PASCAL STEINWACHS

Ein junges schwedisches Mädchen mit Zopffrisur wird zur Symbolfigur der Klimabewegung und mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Hunderttausende Menschen nehmen sich ein Beispiel an Greta Thunberg und gehen nun schon seit Monaten im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung weltweit für effizienten Klimaschutz auf die Straße. Plastiktüten und Strohhalme werden seit einiger Zeit, so wie ganz früher Pornohefte, nur noch unter der Ladentheke gehandelt. Das Europaparlament ruft den Klimanotstand aus (was aber natürlich nur Symbolcharakter hat). Die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will den Kampf gegen den Klimawandel zur Chefsache machen, und ihr Vizepräsident Frans Timmermans stellte gestern erste Beispiele aus dem geplanten „Green Deal“ für ein klimaneutrales Europa vor.

Und in Madrid, da suchen seit letztem Montag und bis Ende nächster Woche auf der nunmehr schon 25. UN-Klimakonferenz (COP25) Vertreter aus knapp 200 Staaten wieder einmal Wege aus der Klimakrise und nach Lösungen, wie wenigstens das Pariser Klimaabkommen, das ja zum Ziel hatte, die Erderwärmung auf 1,5 bis maximal zwei Grad zu begrenzen, verwirklicht werden kann, sind zwei Drittel der inzwischen rund 180 vorgelegten nationalen Aktionspläne doch ungeeignet, die Erderwärmung auch nur zu bremsen. So geht es in Madrid, wo heute auch besagte Greta Thunberg erwartet wird, in erster Linie darum, die Staaten zur Nachbesserung zu bewegen.

Luxemburg hat seine diesbezüglichen Hausaufgaben wenigstens bereits teilweise gemacht - zwar in letzter Minute, aber besser spät als nie -, so dass Großherzog Henri, der erneut mit Umweltministerin Carole Dieschbourg zur Klimakonferenz angereist war, am Montag in seiner COP25-Rede auf die klimapolitischen Bemühungen Luxemburgs eingehen konnte, die erst drei Tage zuvor vom Regierungsrat angenommen wurden. So sollen die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030, gemessen am Referenzjahr 2005, nun anstatt der zuvor vorgesehenen 40 Prozent um 55 Prozent reduziert werden, derweil Luxemburg - wie ganz Europa - bis 2050 die Klimaneutralität erreicht haben soll. Vom Großherzog erwähnt wurde in Madrid auch noch einmal die Einführung eines kostenlosen öffentlichen Transports ab März nächsten Jahres, aber das dürften die Delegierten der anderen Staaten inzwischen mitbekommen haben.

Pünktlich zum Nikolaustag soll der Regierungsrat in seiner heutigen Sitzung dann endlich auch den nationalen Energie- und Klimaplan gutheißen, von dem bereits im Februar ein erster Entwurf vorgelegt wurde und der bis Ende des Jahres in Brüssel eingereicht werden muss.

Wer den Kampf gegen den Klimawandel aber wirklich ernst nimmt, und das machen ja anscheinend immer mehr, der sollte sein Auto einfach mal zu Hause stehen lassen (was bei der aktuellen Verkehrslage in der Hauptstadt sowieso das Beste ist) und tatsächlich mal auf den öffentlichen Transport zurückgreifen; der sollte nicht alle paar Jahre ein neues, noch größeres Auto kaufen; der sollte auf die „Päischtcroisière“ verzichten, und der sollte nicht dreimal im Jahr mit dem Flieger in den Urlaub fliegen. Es kann so einfach sein...