LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Privatbussektor: LCGB will Kollektivvertragsverhandlungen wiederaufnehmen - verringerte Schichtzeiten durch neue Verordnung

Die am kommenden Montag in Kraft tretende großherzogliche Verordnung über die Pausen auf Strecken unter 50 Kilometern sowie ein dann wirksamer Kollektivvertragsanhang werden in den Augen des LCGB „für die ganz große Mehrheit der Busfahrer eine substanzielle Herabsetzung der Amplitüden mit sich bringen“. Das sagte gestern Gewerkschaftssekretär Paul de Araujo auf einer Pressekonferenz, die allerdings vom Umfang her eher einem „point-presse“ entsprach. Wie der Arbeitgeberverband im Privatbussektor ist die Gewerkschaft die Ansicht, dass dieses „Werkzeug erlauben wird, die Arbeitspläne zu überarbeiten“. Nach Einschätzung de Araujos könnten die Amplitüden, also Fahr- und Wartezeiten zusammengenommen, künftig „bis auf zehn Stunden und noch weniger“ heruntergesetzt werden. Heute sind es laut früheren Angaben des OGBL zwischen zwölf und 14 Stunden. Paul de Araujo betonte gestern, das Reglement habe nur „durch den unermüdlichen Einsatz des LCGB“ und nach „harter und intensiver Arbeit“ zustande kommen können. Durch die neue Verordnung könne die europäische festgelegte Pausenzeit von 45 Minuten nach viereinhalb Stunden am Steuer anders aufgeteilt werden. „Diese Bestimmungen werden ganz klar dazu führen, dass die Amplitüden drastisch absinken werden“, unterstrich de Araujo. Die Verordnung bringe auch verbesserte Monatsprämien mit sich.

LCGB: FLEAA bereit zum Verhandeln

Für den LCGB gilt es jetzt, im Rahmen von Kollektivvertragsverhandlungen weitere Verbesserungen zu erreichen. Auf einer Delegiertenkonferenz am 19. September habe der LCGB das Mandat erhalten, zurück an den Verhandlungstisch zu kehren. Zur Verhandlung stehen laut LCGB eine zweiprozentige Gehaltserhöhung von Kleinbusfahrern, eine lineare Gehaltserhöhung aller Gehaltskategorien und erstmals auch der Verwaltungsangestellten von 0,5 Prozent pro Jahr über drei Jahre, mindestens vier bezahlte Stunden bei Sonntagsarbeit, Nachbesserungen beim Zusatzurlaub im Falle einer eventuellen Missachtung der wöchentlichen Ruhezeit von 45 Stunden oder auch eine Ausweitung der Referenzperiode auf sechs Monate. In diesem Punkt fordert der LCGB allerdings einen vollständigen 13. Monat als Ausgleich. Der letzte Kollektivvertrag ist zum 31. Dezember 2017 ausgelaufen, wird aber weiter angewendet, bis ein neuer Folgevertrag steht.

Auf Nachfrage zur Erwartungshaltung des LCGB mit Blick auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen bemerkte Paul de Araujo gestern, die Patronatsvertreter hätten Bereitschaft angekündigt, über die angesprochenen Punkte zu verhandeln. Was die Amplitüden angeht, sind sich LCGB und FLEAA indes einig, dass man vorerst die Auswirkungen der neuen Verordnung abwarten müsse. Angaben des Christlichen Gewerkschaftsbundes nach dauern die Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag seit nunmehr vier Jahren an.

Die Arbeitgeberseite hatte am Donnerstag per Pressemitteilung gegenüber den Medien erklärt, bei der jetzt in Kraft tretenden großherzoglichen Verordnung handele es sich um eine pragmatische Lösung, die sich positiv auf die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben der Busfahrer auswirke. Laut früheren Angaben des OGBL arbeiten rund 2.500 Busfahrer in diesem Sektor.