LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Jahresbilanz des CGDIS – letzte Pressekonferenz in der Feuerwache an der Arloner Straße

Wenn uns jemand vorher gesagt hätte, dass 2019 so spektakuläre Einsätze bringt, hätten wir nur mit dem Kopf geschüttelt...” meinte CGDIS Generaldirektor Paul Schröder bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz des großherzoglichen Rettungskorps CGDIS für 2019. Großbrände in Industriebetrieben, Vegetationsbrände in hoher Anzahl und vor allem der Tornado im Süden des Landes forderten die luxemburgischen Rettungskräfte heraus.

Wohl zum letzten Mal in den Räumen der bald ausgedienten Feuerwache in der Arloner Straße in der Hauptstadt, zogen Alain Becker, Präsident des CGDIS-Verwaltungsrates, Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer, als Vize-Präsidentin, und Paul Schröder Bilanz für das vergangene Jahr. In wenigen Monaten wird die hauptstädtische Berufsfeuerwehr, formal das CIS Luxembourg, in die neue Feuerwache am Kreisel Gluck in Gasperich umziehen. Die Feuerwache wird dann Teil des nationalen Einsatzzentrums (CNIS) des CGDIS sein.

Duales System bewährt sich

Für Alain Becker stehen zwei Dinge im Mittelpunkt der Arbeit des Rettungskorps, der landesweite Dienst am Bürger und vor allem die Intervention bei lebensbedrohlichen Umständen. Wobei die klassischen Brandeinsätze nur noch einen  Bruchteil der Arbeit des Rettungsdienstes ausmachen, in den meisten Fällen geht es um direkte Hilfe für Menschen – von der simplen Ambulanzfahrt bis hin zum Notarzteinsatz. Für Becker hat sich das duale System des CGDIS, die Kombination aus hauptamtlichen und freiwilligen Helfer bewährt, er sprach seinen besonderen Dank an die vielen freiwilligen Einsatzkräfte aus.

Becker erläuterte auch das Budget von 112 Millionen Euro, von dem rund die Hälfte für Personalkosten aufgewandt wird. Wobei sich Material und Personal sich auch an den vorgegebenen Ausrückzeiten orientieren müssen – für einen Rettungswagen sind das zwei Minuten – mit entsprechender finanzieller Förderung. Eine wichtige Rolle spielt auch der „Plan national d’organisation des Secours“ (PNOS) der derzeit entwickelt wird, und „Kompass“ für die nächsten Jahre sein soll. „Wir wissen aber jetzt schon, dass wir konsequent zusätzliche Berufsfeuerwehrleute rekrutieren müssen.“

Zu den deutlichen Verbesserungen gehört die Aufstockung von drei auf fünf Notarzt-Stationen (SAMU) im ganzen Land – Hesperingen und Findel sind neu dazugekommen. Auch rein ökonomisch macht sich der Zusammenschluss zu einem großen Korps a bemerkbar, so Becker. Wo die Kommunen früher ein Einsatzfahrzeug geordert und gekauft haben, hat das CGDIS die Möglichkeit zehn oder gar 20 Fahrzeuge zu ordern -  womit auch andere Preise möglich werden.

2019 habe man ursprünglich 74 Mitarbeiter einstellen wollen, letztendlich wurden es 136.
Konventionen zur Überschreibung von Immobilien sind fast alle abgeschlossen
Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer wies auf die guten Baufortschritte am Kreisel Gluck hin. Nach jahrzehntelanger Diskussion habe man mit dem CGDIS einen Abschluss gefunden, eine Einrichtung in der von allen Seiten gute Arbeit geleistet werde.

Die zwei Jahresfrist für die Übertragung von Mobilien und Immobilen der Einsatzzentren von den Kommunen auf das CGDIS sei von fast allen Gemeinden bereits erfüllt worden, erklärte Polfer. 93 Konventionen könne man als abgeschlossen beziehungsweise ausgehandelt bezeichnen, in sieben weiteren Kommunen laufen die Verhandlungen noch. Wer mitgezählt hat, dem  fällt auf, dass damit nur 100 von 102 Gemeinden erfasst sind. Der Grund ist simpel: Zwei Gemeinden verfügen über keinerlei Einsatzzentren.

Polfer, die als Vizepräsidentin die Gemeindevertreter im Verwaltungsrat repräsentiert, lobt das gute offene Klima im Verwaltungsrat.

7.000 Männer und Frauen

Generaldirektor Paul Schroeder nannte einen Mitgliederbestand von rund 7.000 Männer und Frauen, zu denen aber auch die Veteranen des Zivilschutzes, die sich auf ihre Art einbringen, und die Mitglieder der Jugendfeuerwehren gehören. Einsatzbereit sind rund 3.500 freiwillige Rettungskräfte  - bei einem Frauenanteil von 20 Prozent. Die Zahl der hauptamtlichen Rettungskräfte beläuft sich auf rund 600 (Frauenanteil fünf Prozent).

Die Zahl der Einsätze 2019 hat mit über 60.979 um 2,4 Prozent zugenommen. In 97 Prozent der Fälle ging es um Hilfe für Personen. Das waren 167 pro Tag, sieben pro Stunde oder ein Rettungseinsatz alle neun Minuten. Doch nicht alle Tage verlaufen gleich, am 10. März 2019 war am meisten los, die Rettungskräfte waren insgesamt 258 Mal im Einsatz. Ruhig  - nach Maßstäben des CGDIS - war es am 17. August 2019 mit nur 112 Einsatzfahrten.

Besonders erfreulich war für Schröder die Ausweitung des SAMU-Dienstes auf nun fünf Notarztstationen – so komme es nur noch maximal pro Tag vor, dass kein Notarztwagen einsatzbereit ist.

Heftige Einsätze

Einige Einsätze hatten es, wie schon zu Anfang erwähnt, „in sich“. Schroeder nannte einen schweren Sturm im März, zahlreiche Vegetationsbrände (Wald- oder Feldflächen), große Industriebrände wie den bei Kronospan, wo 250 CGDIS-Kräfte im Einsatz waren, oder Euro-Composites in Echternach. Den größten Schaden brachte natürlich der Tornado im Südwesten des Landes mit sich, dort waren 850 Männer und Frauen des CGDIS im Einsatz, unterstützt von 150 Helfern des Technischen Hilfswerks aus Deutschland. „Wir wurden 2019 schon extrem gefordert,“ lautete das Fazit des CGDIS-Generaldirektors.