederholen. Im Juli musste sie zudem einen Rückgang der wichtigen Eigenkapitalquote hinnehmen. Sie zeigt an, wie dick der Puffer von Banken für Krisen ist. Beim Bankenstresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) im Sommer zählte die Commerzbank zu den schwächsten deutschen Instituten.