LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Der regionale Tourismusverband und die Fahrgastschiffbetreiber hoffen auf eine baldige Lockerung der Covid-19-Ausgangsbeschränkungen

Der Shut down trifft viele Unternehmen hart. Ausgerechnet eine Branche, die oft von schlechtem Wetter gebeutelt wird, ist aktuell beim schönsten Frühlingswetter zum Nichtstun verdammt - der Tourismussektor. Gestern haben wir entlang der Mosel einige Eindrücke gesammelt - das vorweggezogene Fazit ist einfach: Alle warten auf das Startsignal, dass es wieder los gehen kann.

Flaggschiff in Zwangspause

Eigentlich hätte das Restaurantschiff „Princesse Marie-Astrid“ zu Ostern die Saison 2020 beginnen sollen, um dann nach einem festen Fahrplan Touristen die schönsten Seiten der deutsch-luxemburgischen Mosel zu zeigen, wobei die Kernstrecke zwischen Wasserbillig und Schengen liegt. Genauer gesagt liegen sollte. Doch im Augenblick tut sich nichts. Die Mitarbeiter, die sonst in Küche und Service wirbeln oder auf der Brücke und im Motorraum für sichere Fahrt sorgen, sind in Kurzarbeit.

In Grevenmacher, dem Sitz der „Entente touristique“ die das Schiff betreibt, hofft man auf das für Mitte April erwartete Signal der Regierung wie es mit den Schutzmaßnahmen gegen die Covid-19-Epidemie weitergeht, vor allem wann eine Lockerung kommt und das Schiff wieder fahren darf.

Schwierige Situation für Privatunternehmer

Während hinter der „Princesse Marie-Astrid“ die „Entente touristique“ steht und damit eine Gemeinschaft der Moselgemeinden, arbeitet die Familienreederei „Navitours“ rein privatwirtschaftlich. Normalerweise operiert sie mit drei Fahrgast- und Eventschiffen von Remich aus. Unser Anruf bei der Eigentümerfamilie Kieffer und die Frage nach der Lage bringt eine ziemlich lakonische Antwort: „Im Augenblick sind wir nur mit Absagen beschäftigt“. Auch hier sind die über 20 Mitarbeiter in Kurzarbeit, da nicht einmal Unterhaltsarbeiten an den Schiffen erlaubt sind. Als privater Betrieb hoffe man natürlich darauf, dass die zugesagte staatliche Unterstützung, gerade auch in Sachen Kurzarbeit, wirklich kommt und die Verwaltung durch die Menge der Anfragen nicht überfordert ist.

Natürlich setzt man auch hier auf eine Lockerung nach dem 4. Mai, aber wenn der Stillstand bis zum Juni anhalten sollte, wird schon die halbe Saison vorbei sein.

Die Touristen bei der Stange halten

Beim ORT Moselle, einem von fünf regionalen Tourismusverbänden in Luxemburg, hat man auch auf Homeoffice umgestellt und kümmert sich im Augenblick vor allem um Events die noch stattfinden können - später im Jahr. Gleichzeitig wird ein Planing für den Moment erstellt, an dem es das Signal für einen Neustart geben wird. Gemeinsam mit den anderen vier ORT betreibt man die Kampagne „Don’t cancel!“ mit der man die Touristen davon überzeugen will, nicht jetzt schon Buchungen für spätere Reisetermine zu stornieren.

Gilles Estgen, der Präsident des ORT Moselle, beschreibt die Situation kurz und bündig als „Geschäft ohne Kunden.“ Was nicht nur für klassische kommerzielle Tourismusbetriebe gilt, auch die Museen an der Mosel vom Aquarium in Wasserbillig bis zum Europazentrum in Schengen haben keine Besucher. Natürlich treffe es den HORESCA-Bereich besonders hart, meint Estgen, das ORT versuche daher die lokalen Akteure zu unterstützen. Aktuell arbeite man an einer Kampagne für die Restaurants an der Mosel, die in der Krisenzeit einen Take-out oder Bestellservice betreiben.

Estgen berichtet, dass das ORT Moselle in der Krise „informatisch aufgerüstet“ hat, die Mitarbeiter im Homeoffice könnten nun per Videokonferenz miteinander kommunizieren, das bringe sicher auch Veränderungen für die zukünftige Arbeit des ORT mit sich.

Gemeinsam mit „Luxembourg for tourism“ versuche man die potenziellen Touristen, die ja auch untätig zuhause sitzen, online mit Infos und Bildern über Luxemburg bei der Stange zu halten oder für spätere Reisen ins Großherzogtum zu gewinnen.

Eine andere große Frage sei: „Wie stellen wir uns für den Neustart auf?“ erklärt der ORT-Präsident. Estgen rechnet mit einer schrittweisen Freigabe von Aktivitäten. „Nach den Osterferien wissen wir hoffentlich mehr.“