LUXEMBURG
MARCO MENG

Jacques Lanners - Ingenieur, Unternehmer, Familienmensch

Hinter dem Schreibtisch des Ceratizit-Co-Chefs Jacques Lanners hängen die Portraits von Großvater und Vater, deren Technikbegeisterung er geerbt hat. Auf einem Tischchen steht die Auszeichnung, die Lanners 2009 verliehen bekam, als er als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet wurde. Was ihn sehr stolz macht, wie er sagt. Er hat - nicht allein, sondern in einem guten Team, wie Lanners betont - aus dem einstiegen kleinen Betrieb seines Großvaters einen Weltkonzern gemacht.

Die Fusion von Cerametal und Plansee Tizit 2002 hatten Sie mit initiiert…

Jacques Lanners Mein Großvater stand schon länger mit der Firma Plansee in Kontakt. 1948 sind beide Firmen dann zusammen gekommen, 1962 hatten die beiden sich aber wieder getrennt. 2002 hat der Enkel des ehemaligen Plansee-Gründers Paul Schwarzkopf mich, den Enkel des Cerametal-Gründers Nicolas Lanners, dann gefragt, ob wir kooperieren wollen, und so kam der Zusammenschluss endlich zustande. Man könnte so sagen: Wir haben die gleiche Frau zwei Generationen später wieder geheiratet.

Einerseits konnte der ehemalige Familienbetrieb wachsen, andererseits haben Sie aber dadurch auch Macht abgegeben.

Lanners Das stimmt. Ich hatte ein lachendes und ein weinendes Auge. Das ist so wie ein Junggeselle, der schalten und walten kann wie er will. In dem Moment, wenn er heiratet, ist es nicht mehr allein. Am Anfang stand die Frage: Will man allein oder zu zweit eine kleine Gruppe leiten oder in einem Vierergremium eine wesentlich größere. Der Vorteil lag auf der Hand, weil wir uns als größere Gruppe Dinge leisten konnte, die wir uns sonst nicht leisten konnten. Zum Beispiel haben wir so ein Vertriebsnetz aufgebaut, das sonst nicht möglich gewesen wäre. Jetzt konnten wir auch mit den großen Hunden Gassi gehen. Statt uns also gegenseitig das Leben schwer zu machen, konnten wir so unsere Kräfte sinnvoll bündeln.

Seitdem haben Sie unheimlich expandiert.

Lanners Um international bestehen zu können, braucht man eine bestimmte kritische Masse, und die gewannen wir durch die Fusion. Wir hatten schon vorher mit Cerametal expandiert, waren bereits in China, in Japan, den USA, mit Plansee zusammen expandierten wir dann nach Indien, Bulgarien, Italien. Heute beschäftigen wir 5.500 Mitarbeiter, 1.200 davon in Luxemburg, mit einem Jahresumsatz von 750 Millionen Euro. Durch die Internationalisierung haben wir feste Standbeine auf allen Kontinenten und Diversifizierung, was dem Geschäft Stabilität verleiht.

Stand immer fest, dass Sie in die Fußstapfen von Vater und Großvater folgen?

Lanners Das war nie ein Thema bei uns in der Familie, auch für mich selbst nicht. Wie Obelix in den Zaubertrank, fiel ich ins Unternehmertum. Als Kind schon kannte ich die Firma, die damals freilich mit fünfzehn Mitarbeitern noch sehr klein war. Ich war von der Technik fasziniert, habe die Maschinen bestaunt, die Firma war so etwas wie meine Spielwiese. Meine Freunde wollten Polizist, Feuerwehrmann oder Pilot werden. Ich war immer ein Bastler - bin es auch heute noch, wenn ich zur Entspannung an alten Automotoren bastele und schraube - und wollte mit drei Ingenieur werden und mit sechzehn immer noch. Mit achtzehn dachte ich vielleicht kurz, es gibt bestimmt einfachere Studien, bin aber mit 24 doch Maschinenbauingenieur geworden. Und um das Geschäftliche zu lernen, habe ich nebenbei in Abendkursen zwei Jahre lang Management studiert.

Was fasziniert mehr: Ingenieur sein oder Unternehmer?

Lanners Ich lebe von Unternehmertum, aber ich bin immer noch ein Techniker. Zwar bin ich heute weniger operativ tätig, aber in der Gruppe für Technik und Innovation zuständig. Das ist auch ein wichtiger Aspekt unseres Unternehmens, weshalb über hundert Mitarbeiter von uns nur Forschung betreiben. Ich selbst hatte mich übrigens auch überwinden müssen zu studieren: Damals (Mitte der 1970er Jahre) hatte ich - nicht unüblich in dem Alter - andere Sachen im Kopf. Studieren war da nicht gerade meine Priorität. Später, Anfang der 1990er, als ich Management studierte, da tat ich es, weil ich das wissen wollte. 1983, hatten wir das Werk in Livingen geöffnet, das ich sieben Jahre lang leitete. Da habe ich mir zuerst mal eine blutige Nase geholt und gemerkt, dass auch andere Sachen wichtig sind außer der reinen Technik. Was heißt Finanzen, was Buchhaltung? Darum das Managementstudium und auch vier Monate Schulungen in Japan, wo ich viel lernte.

Sehr ehrgeizig.

Lanners Wenn man sich nicht weiterbildet, egal auf welchem Niveau, dann geht man rückwärts. Als mein Vater sich 1980 ein Auto kaufte und vier Jahre später ein neues, war das damals dasselbe Auto, nur die Farbe war anders. Wenn Sie heute im Januar ein Auto kaufen und ein halbes Jahr darauf dasselbe Modell nochmal, haben Sie ein ganz anderes Auto. Die Technik ändert sich schneller denn je zuvor.

Sind Sie ein Workaholic?

Lanners Nein. Nein, das war ich. Heute bin ich ein Mann, der auch seinen Mitarbeitern Work-Life-Balance predigt. Ich bin älter und erwachsener geworden und merke, dass man sich nicht hinter der Arbeit verstecken darf. Man kann nicht zwanzig Stunden arbeiten und ein ausgeglichener Familienvater sein. Es gibt eine Zeit für alles. Wenn man richtig Gas geben will, muss man auch richtig entspannen können. Immer Vollgas, das geht nur eine Zeitlang gut. Ich habe eine Familie mit vier erwachsenen Kindern und drei Enkelkinder, und das ist mir sehr wichtig. Meine Kinder habe ich kaum aufwachsen sehen, darum will ich das wenigstens mit den Enkelkindern haben. Ich habe zwei Hunde, mit denen ich gerne an der belgischen Küste stundenlang laufe, lese viel und bastele gern an alten Autos oder mache Ausflüge mit dem Motorrad, heute aber nicht mehr so wild wie früher.