MADRID
LJ MIT DPA

Der Weltklimagipfel in Madrid geht in die Schlussphase

Zuerst sollte die 25. UNO-Klimakonferenz in Santiago de Chile stattfinden, doch wegen der sozialen Proteste musste sie nach Madrid verschoben werden. Heute soll die COP25, an der seit Montag letzter Woche Vertreter aus rund 200 Ländern teilnehmen, abgeschlossen werden, aber es wird erwartet, dass sich der Abschluss wegen der vielen offenen Fragen bis Samstag verzögert. Verzögerungen sind aber bei Klimagipfeln eher die Norm als die Ausnahme. Vor dem Abschluss der Weltklimakonferenz liegen die Positionen der Staaten jedenfalls teils noch weit auseinander.

Darüber, wie das Pariser Klimaabkommen verwirklicht und die Erderhitzung eingedämmt werden kann, diskutiert in Madrid derzeit noch Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng), derweil Großherzog Henri bei der Eröffnung der Klimakonferenz präsent war und auch Finanzminister Pierre Gramegna (DP) Anfang der Woche einen Abstecher zur COP25 machte, um dort auf die Rolle Luxemburgs bei grünen und nachhaltigen Finanzinvestitionen hinzuweisen.

Spaniens Umweltministerin:

Klima-Verhandlungen von Konflikten geprägt

Kurz vor der entscheidenden Schlussphase des Weltklimagipfels in Madrid sind die Verhandlungen nach Angaben der spanischen Regierung weiter von Konflikten geprägt. „Was wir sehen, ist eine Diskrepanz zwischen Staaten, die Maßnahmen beschleunigen wollen (...), und solchen Ländern, die der Meinung sind, dass wir uns an das halten müssen, was im Pariser Klimaabkommen vereinbart wurde - obwohl wir von Wissenschaftlern hören, dass dies nicht genug ist und wir mehr tun müssen“, sagte die spanische Umweltministerin Teresa Ribera gestern. In dem Pakt hatten sich die Staaten 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

Im nächsten Jahr müssen die einzelnen Staaten laut Paris-Abkommen ehrgeizigere Ziele vorlegen, jedoch haben viele Experten gefordert, bereits in Madrid ambitionierte Maßnahmen anzukündigen. Ribera betonte weiter, die Delegationen seien auch bei anderen wichtigen Punkten der Agenda noch „tief gespalten.“

Haben in der ersten Woche vor allem Fachleute verhandelt, so reisten in dieser Woche die Regierungsvertreter an, um dort Lösungen zu finden, wo die Fachleute nicht weiterkommen. Die Politiker berieten vor allem über ambitioniertere Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung. Auch der Handel mit Emissionen und die Unterstützung für vom Klimawandel besonders hart getroffene Staaten standen auf der Agenda. Speziell arme Länder, die am wenigsten zur Krise beitragen, leiden unter den Folgen von Dürren und Wetterkatastrophen.

Greta Thunberg beim Klimagipfel

„Jeder Bruchteil eines Grades zählt“

MADRID Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat beim Weltklimagipfel in Madrid die Regierungen wohlhabender Staaten für ihre Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel scharf kritisiert. In einer auf wissenschaftliche Daten zu CO2-Emissionen und die Erderwärmung gestützten Rede legte die 16-Jährige vor dem Plenum eindringlich die Fakten zu den Folgen dar, sollten die Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad verfehlt werden. „Jeder Bruchteil eines Grades zählt“, so Thunberg.
„2050 Treibhausgas-Neutralität zu erreichen bedeutet gar nichts, wenn die Emissionen inzwischen noch für ein paar Jahre weitergehen wie bisher. Denn unser verbleibendes Budget wird dann aufgebraucht sein“, erklärte die junge Schwedin unter dem Applaus der Anwesenden. Sie monierte scharf, dass die Verhandlungen in Madrid so schleppend vorankämen. „Es gibt überhaupt kein Gefühl der Dringlichkeit“, warf sie den Politikern vor.
Die eigentliche Gefahr, so betonte Thunberg, sei nicht die Untätigkeit der für die Krise verantwortlichen Regierungen und Unternehmen, „sondern die Tatsache, dass Politiker und Konzernchefs es so aussehen lassen, als würden sie etwas tun“. Das Jahrzehnt, das in nur drei Wochen beginne, „wird unsere Zukunft definieren“, warnte sie. Die Menschen bräuchten jetzt unbedingt ein Zeichen der Hoffnung. „Aber es gibt Hoffnung, ich habe es gesehen - aber sie kommt nicht von Regierungen und Konzernen, sondern vom Volk.“  DPA/lj