CLAUDE KARGER

Einem „Le Jeudi“-Journalisten war kürzlich arg mulmig, als er auf 13, rue du Rost bei Claude Wiseler recherchierte: „au siège de la „fraction“, dont il a pris la tête, le fantôme de son prédécesseur Jean-Claude Juncker, est encore tellement présent, qu’on pense bien le croiser dans les couloirs.“ Schauder. Aber der quicklebendigeKettenraucher hat die nächste Zeit genug in Brüssel zu tun. Trotzdem wird Wiseler seine liebe Mühe haben, sich aus dem Schatten des ewigen CSV-Zugpferds zu lösen. Und dann müssen es die Wähler auch noch merken, denn: „Die Luxemburger mögen Frühaufsteher sein, werden aber spät wach“, lautet die Diagnose des früheren Ministers Roby Goebbels im „t“. Schreiben tut er das allerdings im „LuxLeaks“-Kontext. Vor allem die Reaktion darauf bei Presse und Politik, die nun „wie aufgescheuchte Hühner herum gackern“ verwundert ihn. Schließlich sei gewusst, dass „ohne den Aufstieg des Bankplatzes mit seinen ungeliebten Nebenwirkungen wie dem Bankgeheimnis und anderen der Steuerhinterziehung dienlichen Praktiken“, Luxemburg nach Ende der Stahl-Ära „zu einem Armenhaus Europas“ geworden sei. Ob jemand geglaubt habe, der Reichtum sei „das Produkt der fleißigen Arbeit der Hersteller von Quetschekraut, Kachkéis, Téi vum Séi und Bio-Crémant“? Obwohl wir diese Köstlichkeiten über alles lieben: Nein, nicht wirklich.