LUXEMBURG
SIMON LAROSCHE

Dan Sinnes, 33, einer der angesehensten Tätowierer im Land,betreibt jetzt in Luxemburg-Stadt sein eigenes Studio

Wer sich in Luxemburg ein Tattoo stechen lassen möchte, hat die Auswahl unter einer Handvoll zugelassener Studios. Seit 2012 zählt auch „Luxembourg Electric Avenue“ abseits der Route d’Esch dazu. Inhaber und Tätowierer vom Dienst ist Dan Sinnes, ein in Luxemburg recht bekanntes Gesicht, nicht nur in der Tätowierer-Szene. Der aus Eschweiler bei Junglinster stammende Profi bemalt seit 2000 als Beruf die Häute anderer Menschen, von kleinen Pünktchen bis hin zu quietschbunten Riesenentwürfen, die ganze Teile des Körpers mit Farbe überziehen. Dabei hat der 33-Jährige eigentlich eine Optiker-Lehre abgeschlossen. „Gegen Ende dieser Lehre, faszinierte mich jedoch das Tätowieren immer mehr“, erklärt Sinnes während einer Auszeit in seinem geräumigen Studio, „ich hatte angefangen, Tattoo-Entwürfe zu sammeln. Kurz darauf bot mir das „Diablo Tattoo“ in der Escher Fußgängerzone eine Stelle als Lehrling an.“ Unter der Leitung der Inhaberin „Tily“ wurde er jedoch, glücklicherweise, nicht sofort auf die angespannten Kunden losgelassen. Zuerst musste er mal lernen, das Studio richtig zu putzen, die Kunden zu beraten und hygienisch einwandfreie Arbeitsstationen für den Tätowierer im Dienst aufzubauen. Irgendwann durfte er dann aber auch selbst zur elektrischen Tätowiermaschine und der Tinte greifen. „Mein erstes Tattoo stach ich mir selbst, das sollte man als Tätowierer in der Regel immer tun. Es war auf meinem Bein, da man dort selbst am einfachsten mit der Nadel hinkommt.“ Seine ersten Kunden waren Freunde, ehe er dann fremde Menschen bemalen durfte.

Lehrling bei „Tily“ und „Woods“

Nach sieben Jahren in Esch folgte er dem Ruf seines Freundes „Woods“, einer weiteren Größe in der Luxemburger Tätowierer-Szene, um zwei Jahre lang in dessen „Holy Ghost“-Studio in der Hauptstadt zu arbeiten. Es folgten zwei weitere Jahre, in denen Sinnes als sogenannter „Guest-Artist“ durch die Welt reiste.

Unter anderem in Hong Kong und Japan über Singapur, Los Angeles und halb Europa stach er in Studios von Bekannten Motive oder fand neue Inspirationen. Mit dieser wertvollen Erfahrung kehrte er in sein Heimatland Luxemburg zurück und machte sich im Sommer 2012 mit der Eröffnung seines Studios selbstständig.

Als Tätowierer malt er aber bei weitem nicht nur Arme, Rücken oder Beine. „Gesicht, Kopf, Hände, Finger und Genitalbereich, so gut wie jeden Körperteil habe ich bis jetzt an Kunden tätowiert“, erzählt Sinnes. Dabei erfüllt er nicht jeden Tattoowunsch.
An Minderjährigen arbeiten ist tabu
„An Minderjährigen arbeite ich sowieso nicht, ansonsten verweigere ich ein Tattoo, wenn ich merke, dass ein Kunde noch große Zweifel an seiner Entscheidung hegt. Einer Frau erkläre ich zum Beispiel, dass eine Tätowierung auf der Brust jetzt zwar geil aussehen kann, in ein paar Jahren, wenn sie ein elegantes Cocktail-Kleid anziehen will, dann aber vielleicht viel weniger. Im gleichen Sinn bekommt eine Person, die noch fast gar nicht tätowiert ist, von mir kein Tattoo auf die Stirn oder auf die Hand gemacht. Ich stehe für wichtigen Rat zur Verfügung.“ Rassistische und faschistische Sprüche oder Zeichen lehnt Sinnes ebenfalls ab. In seinem Studio arbeitet er pro Tag gewöhnlich er an zwei Kunden, die Preise fangen bei 50 Euro für die kleinsten Stücke an, eine preisliche Obergrenze gibt es nicht. Dan Sinnes ist sich bewusst, dass er es alleine nicht soweit geschafft hätte und besteht am Ende darauf, sich bei seinen Eltern, seiner Familie, seinen Arbeitskollegen und seinen Kunden zu bedanken.
Das „Luxembourg Electric Avenue“, gelegen auf15, rue des Jardiniers, ist von montags bis freitags von 12.00 bis 19.00 für Beratungen und Termine geöffnet. Alle weiteren Infos unter
www.luxembourg-electric.com